Fotografie

Dieser Papageitaucher hat den Schnabel voll

Der National Geographic Your Shot-Fotograf machte sich auf die Reise, um sein Lieblingsmotiv, den Papageitaucher, zu fotografieren. Donnerstag, 30 November

Von Austa Somvichian-Clausen

„Ich fotografiere hauptsächlich Vögel“, sagt der National Geographic Your Shot-Fotograf und Computeringenieur Sunil Gopalan. „Ich hatte zuvor schon zwei andere Arten von Lunden (Hornlund und Gelbschopflund) in Alaska fotografiert, und nur der Papageitaucher stand noch auf meiner Liste.“

Laut Gopalan findet sich diese Lundenart zu beiden Seiten des Atlantiks, aber für seine Aufnahmen wollte er einen abgeschiedenen Ort finden – je weniger Menschen, desto besser. Nach etwas Recherche suchte er sich die kleine schottische Insel Fair Isle aus, die zu den Shetlandinseln gehört.

Die Webseite der Shetlandinseln verkündet, dass die Inselgruppe berühmt für „Vögel, Strickwaren und historische Schiffswracks“ ist. Fair Isle kann man nur über eine vierstündige Fährfahrt oder mit einem kleinen Flugzeug erreichen, was die Insel zu einem recht einsamen Ort macht, der sich aber durch seine raue Schönheit auszeichnet.

Gopalans Reise führte ihn vom Mittleren Westen der USA über Glasgow nach Sumburgh, wo er in ein Flugzeug stieg und zu seinem Papageitaucher-Paradies flog. Die meiste Zeit über war das Wetter perfekt, aber ein verregneter Morgen bot ihm die Möglichkeit, eine etwas andere Aufnahme zu machen. Gopalan dachte gerade darüber nach, eine Frühstückspause zu machen, als ein vom Regen durchnässter Papageitaucher mit seinem eigenen Frühstück im Schnabel vor seiner Nase landete.

Nun hieß es Handeln, und Gopalan schoss ein Bild nach dem anderen. Das Ergebnis: eindrucksvolle Aufnahmen eines wilden Vogels mit einem stattlichen Mahl aus kleinen Fischen in seinem Schnabel, der auf dem Weg zu seinen hungrigen Küken war.

Papageitaucher verbringen einen Großteil ihres Lebens auf dem Meer und kehren nur an Land zurück, um während der Frühlings- und Sommermonate Kolonien zur Paarung und Brutpflege zu bilden. Im Winter nimmt der Schnabel des Papageitauchers einen Grauton an, färbt sich im Frühling jedoch wieder leuchtend orange. Dadurch hat sich der Vogel seinen Spitznamen „Papagei des Meeres“ verdient.

Als Gopalan Fair Isle im Juli besuchte, hatten die Weibchen bereits ihre Eier (im Schnitt eins pro Nest) auf den felsigen Klippen am Nordatlantik gelegt. Während dieser Zeit wechselten sich die Eltern bei der Fütterung des Nachwuchses ab und fingen kleine Fische.

Die besonders agilen Vögel können mit ihren ruderartigen Füßen, an denen sich Schwimmhäute befinden, durch das Wasser steuern und bis zu 60 Meter tief tauchen. Üblicherweise jagen sie kleine Fische wie Heringe und Tobiasfische. Mit ihrer Beute fliegen sie dann mit bis zu 88 km/h und 400 Flügelschlägen pro Minuten zu ihrem Nest zurück.

Die Herausforderung dabei, einen so flinken Vogel wie den Papageitaucher zu fotografieren, macht die Art zu Gopalans Lieblingsmotiv. Er reist so oft wie möglich durch die Welt, um neue Arten festzuhalten. Seine Lieblingsbilder zeigt er dann in der Your Shot Community. „National Geographic ist der Goldstandard für Naturliebhaber“, sagt Gopalan. „Ich erinnere mich, wie ich alte Ausgaben des Magazins gelesen und mir vorgestellt habe, wie es wohl wäre, im Auftrag [von National Geographic] unterwegs zu sein.“

Your Shot ist ihm zufolge eine großartige Möglichkeit, in der Community mitzuwirken. Außerdem ist er in guter Gesellschaft, wenn er mit anderen Fotografen auf der Plattform interagiert. „Das ist die Art von Inspiration, die jeder braucht, um sich zu verbessern. Und der Wettbewerb zum Naturfotografen des Jahres ist die höchste Messlatte, die man ansetzen kann“, sagt er.

Austa Somvichian-Clausen auf Twitter und Instagram folgen.

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