Zukunft des Großen Roten Flecks auf dem Jupiter ist ungewiss

Womöglich könnte er schon in den nächsten 10 bis 20 Jahren verschwinden.

Veröffentlicht am 22. Feb. 2018, 15:08 MEZ
Der Große Rote Fleck auf dem Jupiter zählt zu den bekanntesten Planetenmerkmalen unseres Sonnensystems. Aber er ...
Der Große Rote Fleck auf dem Jupiter zählt zu den bekanntesten Planetenmerkmalen unseres Sonnensystems. Aber er verändert sich ständig und könnte eventuell sehr bald verschwinden.
Bild NASA, JPL-Caltech, SwRI, MSSS, Björn Jónsson

Mal abgesehen von seiner schieren Größe ist das bekannteste Merkmal des Planeten Jupiter vermutlich der große rote Sturm, der südlich seines Äquators tobt. Das Phänomen wäre groß genug, um die Erde zu verschlingen, und trägt die sehr treffende (wenn auch nicht gerade kreative) Bezeichnung Großer Roter Fleck.

Schon seit Jahrhunderten ziert dieser Fleck das wolkige Antlitz des Jupiters und zählt zu den markantesten Planetenmerkmalen unseres Sonnensystems. Aber er wird nicht immer da sein. Tatsächlich schrumpft der Große Rote Fleck bereits. In letzter Zeit gab es diverse Medienberichte, laut denen er schon in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren verschwinden könnte.

Wir sehen uns an, was an dieser Behauptung dran ist und wie es um das Phänomen steht.

Im Auge des Sturms

Der Große Rote Fleck ist, wie eingangs erwähnt, eigentlich ein gewaltiger Sturm, genauer gesagt ein Antizyklon. Er hat eine Länge von zwei Erddurchmessern und reicht tief in die Atmosphäre des Planeten hinein. Noch ist nicht ganz klar, welche Prozesse sich im Sturm abspielen, aber irgendwie heizt er die Atmosphäre über sich dermaßen auf, dass sie heißer als Lava ist.

Wie lange existiert der Sturm schon?

Das wissen wir nicht. Aber wir wissen, dass er mindestens seit dem frühen 19. Jahrhundert sichtbar ist. Womöglich handelt es sich auch um denselben Sturm, der schon im 17. Jahrhundert entdeckt wurde. Er ist also mindestens 200 Jahre alt.

Warum existiert er immer noch?

Die Stürme auf der Erde sind zum Glück nur von kurzer Dauer, aber auf anderen Planeten können diese Wetterphänomene im Vergleich dazu sehr alt werden. Der generell recht stürmische Neptun hatte mal einen ähnlich großen Fleck, der sein Antlitz für ein paar Jahre verdunkelte. Zu dieser Zeit flog im Jahr 1989 gerade die Sonde Voyager 2 an ihm vorbei. Als das Hubble-Weltraumteleskop 1994 einen Blick zum Neptun warf, war der Fleck aber schon wieder verschwunden. Auf dem Saturn hatte sich mal ein Sturm gebildet, der so gigantisch war, dass er den gesamten Planeten umspannte und am Ende mit sich selbst kollidierte. Er verschwand nach nur einem Jahr wieder.

Die Wissenschaftler sind sich nicht ganz sicher, woraus sich Jupiters gewaltiger und langlebiger Sturm speist (derzeit wird daran noch aktiv geforscht). Sie vermuten aber, dass seine Position zwischen zwei Jetstreams ihn womöglich stabilisiert.

Seit wann schrumpft der Sturm?

Seit wir ihn beobachten. Ältere Beobachtung aus dem späten 19. Jahrhundert lassen darauf schließen, dass der Sturm einst deutlich langgezogener war und eher einem „Großen Roten Würstchen“ ähnelte, sagt Glenn Orton vom Jet Propulsion Laboratory der NASA. Die Form des Sturms verändert sich aber, vor allem in Bezug auf seine Breite. Mit der Zeit wird der aktuell noch ovale Sturm zunehmend runder.

In der Vergangenheit maß die Breite des Sturms noch etwa 40.200 Kilometer. Als die Voyager-Sonde in den 1970ern an ihm vorbeiflog, schätzten Wissenschaftler, dass er nur noch 23.300 Kilometer breit war. 2014 warf das Hubble-Weltraumteleskop einen Blick auf den Fleck, der es dann nur noch auf 16.500 Kilometer brachte. Letzten Frühling waren es 16.300 Kilometer.

Wann wird der Sturm sich auflösen?

Die Wahrheit ist, dass die Wissenschaftler das nicht vorhersagen können. Wenn man sich aber ansieht, in welchem Maß der Große Rote Fleck geschrumpft ist, und diese Rate linear extrapoliert, sieht es so aus, als würde er in 70 Jahren vollständig verschwunden sein, sagt Amy Simon vom Goddard Space Flight Center der NASA.

Das Problem ist: „Wir wissen genau, dass es so nicht funktioniert“, sagt sie.

Was hat es mit dem Zeitraum „10 bis 20 Jahre“ auf sich?

Das ist ungefähr die Zeit, binnen der der Sturm – wenn er mit der aktuellen Rate weiterschrumpft – ungefähr kreisrund wird. In dieser Form ist er Orton zufolge deutlich instabiler als in seiner aktuellen, ovaleren Form.

„Es ist unwahrscheinlich, dass der Große Rote Fleck stabil bleiben wird, wenn er ‚höher‘ ist, als er ‚breit‘ ist. Anderen Meinungen zufolge könnte er sich in einer kreisrunden Form aber stabilisieren“, so Orton.

Sobald er erst mal kreisrund ist, wird sich also zeigen, was als nächstes geschieht. Er könnte ein Gleichgewicht finden und weiter bestehen – oder er könnte sich auflösen. „Mir sind keine theoretischen Modelle zur Dynamik des Großen Roten Flecks in diesem Zustand bekannt“, sagt Orton. „Das sind alles nur Vermutungen. Zukünftige Beobachter wissen also, dass sie darauf achten sollten, was mit diesem einzigartigen Wirbel passiert.“

Simon zufolge hängt das Schicksal des Sturms auch von seiner Energiequelle ab – und davon, ob sich künftige Veränderungen schnell oder langsam ereignen werden.

„Langsame Veränderungen würden es dem Sturm ermöglichen, sich auf verschiedene Art anzupassen. Plötzliche Veränderungen könnten eher zu einem Zusammenbruch führen“, sagt sie. „Basierend auf den derzeitigen Informationen würde ich schätzen, wenn der Sturm sich stabilisiert, wird er das innerhalb der nächsten zehn Jahre tun.“

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