Perseverance: Zum ersten Mal wurde eine Marslandung gefilmt

Der NASA gelangen historische Aufnahmen einer Rover-Landung auf dem Mars – und die ersten Audioaufzeichnungen des Marswindes.

Von BYNADIA DRAKE
Veröffentlicht am 23. Feb. 2021, 12:36 MEZ
ROVER-LANDUNG MIT HILFE DES SKYCRANE

Onboard-Kameras haben Bilder und Videos von der erfolgreichen Landung des Perseverance-Rovers eingefangen. Der am Skycrane befestigte Rover ist hier wenige Meter vor seinem sanften Aufsetzen zu sehen.

Bild Photo from video by NASA/JPL/Caltech

Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit können wir uns jenen Moment ansehen, in dem die Räder eines Rovers erstmals den Marsboden berühren.

Das Video wurde gefilmt, als der eine Tonne schwere Perseverance-Rover am 18. Februar im Jezero-Krater landete. Bis dato konnten Wissenschaftlerinnen und Ingenieure eine Marslandung nie mit eigenen Augen beobachten. Stattdessen mussten sie sich mit den Bewegungsdaten des Raumfahrzeugs zufriedengeben, die aus der Ferne übertragen wurden, während es durch die dünne Marsatmosphäre glitt.

„Auf diesen Moment habe ich jahrelang gewartet – es wirkt fast unwirklich“, sagt Adam Nelessen vom Jet Propulsion Laboratory der NASA. Er gehört zu jenem Team, das für die Bilder vom Abstieg verantwortlich ist. „Es sieht aus, als wäre es direkt aus einem Science-Fiction-Film.“

Die NASA veröffentlichte außerdem ein 360-Grad-Panorama, das am 20. Februar von der Oberfläche aufgenommen wurde, weitere neue Bilder von der Marsoberfläche und aus dem Orbit sowie Audioaufnahmen von der Oberfläche, in denen kurz ein Marswind zu hören ist.

Skycrane hilft bei der Landung

Der Perseverance-Rover erreichte den Mars nach einer siebenmonatigen Reise, bei der er mehr als 480 Millionen Kilometer zurückgelegt hat. Mit seinem Fallschirm verlangsamte er seinen Abstieg durch die Atmosphäre des Planeten und setzte schließlich dank dem mit Düsen betriebenen Skycrane sanft im Inneren des Jezero-Kraters auf. Dort befand sich vor Milliarden von Jahren ein tiefer See – der Grund für die Wahl des Landeplatzes. Die Mission des Rovers ist es, in den Gesteinen und Sedimenten des Kraters nach Anzeichen von Leben zu suchen, das es einst auf dem Mars gegeben haben könnte. Außerdem soll er Gesteinsproben sammeln, die eines Tages zur detaillierten Untersuchung in Labore auf der Erde zurückgeschickt werden sollen.

„Wir haben sehr starke Hinweise darauf, dass der Mars in seiner fernen Vergangenheit Leben beherbergt haben könnte“, sagt Projektwissenschaftler Ken Farley vom California Institute of Technology. „Die Frage ist: Hat auf diesem Planeten tatsächlich je etwas gelebt?“”

Um diese Frage beantworten zu können, braucht es einen voll funktionsfähigen Mars-Rover. Das bedeutet, dass die NASA einen innovativen Weg finden musste, um den schweren, sechsrädrigen Roboter sicher auf die Oberfläche zu bringen. Im Jahr 2012 wurde der Curiosity-Rover bereits mit der gleichen Skycrane-Landetechnologie in den Gale-Krater des Mars gebracht. Mit Perseverance konnten die Mitarbeitenden der NASA die Landesequenz nun aber zum ersten Mal aus der Marsperspektive in Aktion sehen.

Ein 360-Grad-Panorama, das der Perseverance-Rover am 20. Februar aufnahm.

Bild Photo by NASA/JPL-Caltech (Mosaic of six images)

Ein halbes Dutzend handelsüblicher Kameras nahm während des Sturzes des Rovers durch die Marsatmosphäre etwa 23.000 Bilder auf. „Das sind [Kameras], die man einfach kaufen könnte“, sagt Nelessen. „Aber die Weltraumumgebung bringt ein paar zusätzliche Herausforderungen mit sich, deshalb waren einige Modifikationen erforderlich.“

Einige dieser Kameras befanden sich an Perseverance, andere blickten vom Skycrane aus auf den Rover herab oder hinauf auf die Öffnung des Fallschirms.

Kurz nach dem Absetzen von Perseverance und dem Kappen der Verbindung zum Rover flog der Skycrane los und stürzte weit genug entfernt ab, um die Mission des Rovers nicht zu behindern. Das bedeutet, dass die Bilder der Kameras, die am Skycrane angebracht waren, während der rasanten Landung zum Rover übertragen werden mussten.

Wissen kompakt: Mars

„Wir sehen den ganzen Weg bis zum Aufsetzen des Rovers, und man kann das Kabel sehen, durch das die Bilder übertragen wurden“, sagt Nelessen. Diese Videos werden für Wissenschaftler und Ingenieurinnen, die zukünftige Raumfahrzeug-Landesysteme entwerfen, äußerst nützlich sein: Sie bieten einen guten Blick darauf, was auf einem Planeten mit unterschiedlichen atmosphärischen Eigenschaften und Schwerkraft passiert.

Neue Impressionen vom Mars

Am 19. Februar hatte die NASA ein einzelnes Standbild veröffentlicht, das vom Skycrane aus aufgenommen wurde und den Rover zeigt, wie er zwei Meter über dem rötlichen Boden baumelt. Es ist das erste Mal, dass Menschen die Landung eines Roboters aus dieser Perspektive beobachten konnten.

„Als wir dieses Bild zum ersten Mal sahen, war es berauschend. Das Team drehte durch“, erzählte Pauline Hwang vom JPL Reportern am Tag der Veröffentlichung. „Es war so klar und real – einfach unglaublich.“

Die NASA veröffentlichte am 19. Februar auch ein Bild, das vom Mars Reconnaissance Orbiter (MRO) aufgenommen wurde, der über den Jezero-Krater flog, als Perseverance landete. Der MRO diente in dieser Phase als wichtiges Signalrelais zwischen dem Rover und der Erde. Eine extrem hochauflösende Kamera an Bord des MRO fing den Rover während des Abstiegs unter seinem Fallschirm ein, mit der trostlosen extraterrestrischen Landschaft des Jezero-Kraters im Hintergrund. Es war eine komplizierte Aufnahme, die so zwar geplant war, deren unwahrscheinliches Gelingen dennoch Grund zum Feiern gab.

„Es wurde mir immer klarer, dass wir andere Planeten nicht nur im Namen der USA erforschen, sondern im Namen der gesamten Menschheit“, sagt Nelessen. „Es war die größte Ehre meines Lebens, der Welt diese Geschichte durch Bilder erzählen zu können. Es ist eine Erfahrung, für die ich sehr dankbar bin.“

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

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