Jahrhundertelanger Kampf: Die Geschichte Afghanistans in historischen Bildern

Seit fast zwei Jahrhunderten üben fremde Imperien und Regierungen Einfluss auf Afghanistan aus – die Konsequenz ist eine lange Geschichte voller Konflikte und Leid.

Veröffentlicht am 18. Aug. 2021, 10:57 MESZ, Aktualisiert am 18. Aug. 2021, 12:01 MESZ
Kämpfer der Taliban besetzen am 15. August 2021 den Präsidentenpalast.

Kämpfer der Taliban besetzen am 15. August 2021 den Präsidentenpalast – nur wenige Stunden, nachdem Präsident Aschraf Ghani aus Afghanistan geflohen ist. Damit haben die Taliban die Macht in dem Land übernommen.

Foto von Zabi Karimi, Ap

Die Machtübernahme der Taliban verlief erschreckend schnell und reibungslos. Am 14. April 2021 verkündet der amerikanische Präsident Joe Biden den Rückzug der US-Armee aus dem Land. Die Truppen der NATO beginnen am 1. Mai 2021 offiziell mit dem Abzug, Ende Juni 2021 werden die letzten Bundeswehrsoldaten nach Deutschland ausgeflogen. Wenige Wochen später, am 15. August 2021, nehmen Kämpfer der Taliban in der Hauptstadt Kabul am wuchtigen Schreibtisch im Präsidentenpalast Platz und posieren für Fotos. Der afghanische Präsident Aschraf Ghani war kurz zuvor geflohen, die Regierung ist zerbrochen. Nun haben die Taliban die Kontrolle über das Land.

Die rasanten Entwicklungen der letzten Wochen und Tage machen viele fassungslos, doch sie erscheinen weniger überraschend, wenn man einen Blick auf die Geschichte Afghanistans wirft. Modernisierungsversuche, Staatsstreiche und internationale politische Machtspiele haben immer wieder neue Konflikte entstehen und alte aufflammen lassen – mit tragischen Konsequenzen für die Menschen in dem Land, die versuchen in den Wirren dieser Unruhen und Kriege zu überleben.

Im Jahr 1839 marschieren die Briten in Afghanistan ein und besetzen den Thron mit dem früheren Herrscher Schah Shudscha, dem Emir von Afghanistan. Er wird 1842 vom Sohn seines Vorgängers, Dost Mohammed, ermordet. Im Laufe der Geschichte versuchen die Briten insgesamt dreimal Afghanistan einzunehmen, um der russischen Kolonisation Einhalt zu gebieten und ihre eigenen kolonialen Interessen in Indien zu schützen.

Foto von Lithograph, Alamy

Im zweiten Anglo-Afghanischen Krieg schlagen die afghanischen Streitkräfte in der Schlacht von Maiwand am 27. Juli 1880 die britischen und indischen Truppen vernichtend.

Foto von Illustration Hulton Archive, Getty Images

Soldaten der Sikh bewachen afghanische Gefangene am Chaiber-Pass. Die Briten fallen 1878 erneut in Afghanistan ein, nachdem der Emir Schir Ali Khan den Russen die Einrichtung einer Gesandtschaft in Kabul erlaubt, den Briten jedoch Selbiges verwehrt.

Foto von Camera Press, Redux

Amanullah Khan, König von Afghanistan (Mitte), macht 1928 einen Bootsausflug mit dem damaligen türkischen Präsidenten Mustafa Kemal Atatürk. Unter Amanullahs Führung erkämpft Afghanistan sich die Freiheit von den Briten. Seine Bemühungen um die soziale und politische Modernisierung des Landes führen allerdings dazu, dass er 1953 ins Exil in die Schweiz gehen muss, wo er 1960 stirbt.

Foto von Chronicle, Alamy

Auch die Sowjetunion strebt danach, ihr Einflussgebiet auf Afghanistan auszuweiten. Im Jahr 1955 inspiziert der damalige sowjetische Ministerpräsident Nikita Sergejewitsch Chruschtschow (Mitte) gemeinsam mit dem afghanischen Präsidenten Mohammed Daoud Khan (links, mit Mütze) Truppen der afghanischen Armee.

Foto von Ap

Mohammed Zahir Schah, der letzte König von Afghanistan, wird im Jahr 1973 durch einen unblutigen Staatsstreich unter der Führung seines Cousins Mohammed Daoud Khan, dem afghanischen Ministerpräsidenten, gestürzt und geht nach Rom ins Exil. Nach der Verdrängung der Taliban im Jahr 2002 kehrt er als Bürger nach Afghanistan zurück, wo er 2007 stirbt.

Foto von Keystone-France, Getty Images

Sowjetische und afghanische Soldaten begrüßen einander im Jahr 1980. Die sogenannte Saurrevolution, ein Putsch der kommunistischen Demokratischen Volkspartei Afghanistans, führt 1978 zur Ausrufung der Demokratischen Republik Afghanistans und dem Beginn der sowjetischen Intervention in dem Land im Jahr 1979.

Foto von TASS, Getty Images

Der damalige Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, Leonid Breschnew (rechts), feiert 1981 im Kreml seinen Geburtstag. Zu Gast ist auch Babrak Karmal, der von den Sowjets eingesetzte afghanische Premierminister.

Foto von Laski Diffusion, Getty Images

Der damalige US-Präsident Ronald Reagan trifft im Jahr 1983 afghanische Kämpfer, um mit ihnen die negativen Folgen des sowjetischen Einflusses in Afghanistan zu diskutieren. Schon 1980 beginnen die USA damit, anti-sowjetische Gruppen in Afghanistan mit Waffen auszurüsten.

Foto von Ronald Reagan Library, Ap

Der damalige afghanische Präsident Mohammed Nadschibullāh (Mitte) bei der Auszeichnung sowjetischer Soldaten im Jahr 1986. 1992 wird er gestürzt und von Einheiten der Mudschahidin daran gehindert, Kabul zu verlassen. Er findet Schutz im UN-Hauptquartier. Als 1996 die fundamentalistischen Taliban die Macht übernehmen, foltern und ermorden sie ihn und stellen seinen Leichnam an den Präsidentenpalast gehängt aus.

Foto von Daniel Janin, AFP/Getty Images

Fallschirmjäger der Roten Armee trainieren im Jahr 1988 afghanische Soldaten im Nahkampf am Flughafen von Kabul. Ein Jahr später ziehen sich die Sowjets aus Afghanistan zurück.

Foto von Douglas E. Curran, AFP/Getty Images

Kämpfer der Mudschahidin tanzen nach dem Sturz des Präsidenten Nadschibullāhs 1992 auf dessen Bett und feiern die Einführung einer islamischen Regierung.

Foto von Liu Heung Shing, Ap

Kämpfer der Taliban fahren 1997 mit einem sowjetischen Panzer durch die afghanische Stadt Masar-e Scharif.

Foto von Fotoking, Camera Press, Redux

Zwei afghanische Kämpfer suchen 2001 Deckung während des Afghanistankriegs. Die US-Armee marschierte nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA in Afghanistan ein.

Ein Kämpfer der Afghanen durchsucht im Dezember 2001 die Trümmer eines von US-Bomben zerstörten al-Qaida-Trainingslagers.

Foto von Gary Knight, Vii, Redux

Die Mudschahidin feiern 2004 in Kabul das 20-jährige Jubiläum ihres Sieges über die Sowjets mit einer Parade. Sie tragen Bilder ihres hingerichteten Anführers und Nationalhelden Ahmad Schah Massoud und des ersten gewählten Präsidenten des Landes, Hamid Karzai.

Foto von Agostino Pacciani, Anzenberger, Redux

Ein Kind winkt einem vorbeifahrenden Konvoi, bestehend aus Fahrzeugen der deutschen Bundeswehr. Im Herbst 2001 sicherte die NATO der US-Armee ihre Unterstützung im Afghanistankrieg zu.

Foto von Carsten Koall, Visum, Redux

Der damalige US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld (links) trifft im Jahr 2004 im Präsidentenpalast in Kabul den afghanischen Präsidenten Hamid Karzai, um die anstehenden Wahlen zu besprechen.

Foto von Shah Marai, AFP/Getty Images

Viele Mädchen in Afghanistan haben keinen Zugang zu Bildung. Selbst die, die zur Schule gehen, tun dies oft nur vier Jahre lang. Diese Studentinnen der Abschlussklasse von 2010 an der Universität in Kabul gehören also definitiv einer Minderheit an. Sie tragen Hijabs unter ihren Doktorhüten und müssen mehrere Reihen von ihren männlichen Kommilitonen entfernt sitzen. Unter den Taliban war es Frauen verboten zu studieren, doch nach dem Sturz des Regimes konnten die Kurse weitergeführt werden. Da in diesem Zeitraum mehrere terroristische Anschläge verübt worden sind, findet die Abschlussfeier unter größten Sicherheitsvorkehrungen in einem Hotel in Kabul statt.

Nach Ende des Taliban-Regimes im Jahr 2001 war es für Frauen zwar nicht ungefährlich, aber möglich, Ämter in der Regierung zu übernehmen. Marjan Mateen, stellvertretende Bildungsministerin, ist in Begleitung eines bewaffneten Personenschützers auf dem Weg zu einer Besprechung.

Foto von Andrea Bruce, Noor, Redux

Junge Frauen und Männer lassen sich 2002 in Afghanistans erster Modelagentur zu Models ausbilden.

Foto von Daniel Pilar, Laif, Redux

Trotz der nicht nachlassenden Gewalt nehmen Afghanen im Jahr 2019 an einer Wahlkampfkundgebung des damaligen Regierungschefs Abdullah Abdullah teil. Die Veranstaltung findet in Bamyan statt, wo die Taliban im Jahr 2001 mehrere berühmte Buddha-Statuen zerstört haben.

Foto von Paula Bronstein, Getty Images

General Austin Miller, oberster Befehlshaber der US-Armee in Afghanistan, begrüßt am 12. Juli 2021 den damaligen afghanischen Verteidigungsminister, General Bismillah Khan Mohammadi, bei einer Abschiedszeremonie in Kabul, die das Ende des Aufenthalts der US-Truppen in dem Land markiert.

Foto von Kiana Hayeri, New York Times, Redux

Am 16. August 2021 versuchen Menschen auf der Flucht vor den Taliban verzweifelt, über die Mauer zu klettern, die den Hamid Karzai International Airport in Kabul umgibt.

Foto von NurPhoto, Ap
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