„Ich liebe die unzähligen Albatrosse“

Der Fotograf Paul Nicklen ist oft in der Arktis und Antarktis unterwegs, um die Tierwelt zu dokumentieren. Dieses Mal war er auf den Falklandinseln im Südatlantik.

Bilder Von Paul Nicklen
Veröffentlicht am 14. Feb. 2018, 09:58 MEZ
Früher Weidefläche für Hunderte Rinder und Schafe, jetzt Naturschutzgebiet: Auf der abgelegenen Insel Steeple Jason gibt ...
Früher Weidefläche für Hunderte Rinder und Schafe, jetzt Naturschutzgebiet: Auf der abgelegenen Insel Steeple Jason gibt es eine riesige Kolonie Schwarzbrauenalbatrosse. Mehr als 70 Prozent der weltweiten Population nisten auf den Falklandinseln.
Bild Paul Nicklen

Mit eisigen Landschaften kennt sich Paul Nicklen aus. Der preisgekrönte Fotograf ist auf der kanadischen Baffininsel in einer Inuit-Siedlung aufgewachsen: „Ich war immer nur draußen“, sagt er. „Schnee und Eis waren mein Sandkasten.“

Nicklen ist Spezialist für die Polarregionen. Als Fotograf und Filmemacher hat er immer wieder die Tiere und Pflanzen der Arktis und Antarktis für National Geographic dokumentiert. Zum Beispiel Seeleoparden, 3,5 Meter lang und mehr als 450 Kilo schwer. Sie gelten als gefährlich, aber der Fotograf machte andere Erfahrungen mit den Tieren. Ein Weibchen versuchte über Tage hinweg, ihn mit Pinguinen zu füttern. Auch mit den anderen 30 Seeleoparden sei es zu keiner gefährlichen Situation gekommen, sagt Nicklen.

Fotograf Paul Nicklen mit seiner Kamera nach einem Tauchgang im Eis.
Bild Jed Weingarten

Er hat Meeresbiologie studiert und fotografiert sowohl an Land als auch im Wasser, genauer: unter dem Eis. „Das ist so extrem. Wenn ich tauche, muss ich mich fast immer übergeben, weil mein Körper mit der Kälte am Kopf nicht umgehen kann“, erzählt der Fotograf in einem TED-Talk. „Nach einer Stunde unter diesen Bedingungen ist mein Gesicht wie gefroren. Die Lippen sind taub, die Hände und die Füße spüre ich nicht mehr. Ich tauche nach oben und will einfach nur aus dem Wasser raus.“

Aber Nicklen weiß, warum er diese Strapazen auf sich nimmt. Nicht nur wegen der spektakulären Fotos. Mit seinen Bildern verfolgt er eine Mission. „Wenn wir das Eis verlieren, geht ein ganzes Ökosystem verloren“, warnt der Fotograf und Naturschützer. Als Beispiel nennt er die Eisbären. „Prognosen besagen, dass die Tiere aussterben könnten, und zwar schon in den nächsten 50 bis 100 Jahren. Schon jetzt finden wir immer mehr tote Bären in der Arktis. Wir sehen sie in der Beaufortsee, sie treiben im offenen Meer, dort wo das Eis weggeschmolzen ist und sie nicht mehr auf die Jagd gehen können.“ Erst kürzlich ging ein Video von Nicklen um die Welt, das einen sterbenden Eisbären zeigt (hier mehr dazu).

Seine jüngste Reise führte den Fotograf auf die Falklandinseln im Südatlantik. „Selten habe ich ein so intaktes Ökosystem gesehen“, sagt Nicklen. „Sobald wir der Natur freien Lauf lassen, ist so etwas wie Heilung möglich.“ Aber auch dieser Archipel ist durch den Klimawandel bedroht. Wir fragten Nicklen nach seiner Arbeit dort.

Sie haben schon an vielen Orten fotografiert. Was ist besonders an den Falklandinseln?
Die unfassbare Zahl und die Vielfalt an Lebewesen machen diesen Ort einzigartig. Das Ökosystem reicht hier tatsächlich vom Meer bis zum Himmel.

Welche Tiere haben Sie besonders beeindruckt?
Alle Tiere sind einzigartig und auf ihre Weise charismatisch. Ich liebe die unzähligen Albatrosse, wie sich auf der kleinen Insel Steeple Jason drängen. 300.000 Schwarzbrauenalbatrosse beim Nisten zu sehen – das vergisst man nicht!

Wie war die Arbeit auf den Falklandinseln im Vergleich zu anderen Orten, an denen Sie schon fotografiert haben?
Die Arbeit war sehr ähnlich wie in der Antarktis. Dort haben die Tiere auch keine Angst vor Menschen.

Was ist die größte Herausforderung bei der Arbeit in solch unwirtlichen Gegenden?
Eigentlich nur das permanent wechselnde Wetter. Hagel, Regen, Schnee, Sturm und das alles in einer Stunde. Da wird einem klar, wie hart im Nehmen die Tiere sind, die an solchen Orten leben.

Sie sind Fotograf und Naturschützer. Wie passt beides zusammen?
Das geht Hand in Hand. Ich nutze meine Kamera, um mit Bildern emotional auf die drängendsten Themen aufmerksam zu machen. Fotografie kann helfen, die Menschen zum Handeln zu bewegen.

Paul Nicklens Bericht über seinen Besuch auf den Falklandinseln steht in der Ausgabe 2/2018 des National Geographic Magazins. Jetzt ein Magazin-Abo abschließen!

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