Albertas bester Road Trip: Die kanadischen Rocky Mountains

Auf der Suche nach dem ultimativen Road Trip durch die Berge Nordamerikas? Dann sind die kanadischen Rocky Mountains das richtige Ziel: Outdoor-Abenteuer und Naturwunder garantiert!Donnerstag, 9. November 2017

Besucher blicken auf den Peyto Lake (Alberta, Kanada).
Besucher blicken auf den Peyto Lake (Alberta, Kanada).
bild Andreas Hub, laif/Redux

Kanada ist genau wie die USA ein Land der Road Trips und die 428 Kilometer lange Tour von Calgary nach Jasper ist Amerikas Antwort auf die Glacier-Express-Linie der Schweiz.

Unterwegs gibt es beeindruckende Landschaft und atemberaubende Natur zu sehen. Trotz zweispuriger Fahrbahn sorgen blaugrüne Seen, gigantische Gletscher und die schneebedeckten Gipfel der Rocky Mountains für ein gemäßigtes Tempo. Im Sommer wird es in manchen Teilen des Parks recht voll, daher eignen sich Frühling und Herbst am besten für die Reise. Die Wanderwege links und rechts der Strecke führen immer in die Wildnis, hinein in die ganzjährig vorherrschende Einsamkeit. Einsam sind Hiker allerdings nur, wenn die Murmeltiere, Dickhornschafe, Elche und der ein oder andere umherstreifende Bär nicht mitgezählt werden.

Die wichtigsten Stationen entlang der Strecke:

COCHRANE

Cochrane befindet sich westlich von Calgary und liegt in den Ausläufern der Rocky Mountains. Die Wildwest-Stadt wird über den Highway 1A (eine malerische Zweigstraße des Trans-Canada Highways) erreicht. Höhepunkt aus Cowboy-Zeiten ist die Cochrane Ranch. Sie wurde 1881 errichtet und war Albertas erste großflächige Rinderfarm. Auf dem Gelände der historischen Stätte gibt es einen Picknickplatz, von dem aus eine schöner Blick auf die Rocky Mountains genossen werden kann. In der Stadt selbst befindet sich das sehr treffend benannte Rockyview Hotel. Es ist ebenfalls im Wildwest-Stil gestaltet und in seinem Texas Gate Saloon werden Sonntags nachmittags Open Mic Sessions veranstaltet.

BANFF

Westlich von Cochrane führt der Highway 1A entlang des Bow River (auf dem Rafting-Touren angeboten werden) durch eine beeindruckende Berglandschaft. Über den Trans-Canada Highway geht es in den Banff-Nationalpark, der zu den besten National Geographic-Reisezielen 2017 zählt. Anschließend wird Banff selbst erreicht, eine geschäftige Bergstadt, die von Gipfeln gesäumt ist.

Banff verdankt seine Existenz hauptsächlich der Canadian Pacific Railway. Das technische Meisterstück gilt vielen als ehrgeizigeres Projekt als der Bau der ersten US-amerikanischen transkontinentalen Eisenbahnstrecke. Manche behaupten sogar, dass es nur diese landesweite Verbindung war, die Kanadas Westen vor dem Übergriff der ambitionierten amerikanischen Expansionisten schützte.

Als die Vermessungstechniker für den Bau der Teilstrecke durch die kanadischen Rockies in den Bergen nach dem besten Weg suchten, entschieden sie sich letztendlich für Banffs Kicking Horse Pass. Heutzutage können über den Klettersteig Via Ferrata schwindelerregende Höhen auf dem Mount Norquay erreicht werden, der im Winter zur Skipiste wird. Direkt in Banff lassen sich im informativen Whyte Museum die rauen Ursprünge der Stadt nachverfolgen. Besonders interessant ist die Ausstellung zu Mary Schäffer, einer Schriftstellerin aus Philadelphia. Sie bereiste die kanadischen Rockies 1888 zum ersten Mal zusammen mit einer Freundin und kehrte dann immer wieder zurück, bis sie sich schließlich nach 24 Jahren entschied, zu bleiben. Ihre Werke trugen dazu bei, die Gegend zu einem beliebten Reiseziel für die ersten Touristen zu machen.

