Geschichte und Kultur

Blackbeards Piratenschiff liegt vor der Küste North Carolinas

Laut Experten deuten die Größe des Wracks und seine Waffen darauf hin, dass es dem berüchtigten Piraten aus dem 18. Jahrhundert gehörte. Donnerstag, 9 November

Von Willie Drye

Das Schiffswrack vor der Küste North Carolinas wurde laut Aussagen staatlicher Vertreter nach 15 Jahren der Unsicherheit 2011 schließlich als jenes des berüchtigten Piraten aus dem 18. Jahrhundert identifiziert.

Die Queen Anne‘s Revenge lief 1718 bei Beaufort auf eine Sandbank auf, neun Jahre nach der Gründung der Stadt. Blackbeard und seine Crew gaben das Schiff auf und überlebten.

Lange Zeit hatte die Behörde für Kulturgüter in North Carolina betont, dass man „glaubte“, bei dem 1995 entdeckten Wrack handele es sich um die Queen Anne‘s Revenge.

Nach einer umfassenden Prüfung der Befunde waren sich die Staatsvertreter dann jedoch sicher, dass es sich um jenes Schiff handelte, das einst dem Kommando einer der grimmigsten und schillerndsten Piratenpersönlichkeiten der Geschichte unterstanden hatte.

„Es gab keinen einzelnen Aha-Moment“, sagte Claire Aubel, die PR-Koordinatorin des Meeresmuseums von North Carolina. „Es war eher eine Sammlung von Momenten und eine beweisbasierte Schlussfolgerung.“

Laut Aubel gab es zwei Hauptgründe für die Überzeugung des Teams: die schiere Größe des Wracks und die vielen Waffen, die in seinen Trümmern gefunden wurden.

Laut allem, was man weiß, war kein anderes Schiff von der Größe der Queen Anne‘s Revenge zu jener Zeit in der Gegend, und ein Piratenschiff wäre gut bewaffnet gewesen, erzählt sie.

SCHIFFSBEUTE LÄSST AUF BLACKBEARD SCHLIESSEN

Blackbeard erlangte seine berüchtigte Unsterblichkeit in nur wenigen Jahren durch sein Wirken in der Karibik und vor der Küste Kolonialamerikas. 1718 wurde er bei einem Gefecht mit britischen Schiffen in der Laguna Pamlico Sound in North Carolina getötet.

Einige Historiker haben spekuliert, dass er die Queen Anne‘s Revenge absichtlich hat auf Grund laufen lassen, damit er die wertvollste Beute für sich behalten konnte.

Dieses Beutegut hat Archäologen dabei geholfen, das Wrack seit Beginn der Ausgrabungen 1997 mit Blackbeard in Verbindung zu bringen. Zu den wichtigsten Funden gehören:

– Apothekergewichte, in die kleine Fleurs-de-Lis geprägt waren, die königlichen Symbole Frankreichs im 18. Jahrhundert. Die Queen Anne‘s Revenge war eigentlich ein ehemaliges französisches Schiff, die Le Concorde, das Blackbeard 1717 gekapert hatte. Er zwang den Arzt der Le Concorde, seiner Mannschaft beizutreten, und ein Arzt hätte zu dieser Zeit wahrscheinlich Apothekergewichte gehabt.

– Eine kleine Menge Gold inmitten von Flintenschrot. Archäologen glauben, dass ein französisches Besatzungsmitglied das Gold vor Blackbeards Piraten in einem Lauf mit Schrot versteckt haben könnte.

– Eine Glocke, in welche die Jahreszahl 1705 eingraviert wurde.

ES GAB NIE WIRKLICH ZWEIFEL

Der Konjunktiv bei der Zuschreibung der Schiffsidentität war eher eine Anerkennung des strikten Kodex der wissenschaftlichen Sorgfalt und weniger das Resultat tatsächlicher Zweifel, sagte Erik Goldstein. Er ist der Kurator für Kunst und Numismatik der Colonial Williamsburg-Stiftung in Virginia. Die Archäologen, die an dem Wrack gearbeitet haben, waren sich dessen Identität immer sicher.

Die Staatsvertreter wollten „einfach auf Nummer sicher gehen“, so Goldstein. „In der Anfangsphase einer Ausgrabung braucht man immer eine Weile, um die Puzzleteile zusammenzusetzen und Beweismaterial zu sammeln, wenn man nicht gerade irgendwas wie eine Glocke mit dem eingravierten Schiffsnamen findet. Das war also ein gutes und verantwortungsvolles Verhalten von den Leuten.“

Es gab zwei Gründe, aus denen die offiziellen Zweifel über die Identität des Schiffes abgelegt wurden, fügt David Morre hinzu. Er ist der Kurator für nautische Archäologie am Meeresmuseum in Beaufort, North Carolina.

Zum einen hatte das Museum gerade eine große Ausstellung mit Fundstücken aus dem Schiffswrack unter dem Name „Blackbeard‘s Queen Anne‘s Revenge“ eröffnet. Wenn die Identität des Schiffes nicht offiziell bestätigt wäre, hätten die Kuratoren der Ausstellung einen Namen wie „Fundstücke der angeblichen Queen Anne‘s Revenge“ geben müssen.

Und zum anderen sei die Beseitigung des offiziellen Vorbehalts für das Museum nützlich, um private Fördermittel zu sichern, mit denen die Ausgrabung des Wracks fortgeführt werden könne, so Moore. Obwohl auch die staatliche Gesetzgebung einige Fördermittel zur Verfügung gestellt hatte, wurde das Geld durch harte Budgetkürzungen beeinträchtigt.

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