1.000 Jahre alter Goldschatz in den Niederlanden gefunden

In Nordholland hat ein privater Schatzsucher eine wohl einmalige Entdeckung gemacht: Mit seinem Metalldetektor stieß er auf eine seltene Sammlung aus Goldmünzen und Goldschmuck aus dem Hochmittelalter.

Von Lisa Lamm
Veröffentlicht am 21. März 2023, 08:52 MEZ
Goldener Ohrring mit Gravur.

Einer der Ohrringe zeigt ein Bildnis Jesu im Erscheinungsbild eines sogenannten Sol Invictus – ein unbesiegter Sonnengott. 

Foto von Archeologie West-Friesland./ Fleur Schinning

Fast hätte der 27-jährige Lorenzo Ruijter aus den Niederlanden schon nicht mehr damit gerechnet, seine Schatzsuche erfolgreich zu beenden. Bereits drei Stunden lang hatte er seinen Metalldetektor über den Boden nahe der Stadt Hoogwoud in der Provinz Nordholland schweifen lassen, bevor dieser endlich anschlug.

Nach und nach grub Ruijter dann einen wahren Schatz aus: 39 Goldmünzen, vier goldene Ohrringe und zwei Stücke Blattgold. Welch wertvolle historische Bedeutung dieser Fund haben sollte, erfuhr der Schatzsucher erst durch eine Untersuchung der Experten des Reichsmuseums der Altertümer in Leiden. Diese gaben nun bekannt: Der Schatz ist teilweise bereits 1.000 Jahre alt – und enthält wahre Seltenheiten.

Ein Goldschatz aus dem Hochmittelalter

Gefunden hatte Ruijter den Schatz bereits im Dezember 2021. Bis zum Ende der Untersuchungen musste er seinen Erfolg allerdings geheim halten. „Es war etwas ganz Besonderes, etwas so Wertvolles zu entdecken”, sagt Ruijter gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Niemandem von dem Fund zu erzählen, sei ihm auch deshalb schwer gefallen.

Der gesamte bei Hoogwoud gefundene Schatz: 39 Goldmünzen, vier goldene Ohrringe und zwei Stücke Blattgold.

Foto von Archeologie West-Friesland./ Fleur Schinning

Dafür weiß Ruijter nun genau, welche Artefakte er aus dem Boden geborgen hat. Den Goldschmuck konnten die Experten auf das 11. Jahrhundert n. Chr. datieren – er stammt somit aus dem Hochmittelalter, einer Zeit, aus der laut dem Museum bislang nur wenige Funde dieser Art in den Niederlanden bekannt sind. 

Doch nicht der gesamte Schatz geht auf das 11. Jahrhundert zurück. Die jüngsten der Münzen wurden ganze 200 Jahre später geprägt – in den Jahren 1247 und 1248 unter König Wilhelm von Holland, auch als Graf Wilhelm II. bekannt. Dadurch ist klar: Der Goldschmuck war zu dem Zeitpunkt, an dem er vergraben wurde, bereits 200 Jahre alt.

Warum wurde der Schatz vergraben?

Nachdem die Forschenden den Goldschmuck gesäubert hatten, fielen ihnen sofort die Verzierungen auf, die in die Ohrringe graviert waren. Einer der sichelförmigen Hänger zeigt ein Bildnis von Jesus, dessen Kopf von Sonnenstrahlen umgeben ist. Ein weiterer Ohrring ist mit dünnen Goldfäden und -kugeln verziert. Alle vier Ohrringe sind allerdings nur auf einer Seite graviert – für die Experten ein Zeichen dafür, dass die Anhänger womöglich an einem Stirnband getragen wurden. „Vergleichbare goldene Ohrringe sind in den Niederlanden erst dreimal gefunden worden“, so das Museum.

Der hohe Wert der Artefakte macht die Frage danach, warum der Schatz vergraben wurde, umso interessanter. Laut den Experten machten in der Zeit um 1250 Kriege zwischen Westfriesland und der Grafschaft Holland das Leben in der Region um das heutige Hoogwoud unsicher. 1256 starb dort beispielsweise auch Wilhelm von Holland durch die Hand von aufständischen Friesen. Während dieser Tumulte hatte der Besitzer des Schatzes seinen wertvollen Besitz womöglich vor Plünderern verstecken wollen. 

800 Jahre später darf sich nun Lorenzo Ruijter glücklicher Besitzer des Schatzes nennen. Verwaltet werden die Kostbarkeiten allerdings nach wie vor vom Reichsmuseum der Altertümer, wo die Artefakte nun in die nationale archäologische Sammlung aufgenommen werden.

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