Bald ist Weihnachten: Geschichte und Traditionen der Adventszeit

Advent bedeutet Ankunft – und so prägt die Vorfreude auf das Weihnachtsfest und die Geburt von Jesus Christus diese besondere Zeit für Menschen auf der ganzen Welt.

Veröffentlicht am 1. Dez. 2021, 13:08 MEZ, Aktualisiert am 1. Dez. 2021, 14:40 MEZ
In den Wochen vor Weihnachten wird in christlichen Kirchen überall auf der Welt der Advent gefeiert. ...

In den Wochen vor Weihnachten wird in christlichen Kirchen überall auf der Welt der Advent gefeiert. Brennende Kerzen auf Kränzen – wie dieser in der Sankt-Petri-Kirche in Magdeburg – bringen Licht in die dunklen Wintertage.

Bild Peter Gercke. picture alliance/Getty

Die Adventszeit ist eine Zeit der Reflektion, der Vorfreude und des Kerzenlichts – und die Zeit im Jahr, zu der die Christen dieser Welt sich auf ihre wichtigsten Feiertage vorbereiten: das Weihnachtsfest.

Beginn und Ende des ungefähr vierwöchigen Zeitraums ist von Jahr zu Jahr verschieden: Im Jahr 2021 fällt der erste Adventssonntag auf den 28. November, am Heiligabend am 24. Dezember ist die Adventszeit vorbei.

Der Ursprung der Adventszeit

Die Bezeichnung Advent leitet sich von dem lateinischen Wort adventus ab, das „Ankunft“ bedeutet. Als sich die christliche Kirche im fünften Jahrhundert n. Chr. verfestigte, taten dies auch die Traditionen, die rund um den 25. Dezember entstanden waren. Historiker konnten Belege für erste Formen der Adventsfeiern in Norditalien finden, wo Kirchgänger die Wochen vor den Weihnachtstagen mit Fasten, Gebeten und der Besinnung auf christliche Werte ausfüllten.

Im sechsten Jahrhundert, als sich der Begriff Advent bereits etabliert hatte, begingen Christen in Frankreich eine fünfwöchige „St. Martins Fastenzeit“, während der sie jeglichen körperlichen Freuden entsagten: Sie fasteten nicht nur, sondern verzichteten auch auf Sex.

Galerie: Abenteuerliche Weihnachtsfeiern

Der erste Advent markiert in der evangelisch christlichen Tradition den Beginn des Kirchenjahres, einer jährlich wiederkehrenden Abfolge von christlichen Festen, nach denen sich die Gottesdienste richten.

Jeder Adventsonntag hat eine traditionelle Bedeutung und steht für einen der christlichen Werte Liebe, Freude, Hoffnung und Frieden, die mit speziellen Gebeten und Bibeltexten gefeiert werden. Gläubige Christen feiern in der Adventszeit ihren Glauben, die Bekehrung zum Christentum und die Auferstehung des Sohnes Gottes.

Der Adventskranz

In der dunkelsten Zeit des Winters ist der Advent eine Zeit des Lichts, die in der Kirche durch das Entzünden von Kerzen symbolisiert wird, die auf einen Kranz aus immergrünen Blättern oder Tannennadeln gesteckt werden. Erfinder dieser Tradition war im Jahr 1838 der deutsche Pastor Johann Wichern, der seiner Gemeinde mit dem Kranz das Zählen der Tage bis Weihnachten erleichtern wollte.

Auf modernen Adventskränzen finden sich vier Kerzen. Die ersten beiden sowie die letzte Kerze sind entsprechend der traditionellen Farbe des Advents lila. Die dritte Kerze ist rosa und steht für die Freude der nahenden Festtage.

An jedem Adventssonntag wird zu Gebeten und Gesängen eine zusätzliche Kerze entzündet, bis am vierten Sonntag alle Kerzen brennen. Manchmal gibt es noch eine fünfte, weiße Kerze, die Christuskerze genannt wird und in der Mitte des Kranzes steht. Sie wird erst an Heiligabend entzündet.

Im Jahr 1953 riefen der damalige US-Präsident Dwight D. Eisenhower und seine drei Enkelkinder die amerikanische Bevölkerung zum Kauf von Adventskalendern auf, die von der National Epilepsy League aus Deutschland importiert wurden.

Bild Photograph via Bettmann Archive/Getty

Adventskalender

Auch die Tradition des Adventskalenders hat ihren Ursprung in Deutschland. Sie entstand, weil Erwachsene im 19. Jahrhundert Kindern dabei helfen wollten, die Tage bis Weihnachten zu zählen. Deutsche Lutheraner begannen am 1. Dezember damit, in Erwartung der Ankunft des Christkinds Kreidestriche an Türen zu malen. Andere Eltern gaben ihren Kindern an jedem Dezembertag eine kleine Leckerei oder lasen einen Bibelvers vor.

Im Jahr 1908 stellte der deutsche Verleger und Buchhändler Gerhard Lang in München den ersten gedruckten Adventskalender her. Als er selbst noch ein Kind war, hatte seine Mutter für ihn einen Kalender selbst gebastelt, in dem sich an jedem Tag hinter einem Papptürchen eine Süßigkeit verbarg. Gerhard Lang übernahm diese Idee und sein Kalender mit 24 kleinen Bildchen wurde schnell zu einem echten Verkaufsschlager. Die knapper werdenden Ressourcen und die Umdeutung des Weihnachtsfests durch die Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg führten jedoch dazu, dass die Produktion ausgesetzt werden musste.

Im Jahr 1946 erhielt der deutsche Verleger Richard Sellmer von den amerikanischen Besatzern die Genehmigung für die Neuauflage des Adventskalenders. Die Kontakte, die er während der Gespräche knüpfte, ermöglichten ihm den Export des Kalenders in die USA. Ein Foto aus dem Jahr 1953, auf dem der damalige Präsident Dwight D. Eisenhower den Kalender mit einem seiner Enkelkinder öffnet, ließ die Popularität des deutschen Produkts auch auf der anderen Seite des Atlantiks explodieren.

Obwohl die Adventszeit genaugenommen schon im November beginnt, öffnet man das erste Türchen des Adventskalenders normalerweise erst am 1. Dezember. Für Hersteller und Einzelhändler ist der Kalender inzwischen zu einem großen Geschäft geworden und nicht nur Kinder freuen sich jeden Tag darauf, eine neue Tür zu öffnen und dahinter Süßigkeiten, Spielzeug oder andere kleine oder große Überraschungen zu finden: Auch Erwachsenen bringt er weihnachtliche Vorfreude in die dunkelsten Wochen des Winters.

Dieser Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

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