Eines der Wahrzeichen Banffs ist das rustikale Fairmont Banff Springs Hotel. Das an ein Schloss erinnernde Hotel wurde 1888 eröffnet und überzeugt durch seinen beneidenswerten Standort inmitten des ansteigenden Waldes. Und selbst wenn ihr nicht über Nacht bleibt, könnt ihr mit einer Karte durch die historischen Räumlichkeiten spazieren, die Wanderwege auf dem Anwesen erkunden und eine Erfrischung in den Restaurants oder Bars zu euch nehmen.

LAKE LOUISE

Nördlich von Banff geht die Reise erst richtig los. Entweder über den Highway 1 oder den etwas langsameren Highway 1A geht es in nordwestlicher Richtung vorbei am Örtchen Lake Louise und durch die Gebirgswälder zum Fairmont Chateau Lake Louise Hotel. Das riesige cremefarbene Gebäude ist ein weiterer schlossartiger Blickfang. Essen und Getränke sind schon einen Besuch wert, doch das Highlight ist definitiv der „Gartenteich“.

Der nicht ganz zweieinhalb Kilometer lange Lake Louise wurde nach einer Tochter von Königin Victoria benannt und ist der wahrscheinlich am meisten fotografierte See der Welt. Außerdem ist er wohl einer der besten Orte zum Kanufahren. Holt euch gleich zur Öffnung der Verleihe eines der knallroten Kanus und gleitet über das ruhige, türkisfarbene Wasser in Richtung Mount Victoria. Der Berg ist von Gletschern bedeckt und erreicht eine Höhe von 3.464 Metern. Manchmal können am Ufer Grizzlybären gesichtet werden – manchmal schwimmen sie auch über den See. Macht danach einen Spaziergang auf dem Lake Louise Lakeshore Trail (vier Kilometer) oder wandert hinauf zum Lake Agnes Tea House (6,8 Kilometer). In dem ländlichen Chalet werden seit 1905 Tee und Gebäck serviert.

Der Icefields Parkway führt durch die kanadischen Rocky Mountains und verbindet den Banff-Nationalpark mit dem Jasper-Nationalpark.
Der Icefields Parkway führt durch die kanadischen Rocky Mountains und verbindet den Banff-Nationalpark mit dem Jasper-Nationalpark.
bild eye35.pix, Alamy Stock Photo

ICEFIELDS PARKWAY

Im Norden wird Lake Louise durch den Highway 93 (auch als Icefields Parkway bekannt) mit Jasper verbunden. Auf seinen 230 Kilometern führt der Parkway parallel zur kontinentalen Wasserscheide an unzähligen Gletschern vorbei und durch lange, baumreiche Flusstäler, die sich in den Bergen abrupt heben und senken. Auf der Strecke gibt es viele unerwartete Gelegenheiten für Fotos.

Kleiner Tipp: Wer Picknick dabei hat, ist im Vorteil, denn unterwegs gibt es nur wenige Läden und Cafés. Pittoreske Rastplätze werden dagegen schnell gefunden.

Im Banff-Nationalpark erheben sich hinter dem Peyto Lake die Berge.
Im Banff-Nationalpark erheben sich hinter dem Peyto Lake die Berge.
bild Karl-Heinz Raach, laif/Redux

PEYTO LAKE

Ein weiterer beliebter Stopp auf dem Weg ist der Peyto Lake, der sich 45 Kilometer nördlich des Lake Louise befindet. Nach einem kurzen Spaziergang auf einem befestigten Pfad durch die Wälder wird auch klar, warum. Die Farbe des Sees ist nahezu unwirklich. Der helle, türkisfarbene Ton entsteht durch die Gletscherbruchstücke im Wasser. Wenn ihr die Aussichtsplattform hoch über dem See nur ein wenig hinter euch lasst, könnt ihr die Aussicht ganz für euch allein genießen.

Der Mistaya River strömt durch den Mistaya Canyon (Alberta, Kanada).
Der Mistaya River strömt durch den Mistaya Canyon (Alberta, Kanada).
bild Karl-Heinz Raach, laif/Redux

MISTAYA CANYON

Etwa weitere 30 Kilometer in Richtung Norden liegt der Mistaya Canyon. Ein einfacher, unbefestigter Weg führt zu der schmalen Schlucht, wo das Wasser aus dem Peyto Lake durch die Felsspalten fließt, welche oft über die tatsächliche Tiefe des Flusses hinwegtäuschen. Auch hier gibt es viele Picknickplätze, an denen ihr auf den Felsen sitzen, die kühlende Gischt genießen und genug Energie für das restliche Abenteuer tanken könnt.

