Wissenschaft

Einmal Weltall und zurück: Das erwartet künftige Space-Touristen

Die Astronautenausbilderin Beth Moses erklärt, wie künftige Weltraumtouristen für ihren großen Flug vorbereitet werden. Donnerstag, 28 Februar

Von Nadia Drake

Letzte Woche brachte das kommerzielle Raumfahrtunternehmen Virgin Galactic drei Menschen ins Weltall und wieder zurück. Unter ihnen befand sich auch Beth Moses, die leitende Astronautenausbilderin des Unternehmens. Es war das erste Mal, dass Moses – eine Raumfahrtingenieurin, die zuvor bei der NASA gearbeitet hat – den Weltraum besuchte. Damit ist sie auch die erste Frau, die in einem kommerziellen Raumfahrzeug in solche Höhen flog.

Moses’ Job besteht nun darin, Virgin Galactics Kunden auf das Abenteuer ihres Lebens vorzubereiten: eine Reise über den Rand der Erdatmosphäre und in die Schwerelosigkeit, wo der Himmel schwarz und der Erdhorizont gekrümmt ist. Die Tickets kosten derzeit 250.000 Dollar und bislang warten schon 600 Menschen aus 58 Ländern auf ihren Flug.

Jeder, der sich anmeldet, muss eine medizinische Untersuchung über sich ergehen lassen. Anders als bei dem enorm selektiven Astronautenprogramm der NASA müssen die kommerziellen Fluggäste aber keine besonders hohen Ansprüche erfüllen. Alles, was sie brauchen, ist eine gewisse Furchtlosigkeit, Abenteurergeist und eine Menge Geld.

Aktuell ist das Unternehmen noch nicht ganz so weit, dass es mit seinem kommerziellen Flugprogramm beginnen kann. Es stehen noch weitere Testflüge aus, aber Moses zufolge liegt der große Tag gefühlt schon „in greifbarer Nähe“. Sie sprach mit National Geographic darüber, wie sie künftige Weltraumreisende auf ihren Flug vorbereitet und auf welche Veränderungen sie hofft, wenn der Weltraum (wie auch immer man ihn definiert) für mehr Menschen erreichbar wird.

Was bedeutet es, die leitende Astronautenausbilderin von Virgin Galactic zu sein?

Meine Rolle ist es, jeden Astronauten, der in unserer Kundenkabine mitfliegt, auf seinen Raumflug vorzubereiten. Ich stelle sicher, dass sie vorbereitet sind und ihr Erlebnis bestmöglich genießen können.

Wie genau bereiten Sie die Leute auf diese Erfahrung vor?

Mein wichtigstes Ziel ist es sicherzugehen, dass die Leute bei ihrer Reise ins Weltall keine Bedenken haben und von nichts überrascht werden – man soll wissen, was einen erwartet, und darauf vorbereitet sein. Ich will nicht, dass jemand im Weltraum ankommt und sich erst mal Gedanken darüber machen muss, was das für Geräusche waren oder wo der Norden der Erde ist – oder dass er sich fragt, ob das, was er sieht, normal ist und ob der Flug wie geplant verläuft. Ich will einfach, dass die Leute da oben ankommen, die beste Zeit ihres Lebens haben und das rausholen können, was immer sie sich davon erhoffen.

Zu diesem Zweck gibt es ein dreitägiges Trainingsprogramm. Am ersten Tag geht es um einen selbst: den Raumanzug, die Ausrüstung, Kommunikation und Vorbereitungen, darunter auch auf die G-Kräfte. Am zweiten Tag dreht sich alles um die Kabine, die Mitreisenden, was man unterwegs wo sehen kann. Da wachsen die Kunden dann zu einer Art Passagiercrew zusammen. Am dritten Tag wird das Wissen noch mal gefestigt, es gibt Proben und wir vermitteln ein Verständnis für das gesamte Unterfangen.

Am vierten Tag findet dann der Raumflug statt.

Auf was für unterschiedliche Erfahrungen hoffen die Leute bei ihrem Raumflug?

Das ist eine ausgezeichnete Frage – und eine, die ich selbst all unseren Astronauten stelle, wenn ich sie treffe. Es gibt einige, die ganz scharfsinnig sagen: Keine Ahnung, ich hätte gern, dass Sie mich darauf vorbereiten, was ich aus dieser Erfahrung ziehen sollte, und mir sagen, was ich nicht verpassen sollte.

Aber es gibt andere, die haben ganz konkrete Vorstellungen. Manche freuen sich besonders auf den Flug selbst und die Beschleunigung, einige wollen unbedingt mal schwerelos sein und andere haben sehr persönliche, introspektive Motivationen. Für einige ist das ein Lebenstraum, für ein paar grenzt es an eine spirituelle Erfahrung und dann gibt es noch jene – und das ist die überwiegende Mehrheit –, die für den Ausblick einfach sterben würden.

Wie war der Flug für Sie?

Es war großartig. Es war unbeschreiblich. Es war ein absolut erstaunliches, intensives und wundervolles Erlebnis. Unsere Kunden können sich wirklich sehr glücklich schätzen. Ich bin als professionelles Mitglied der Crew mitgeflogen und hatte während des Flugs Aufgaben zu erledigen. Aber selbst in diesem Kontext fand ich die Erfahrung unglaublich magisch.

Dürfen Sie noch mal da rauf?

Natürlich würde ich das sehr gern noch mal machen, aber ich will auch jeden, den ich kenne, und jeden Menschen auf der Erde ins Weltall schicken. Unser Ziel ist es, den Weltraum für möglichst viele Menschen zu öffnen, um die Welt zu verändern. Und ganz ehrlich: So sehr ich es auch mochte, ich will sichergehen, dass so viele Menschen wie möglich diesen Flug antreten können.

Ich habe schon von so vielen Astronauten den Satz gehört: Wenn wir nur einfach jeden nach da oben schicken könnten, damit er die Erde vom Weltraum aus sieht, würde das verändern, wie die Leute auf der Erde miteinander umgehen und welche Dinge sie wertschätzen, weil die Aussicht so spektakulär ist und es einen tiefgreifend verändert, den Planeten auch als Planeten zu sehen.

Ja, das tut es wirklich. Ich sehe Bilder vom Weltraum jetzt auf andere Weise, weil Bilder dem nicht so ganz gerecht werden. Ich war mir definitiv bewusst, dass die Erde dort unter mir etwas sehr Kostbares ist, und man nimmt auch die Erhabenheit des Planeten wahr.

Ich hatte wirklich Glück, dass mein Flug ausgerechnet an diesem Tag stattfand, weil der Südwesten der USA völlig wolkenlos war. Die schneebedeckten Berge glitzerten wunderschön und das Grün wirkte richtig saftig. Das fiel mir bei der Aussicht am meisten auf: Vom Weltraum aus war alles so gestochen scharf, das kann ich gar nicht beschreiben.

Und wie war der Himmel über Ihnen?

So schwarz. Er ist so schwarz, schwärzer als jedes Schwarz, das ich je gesehen haben. Vergessen Sie Vantablack [bis 2015 die dunkelste von Menschen gemachte Substanz]. Er ist so tiefschwarz, dass die Erde dagegen gestochen scharf und hell erscheint.

Können künftige Astronauten beim Flug dann eine Flasche Champagner entkorken?

Wir müssten uns mal ansehen, wie man das umsetzen kann. Projektile und Raumfahrzeuge vertragen sich nicht besonders gut, genau wie Flüssigkeiten und Luftfahrt – aber man soll ja niemals nie sagen!

Dieses Interview wurde zugunsten von Länge und Deutlichkeit redigiert.

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht