Dürrnberg: 2.000 Jahre alter Kinderschuh in Stollen entdeckt

Ein kleines, überaus gut erhaltenes Kleidungsstück erweist sich für Forschende des Deutschen Bergbau-Museums Bochum als Sensation. Es gilt als Beweis für Kinderarbeit im prähistorischen Bergbau.

Von Marina Weishaupt
Veröffentlicht am 6. Sept. 2023, 08:24 MESZ
Der braune Schuh mit Zewa ausgestopft auf einem weißen Untergrund.

Neben den deutlich ausgearbeiteten Laschen sind an dem Kinderschuh auch Reste der ehemaligen Schnürung zu erkennen.

Foto von Deutsches Bergbau-Museum Bochum

Seit mehr als zwanzig Jahren führt das Deutsche Bergbau-Museum Bochum Untersuchungen am österreichischen Dürrnberg durch. Die Gegend südlich von Salzburg ist in der Montanarchäologie – so der Fachbegriff für die Forschung zum Bergbau und der Gewinnung von mineralischen Rohstoffen – vor allem für die prähistorische Salzgewinnung bekannt. 

Nun wurde bei Grabungen, die unter der Leitung von Thomas Stöllner vom Leibniz-Forschungsmuseum für Georessourcen stattfanden, ein besonders gut konservierter Kinderschuh zutage gefördert. 

Ein Indiz für Kinder unter Tage?

Entdeckt wurde er im Dürrnberg bei Hallein, etwa 15 Kilometer südlich von Salzburg. „Der Zustand des gefundenen Schuhs ist überragend“, sagt Stöllner. Zu verdanken ist dies dem Ort, an dem sich das Fundstück befand. „In der Regel zersetzen sich organische Materialien im Lauf der Zeit“, so Stöllner. Doch in der salzhaltigen Umgebung des Georgenberg-Stollens sei der Schuh perfekt konserviert worden.

Grabungsarbeiten im Georgenberg-Stollen, dem Fundort des Schuhs.

Foto von Deutsches Bergbau-Museum Bochum

Er ist nicht der erste Schuh, der am Dürrnberg entdeckt wurde. Von vorherigen Funden unterscheidet er sich jedoch klar – vor allem durch seine Größe. Sie ist mit der modernen Schuhgröße 30 vergleichbar, die heute von Kindern im Alter von durchschnittlich fünf Jahren getragen wird. Der Schuh kann also als Beleg für Kinderarbeit in der prähistorischen Salzgewinnung interpretiert werden. 

Die Machart des Schuhs sowie die vorhandenen Reste der Schnürung aus Flachs lassen vermuten, dass er aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. und damit aus der Eisenzeit stammt. 

Salzgewinnung am Dürrnberg: Goldgrube der Montanarchäologie

Die Forschenden konnten in der Nähe des Schuhs noch weitere Funde aus konserviertem organischem Material sicherstellen: Fellreste mit Schnürung, die vermutlich eine Fellhaube waren, außerdem Reste einer Schaufel. 

„Funde wie dieser Kinderschuh, aber auch Textilreste oder Exkremente, wie sie am Dürrnberg gefunden wurden, bieten einen überaus seltenen Einblick in das Leben der eisenzeitlichen Bergleute. Sie liefern wertvolle Informationen für unsere wissenschaftliche Arbeit“, sagt Stöllner.

Die Geschichte der Salzgewinnung in der Region reicht weit in die Vergangenheit zurück. Bisherige Forschungsergebnisse der Montanarchäologie deuten darauf hin, dass rund um den Georgenberg am Dürrnberg bereits seit dem 5. oder 4. Jahrhundert v. Chr. Salz abgebaut wurde. Die Forschungsarbeit in dem Gebiet soll auch in Zukunft weitergeführt werden, um die gesamte Ausdehnung des eisenzeitlichen Bergbaus zu ermitteln. Dass sich unter Tage auch Kinder aufhielten, ist bereits eine äußerst wertvolle Erkenntnis.

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