COLUMBIA EISFELD

Zurück auf dem Icefields Parkway geht es vorbei an der Saskatchewan-Flussquerung. In Parker Ridge, kurz vor dem Eingang zum Jasper-Nationalpark, gibt es einen schönen Wanderweg. Die fünfeinhalb Kilometer lange Hin- und Rücktour führt 250 Meter in die Höhe. Von dort aus können versteckte, von der Straße aus nicht einsehbare Täler entdeckt werden. Auch hier könnt ihr den Ausblick allein genießen. Sogar im Sommer sind noch einige Stellen mit Schnee bedeckt und manch ein Besucher rutscht dann auf einem Stück Pappkarton den Hang hinunter.

Weiter im Norden trefft ihr schließlich auf den Namenspaten des Highways. In den letzten 40 Jahren sind die Ausläufer der Gletscher des Columbia-Eisfelds stark zurückgegangen. Auf dem Kiesweg zum schmutzigen Weiß des Gletschers markieren Schilder die einstigen Ausmaße. Wer auf den Gletscher hinauffahren möchte, kann eine Fahrt im Geländewagen mit Glacier Adventures buchen. Karten gibt’s im Columbia Icefield Discovery Center, in dem auch ein interessantes Naturkundemuseum lockt.

Die Sonne scheint auf Mount Edith Cavell im Jasper-Nationalpark (Alberta, Kanada).
Die Sonne scheint auf Mount Edith Cavell im Jasper-Nationalpark (Alberta, Kanada).
bild Christian Heeb, laif/Redux

MOUNT EDITH CAVELL

Richtung Norden geht es weiter entlang des Sunwapta River. Der Fluss entspringt der Winston Churchill Range und fließt nach Westen. Die Sunwapta-Fälle (48 Kilometer vom Columbia Icefields Center entfernt) sind ein Schauspiel aus herabstürzendem Wasser und Gischt. Für einen Blick auf die milchblauen Athabasca Falls, die sich in eine kurze Schlucht ergießen, nehmt ihr den Highway 93A (weitere 24 Kilometer nördlich).

Für etwas mehr Spaß geht es auf die 14,5 Kilometer lange, gewundene Straße zum Mount Edith Cavell. Der Berg wirkt wie eine riesige Wand aus dunkelgrauem Gestein und Schnee mit einem beeindruckenden, mehr als 3.000 Meter hohen Gipfel. Darüber erhebt sich bedrohlich der Angel-Gletscher. Manchmal könnt ihr die Eismasse knarzen hören, bevor ein Brocken in den darunterliegenden See stürzt.

JASPER

Wasser fließt durch den Maligne Canyon im Jasper-Nationalpark.
Wasser fließt durch den Maligne Canyon im Jasper-Nationalpark.
bild Berthold Steinhilber, laif/Redux

Jasper ist die etwas unscheinbarere kleine Schwester von Banff. Die Eisenbahnstadt liegt in Sichtweite von vier eindrucksvollen Bergketten. Hier gibt es viele Möglichkeiten für kulinarische Exkurse und im Besucherzentrum könnt ihr ein unterhaltsames Buch über Bärensichtungen durchblättern. Überall im Tal gibt es kleine Seen. Manche, wie. der Pyramid Lake, sind sogar warm genug für einen kurzen Sprung ins Wasser. Für eine fantastische Aussicht nehmt ihr die SkyTram hoch hinauf über die steile Nordwand des Whistler Mountain.

Südöstlich der Stadt befindet sich der Maligne Canyon (via Trans-Canada 16), die bekannteste Attraktion der Umgebung. Wie ein tiefer Riss durchzieht der Canyon den Waldboden und windet sich durch die Landschaft. Unter den überhängenden Wänden aus glattem Kalkstein gleitet der Maligne River durch den Canyon. Zwischen Spalten und Löchern bildet er kleine Becken und Wasserfälle. Hier könnt ihr anhalten und ein wenig am Rand des Canyons entlangwandern. Danach geht es vorbei am Medicine Lake zum Maligne Lake. Mit seinen 13,7 Kilometern Länge ist dieser der größte natürliche See der Region. Ihr könnt eine Bootsfahrt mitmachen oder ein Kanu ausleihen, um die beeindruckende Schönheit zu bewundern.

REISEZEIT

Die Monate von Juni bis September eignen sich am besten für diese Fahrt durch die Berge, allerdings ist es auch die verkehrsreichste Zeit. Über das örtliche Wetter könnt ihr euch auf www.weatheroffice.gc.ca informieren.

 

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