Geschichte und Kultur

Wie der Krampus „cool“ wurde

Erfahrt mehr über den Ursprung, Export und die frühe Kommerzialisierung dieser sonderbaren Schreckensgestalt. Donnerstag, 14 Dezember

Von Becky Little

Wer noch nichts vom Krampus gehört hat, der dämonenhaften Gestalt des Ostalpenraums, hat nicht richtig aufgepasst. Das gruselige Pendant des Nikolaus – der Krampus schlägt unartige Kinder oder zerrt sie in sein Versteck oder gar in die Hölle – war bereits Thema zahlreicher Fernsehsendungen, eines Films, hatte einen Auftritt in einem Comic und hat seine eigenen Paraden. Nicht nur in Europa nimmt sein Bekanntheitsgrad wieder zu, sondern auch in den USA erfreut er sich wachsender Beliebtheit.

Wie kommt es, dass er plötzlich so viel Aufmerksamkeit in einem Land erfährt, in dem er zuvor nie wirklich etabliert war? Der Werbegestalter und Grafikdesigner Monte Beauchamp glaubt, dass das zu großen Teilen ihm zu verdanken ist. Nachdem ihm ein Sammler Krampus-Postkarten aus dem 19. und 20. Jahrhundert gezeigt hatte, veröffentlichte Beauchamp ein paar davon in zwei Ausgaben seines Magazins „Blab!“. Im Anschluss brachte er zwei ganze Bücher mit Krampus-Postkarten heraus, eines 2004 und das andere 2010.

Kurz nach der Veröffentlichung seines ersten Buches bekam er einen Anruf von einem Galerieleiter aus Santa Monica in Kalifornien. Er wollte mit ihm zusammen eine Ausstellung über die Postkarten koordinieren.

„Die Show war so ein Erfolg, dass er mich eingeladen hat, mehr Krampus-Ausstellungen zu kuratieren“, sagt er.

Etwa zur selben Zeit organisierte Beauchamps Freund einen Krampus-Theaterclub in L. A. Und ab da „entwickelte es irgendwie eine Eigendynamik“, sagt er. Seither wurde Beauchamp von den Machern der Fernsehserie „Supernatural“, den Köpfen hinter Anthony Bourdain‘s „A Krampus Carol“ und anderen Leuten kontaktiert, die daran interessiert sind, die Krampus-Bilder aus seinen Büchern zu lizenzieren.

Aber woher kommt diese Schreckensgestalt eigentlich?

GRUSS VOM KRAMPUS

Krampus ist nicht der einzige bedrohliche Gefährte des Nikolaus. In manchen deutschsprachigen Regionen steht eher Knecht Ruprecht oder der Pelzmärtel im Vordergrund. In Frankreich gibt es Hans Trapp oder Père Fouettard, und in den Niederlanden gibt es den kontroversen Zwarte Piet.

Zahlreiche dieser Figuren gehen auf heidnische Feierlichkeiten am 22. Dezember zurück, der längsten Nacht des Jahres. Sie gingen später auch in das Christentum über. Zusammen hielten die Krampusfiguren und der Nikolaus eine Art Gericht über die Kinder, wobei die unartigen Kinder durchaus härter bestraft wurden als nur mit einem Stück Kohle im Stiefel.

Hersteller begannen nach 1890 mit der Kommerzialisierung des Krampus, nachdem die Regierung Österreichs die Kontrolle über die Postkartenproduktion des Landes aufgegeben hatte. Infolgedessen begann die Industrie regelrecht aufzublühen. Bis zum Ersten Weltkrieg verkauften deutsche Firmen Krampus-Weihnachtskarten in Deutschland, Österreich und anderen Ländern. Oft waren darauf Sprüche wie „Gruß vom Krampus“ oder „Brav sein“ zu lesen.

Auf den Karten für die Kinder sind Bilder des gruseligen Krampus, der Kinder erschreckt, sie schlägt oder entführt, für gewöhnlich in seinem Korb oder Sack. Oft schreien oder weinen die Kinder auf den Bildern. Karten für Erwachsene erschienen laut Beauchamp ungefähr ab 1903 oder 1904. Obwohl einige davon auch zeigten, wie der Krampus Erwachsene bestrafte, stellten andere ihn als alberne Figur dar, die Frauen davontrug, oder gar als romantischen Verehrer.

Diese Karten für Erwachsene schienen den Krampus schon als kitschig oder ironisch darzustellen, lange bevor in den USA die ersten Krampus-Kneipentouren stattfanden. Beauchamp glaubt, dass die Herstellung von solchen Postkarten für Kinder und Erwachsene wahrscheinlich bloß eine Möglichkeit für die Firmen darstellte, mehr Umsatz zu machen.

„Unterm Strich waren Postkarten in Deutschland einfach ein großer Markt“, sagt er. „Ich glaube, deshalb haben sie auch mit solchen Szenen mit Frauen angefangen.“

DIE EVOLUTION VON WEIHNACHTEN

In Österreich und Teilen Deutschlands verkleiden sich Leute noch immer als Krampus, um Kinder am Krampustag (5. Dezember) zu erschrecken, wie man es schon im 19. Jahrhundert getan hat. Beim Krampuslauf gibt es ganze Umzüge, bei denen Krampusse (oder Kramperl) heutzutage über Weihnachtsmärkte und durch Innenstädte ziehen. In den USA sind die meisten Krampusfeierlichkeiten einfach ein Kostümlauf mit ein bisschen Alkohol. Ironischerweise entspricht das eher den älteren Varianten des amerikanischen Weihnachtens, bevor dieser Feiertag die Familie, Kinder und Geschenke für die Kleinen ins Zentrum rückte.

„Für die meisten Menschen vor dem 19. Jahrhundert war Weihnachten kein stiller, häuslicher Feiertag“, sagt Stephen Nissenbaum, Autor des Buches „The Battle for Christmas“. „Es war ein Feiertag, der sich durch ausgelassene Feierei auszeichnete. Es war so eine Art Kombination aus Halloween, Silvester und Fasching.“

Bei diesen alten Feierlichkeiten zogen oft verkleidete Leute von Tür zu Tür, forderten Alkohol und drohten damit, Ärger zu machen, wenn sie keinen bekämen. Heutzutage praktizieren Kinder eine abgeschwächte Version davon an Halloween, wenn sie um Süßes bitten und Saures androhen.

„Ich finde, es ist eine sehr interessante Besonderheit, wie sich die verschiedenen Feiertage kreuzen“, sagt Matthew Souzis, der Webmaster von krampus.com. „Ich habe die Krampusnacht immer als eine Art Mix zwischen Halloween und Weihnachten beworben.“

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