Wissenschaft

Am Nachthimmel: Der größte und hellste Mars des Jahrzehnts

Wie kann man einen bestmöglichen Blick auf den roten Planeten erhaschen, während dieser seine kürzeste Distanz zur Erde seit 2005 erreicht?

Von Andrew Fazekas
Das Hubble-Weltraumteleskop nahm dieses Foto des Mars kurz vor dem Gegenschein 2016 auf.

Machen Sie sich bereit, den Mars direkt von Ihrem Hinterhof aus zu beobachten. Der Rote Planet wird auf eine Bahn einschwenken, die der Erde so nahe wie nie seit dem November 2005 kommt. Gleichzeitig werden Himmelsbeobachter unseren Nachbarplaneten auch so hell wie zu keinem anderen Zeitpunkt in diesem Jahr beobachten können.

Am 22. Mai 2016 um genau 12 Uhr MESZ wird der Mars den „Gegenschein“ erreichen. Dies bedeutet, dass Sonne, Erde und Mars auf einer gedachten geraden Linie ausgerichtet sind, so dass der Mars im Osten genau zu dem Zeitpunkt aufgeht, zu dem die Sonne im Westen untergeht, wodurch die von der Sonne beleuchtete Seite des Planeten die ganze Nacht über sichtbar ist.

Der Mars erreicht außerdem am 30. Mai 2016 seine kürzeste Distanz zur Erde. Er wird sich dann nur noch 75,3 Millionen Kilometer entfernt befinden. Wegen des Zusammentreffens dieser beiden Ereignisse wird der Rote Planet in den nächsten Wochen durch Teleskope ungewöhnlich groß und hell sichtbar sein.

Anders als viele Falschmeldungen in den vergangenen Jahren behauptet haben, wird der Mars nicht annähernd die Größe des Vollmonds erreichen, aber der Gegenschein wird bis 2018 die beste Chance zur Beobachtung des Roten Planeten bleiben.

Der Grund dafür ist, dass der Mars den Gegenschein nur alle 26 Monate erreicht, wenn die Erde den Planeten auf seiner engeren Bahn um die Sonne überrundet. Im Unterschied zur nahezu kreisförmigen Umlaufbahn der Erde ist der Orbit des Mars deutlich elliptisch geformt. Dies bedeutet, dass der Abstand zwischen Erde und Mars schwankt. Manche Gegenscheine sind deshalb besser als andere.

Die letzte günstige Begegnung fand im August 2003 statt, als der Mars in lediglich 56 Millionen Kilometern Entfernung an uns vorbeiflog. Solche idealen Bedingungen werden erst wieder 2287 auftreten.

Doch auch wenn wir bei diesem Gegenschein erheblich weiter entfernt sein werden, wird der Mars die meisten Frühjahrssterne überstrahlen und unseren Himmel dominieren, was spektakuläre Bilder verspricht.

In der Illustration sind Sonne, Erde und Mars während des Gegenscheins dargestellt.

Gegenscheine bieten aber nicht nur Gelegenheit für besonders schöne Beobachtungen, sondern sorgen für wahre Invasionen von Robotern auf dem Mars. Wegen der Nähe und günstigen Ausrichtung des Mars zu unserem Planeten sind die Zeiten rund um Gegenscheine optimale Zeitfenster, um Raumschiffe auf den Weg zu schicken, weil Reisezeit und Treibstoffkosten gespart werden können.

In diesem Jahr wurde im März der ExoMars Trace Gas-Orbiter der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) gestartet. Er befindet sich nun im Anflug auf den Mars. Auch Pläne für zukünftige bemannte Missionen werden rund um Gegenschein-Ereignisse terminiert werden.

MARS UND BEGLEITER

Viele aufmerksame Beobachter werden bereits erkannt haben, dass der feurige Planet in den letzten Monaten am Nachthimmel heller erscheint und sogar mit bloßem Auge als eines der hellsten sternähnlichen Objekte am Himmel erkennbar ist.

Wenn Sie den Planeten, der nach dem römischen Kriegsgott benannt wurde, selbst beobachten möchten, gehen Sie in einer klaren Nacht nach Sonnenuntergang ins Freie und suchen Sie ein glühendes, gold-orangefarbenes Licht über dem östlichen Horizont. Der Mars wird im Laufe der Nacht über den südlichen Himmel wandern und bei Sonnenaufgang im Westen untergehen.

Beim gegenwärtigen Gegenschein sind Beobachter auf der südlichen Hemisphäre im Vorteil, weil der Planet durch die südlichen Konstellationen von Schlangenträger, Skorpion und Waage wandern wird. Dennoch bieten sich auch Beobachtern in nördlicher Gegenden des Globus eindrucksvolle Ansichten.

Am 21. Mai wird sich der Mars neben dem Vollmond befinden und ein Dreieck mit Saturn und dem hellen Stern Antares bilden.

Am 21. Mai 2016 wird der Vollmond ein spektakuläres Paar mit dem Mars bilden, so dass der Rote Planet noch leichter gefunden werden kann. Die beiden leuchtenden Objekte werden die Nachtstunden dominieren. Sie wandern gemeinsam über den Himmel und sind dabei nur fünf Grad voneinander getrennt, was ungefähr der Breite der drei Mittelfinger entspricht, wenn sie eine Armlänge vom Auge entfernt gehalten werden.

Zu dem kosmischen Spektakel werden in den nächsten Wochen auch der gelblich gefärbte und von einem Ring umgebene Planet Saturn und der rote Riese Antares beitragen. Gemeinsam mit dem Mars bilden sie ein Dreieck, das am frühen Abend am östlichen Himmel aufsteigt.

ROTER PLANET AUS NÄCHSTER NÄHE

Normalerweise hat der Mars bei der Beobachtung durch Teleskope wenig zu bieten, weil er nur als winziger, unscharfer, orange leuchtender Punkt zu sehen ist. Ein vollkommen anderes Bild zeigt sich während eines Gegenscheins. Dann wird der Planet zu einer großen Scheibe voller faszinierender Details.

Selbst mit einem kleinen Teleskop mit einem 15-cm-Spiegel lassen sich Oberflächendetails wie die südliche weiße Eiskappe und klar abgegrenzte dunkle Regionen ausmachen, bei denen es sich um Steinwüsten handelt.

Wenn wir an diesem Wochenende nach draußen gehen und unseren Blick auf den Himmel richten, ist es eine großartige Vorstellung, dass die rötliche Farbe des Mars, die wir mit bloßem Auge wahrnehmen können, durch die Reflexion des Sonnenlichts auf dem eisenreichen Boden hervorgerufen wird, der diesen kargen, aber faszinierenden Himmelskörper bedeckt.

Andrew Fazekas, auch als „Night Sky Guy“ bekannt, ist der Autor von „Star Trek: The Official Guide to Our Universe“. Folgen Sie ihm auf Twitter, Facebook und seiner Website.

Artikel in englischer Sprache veröffentlicht am 20. Mai 2016