Umwelt

Bienenzüchter versüßen Solarparks mit dem „Tesla unter den Honigen“

Durch die Kombination von Bienen und Solarparks erfinden Travis und Chiara Bolton die kommerzielle Bienenzucht neu. Donnerstag, 9 November

Von Christina Nunez

Der SolarWise-Garten in Ramsey, Minnesota sieht nicht besonders innovativ aus, verglichen mit anderen Solarparks. Aber im April erreichte er still und leise einen Meilenstein: Er wurde die erste Solaranlage in den USA, die einen kommerziellen Bienenstock hatte. Dieser ist Teil eines Versuchs, die Landnutzung für erneuerbare Energien zu überdenken und für mehr als nur Kilowatt zu verwenden.

Statt dem Kies oder Gras, das normalerweise unter den Paneelen einer Solaranlage zu finden ist, wachsen in dem Solarpark in Ramsey bienenfreundliche Pflanzen. Außerdem gibt es dort 15 Bienenstöcke, die von Bolton Bees aufgestellt wurden, einem regionalen Honigproduzenten etwa 55 Kilometer entfernt in St. Paul. Zwei weitere Solar-Bienenstände im selben Staat folgten und mehr sind in Planung.

Der Aufschwung der Solarenergie in den USA fällt mit einem wachsenden Bewusstsein dafür zusammen, dass Bestäuber – die drei Viertel der weltweiten Nahrungspflanzen beim Wachstum unterstützen – in Gefahr sind. Amerikanische Erzeugnisse von Mandeln bis zu Heidelbeeren sind extrem abhängig von diesen geflügelten Arbeitskräften. 2016 verloren Imker aus diversen Gründen aber 40 Prozent ihrer Kolonien.

Das Paar hinter Bolton Bees, Travis und Chiara Bolton, baut sein kleines Unternehmen auf dem Fundament einer stetig wachsenden Vision: einer, in der das für Solarparks genutzte Land durch die Präsenz lokaler Bienen versüßt wird.

Chiara Bolton hat während eines wirtschaftlichen Entwicklungsprojekts in Tibet zum ersten Mal etwas über Bienenzucht gelernt. Als sie es dann zu Hause versuchte, fand sie heraus, wie schwer es ist, die Bienen während der harten Winter in Minnesota am Leben zu halten.

„Ich wurde irgendwie süchtig danach“, sagt sie. Zusammen züchteten sie und Travis Jahr für Jahr Bienen, die den Wintern in Minnesota gewachsen waren. Sie fanden einen Markt unter den Hobbyimkern, die winterharte Königinnen brauchten.

Zu diesem Zeitpunkt arbeitete sie als Leiterin eines Pflegeheims und er war mit einem Unternehmen für den Haus- und Wohnungsumbau selbstständig. Aber vor zwei Jahren kündigte sie dann ihren Job und er gab sein Unternehmen auf, damit beide sich in Vollzeit auf die Bienenzucht konzentrieren konnten. Sie verkauften sowohl Bienen als auch regionalen Honig.

„Eine der Besonderheiten der Bienenzucht ist, dass man den ganzen Tag in der Natur ist, und zwar jeden Tag“, sagt Travis Bolton. „Unser Büro ist auf einer wunderschönen Wiese, umgeben von Wäldern.“

Als sie sahen, dass in der Nähe ein Solarpark gebaut wurde, überlegten sie, dass es ein guter Standort für Bienenstöcke wäre. Sie verfolgten die Idee aber nicht weiter – bis das regionale Unternehmen Fresh Energy an sie herantrat, das sich für erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit einsetzt. Es bat sie darum, Bienenstöcke in dem Solarpark in Ramsey aufzustellen.

„Es ist wirklich erstaunlich, wie schnell das Schule macht“, sagt er. „Mein Handy klingelt quasi ununterbrochen.“ Die Boltons befinden sich in Gesprächen über die Aufstellung von Bienenstöcken in weiteren Solarparks in Minnesota, Wisconsin, Iowa und Illinois.

WARUM BIENENFREUNDLICH?

Rob Davis, der Leiter von Fresh Energys Media & Innovation Lab, erzählt, dass er zunehmend Bedenken über die Landnutzung vernommen hat, als die solarfreundliche Energiepolitik in Minnesota voranschritt: War es eine gute Idee, produktives Ackerland mit Solarpaneelen vollzustellen?

„Wir haben begriffen, dass die ländlichen Gebiete von Minnesota und anderen Gegenden des Landes sehen mussten, dass sie von dem Wechsel zu erneuerbaren Energien profitieren“, sagt er.

Auch wenn die Kombination von Solarparks mit Wiesen in Europa üblich ist, ist es in den USA ein relativ neues Konzept. Dort nahmen die Anfänge der Solarenergie in Form von Megaprojekten in den Wüsten Kaliforniens und Nevadas ihren Lauf. Neuere Projekte im mittleren Westen und anderswo müssen jedoch auch landwirtschaftliche Räume berücksichtigen.

Ein kürzlich etablierter Solarstandard in Minnesota regt die Bauunternehmer an, Wildblumen und heimische Pflanzen in die Solarparks zu pflanzen. So sollen sie für Bestäuber attraktiver werden, aber auch für Farmer, die in der Nähe ihre Äcker bestellen oder Land verpachten. Für die Bauunternehmer rechnen sich die anfänglichen Kosten für Saatgut und die Bepflanzung langfristig, da sie nachfolgend weniger Instandhaltungskosten haben. Sie müssen dann keinen Rasen mähen und sich nicht mit Kiesabtragung herumschlagen.

Davis sagt, er hätte Bolton Bees aufgrund ihrer modernen Verpackungen und der Vielfalt an regionalen Honigsorten kontaktiert.

„Es wirkt wie der Tesla unter den Honigen“, sagt er. „Das ist Honig, der einen über die Lieferkette nachdenken lässt. Das ist Honig, von dem man tatsächlich etwas lernt.“

SOLARHONIG-STARTUP

Nachdem sie ihre ersten Solar-Bienenstöcke im April aufgestellt hatten, arbeiteten die Boltons ihr neues Konzept aus und begannen mit der Umsetzung. Sie planen, dieses Jahr etwa 1.800 Kilogramm Solarhonig zu ernten. Ein Teil davon soll in Lebensmittelgeschäften verkauft werden, während ein anderer Teil an Solarenergiekunden geht. Sie haben außerdem eine Trademark für einen Solarhonigstandard und ein Label eingetragen, von dem sie hoffen, dass andere Imker es übernehmen werden. So soll das Konzept der smarten Landnutzung und regionaler Bienenzucht gefördert werden.

„Wir haben diesbezüglich definitiv große Ambitionen“, sagt Travis Bolton. „Wir glauben, dass das ein Modell ist, das von regionalen Bienenzüchtern im ganzen Land kopiert werden kann.“

Viele kommerzielle Imker transportieren ihre Bienenstöcke durch das Land, immer den Jahreszeiten und Ernten hinterher. Die Boltons werben für lokalere Lebensräume – wie die neuen Solarwiesen – und einen lokaleren Bienenbestand. Da ihre Kolonien dafür gezüchtet wurden, an Ort und Stelle zu verbleiben, sind ihre Bienenstöcke beständiger.

Das Paar möchte auch eine neue Generation lokaler Bienenzüchter inspirieren, denn viele Bienenzüchter werden langsam alt.

„Im ganzen Land gibt es viele Bienenzuchten wie unsere“, sagt Travis Bolton. „Aber es könnten mehr sein.“

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