Tiere

Angebliches Verbot von Hundefleischverkauf auf berüchtigtem Festival

Tierrechtler hoffen, dass das Verbot der „Sargnagel“ für Chinas Handel mit Hunde- und Katzenfleisch sein wird. Donnerstag, 9 November

Von Michael Greshko, Brian Clark Howard

In einem dramatischen Kurswechsel wurde auf dem berüchtigten jährlichen Hundefleischfestival in Yulin, China, der Verkauf von Hundefleisch verboten.

Obwohl Hunde in Teilen Ostasiens schon seit Jahrhunderten gegessen werden, ist das zehntägige Hundefleischfestival im Süden Chinas vergleichsweise neu. Es begann 2010 und hat im Laufe seiner kurzen Geschichte weltweite Kontroversen ausgelöst. Chinesische und internationale Tierrechtler verurteilten die Veranstaltung für das Schlachten von Tausenden Hunden jedes Jahr, viele davon gestohlene Haustiere oder Streuner.

In einer Pressemitteilung der Humane Society International und der Interessenvertretung Duo Duo Animal Welfare Project vom 17. Mai wurde berichtet, dass die Stadt bereit sei, „Restaurants, Straßenverkäufern und Markthändlern den Verkauf von Hundefleisch auf dem Event zu verbieten.“

Das Verbot, das von Yulins neu gewähltem Parteisekretär Mo Gong Ming angeführt wird, soll am 15. Juni in Kraft treten – eine Woche vor der geplanten Eröffnung des Festivals am 21. Juni. Dem Verbot wird mit Strafen wie Verhaftung und Bußgeldern von bis zu 100.000 Yuan (ca. 13.000 Euro) Nachdruck verliehen.

„Noch ist das Yulin-Hundefleischfestival nicht vorbei“, sagte Peter Li von der Humane Society International in einer Stellungnahme. „Aber wenn diese Neuigkeiten sich hoffnungsgemäß bewahrheiten, ist das ein ziemlich großer Sargnagel für das grauenvolle Event, das zum Symbol für Chinas kriminell geprägten Hundefleischhandel geworden ist.“

In einem Telefoninterview sagte die Sprecherin der Humane Society International, Wendy Higgins, dass die zwei Organisationen durch chinesische Aktivisten und Händler auf den Hundefleischmärkten Yulins unabhängig voneinander die Neuigkeiten von dem Verbot erfahren hätten. Die Gruppen wissen noch nicht, ob das Verbot auch für Katzen gelten wird, die auf dem Festival ebenfalls geschlachtet werden.

Li und Higgins halten es für unwahrscheinlich, dass Händler das Verbot zu umgehen versuchen werden, indem sie Hundefleisch verschenken. „Den Restaurants wurde gesagt, dass sie die Gerichte von der Karte nehmen sollen. Da es beim Yulin[-Festival] schon immer eher um Kommerz als um Kultur ging, halte ich es für unwahrscheinlich, dass Händler und Restaurantbesitzer sich die Mühe machen werden, das aus eigener Tasche zu zahlen“, erklärt Higgins in einer E-Mail.

Die Gruppen haben noch kein schriftliches Dokument von der Regierung gesehen, welches das Verbot bestätigen würde. Aber in einem Telefoninterview sagte Li, dass der Mangel an Papierbelegen keine Überraschung sei.

2014 erteilte die Regierung Yulins eine vertrauliche interne Order, die es offiziellen Beamten Yulins verbot, während des Festivals Hundefleischrestaurants zu besuchen. Damit bemühte sich die Regierung, sich von dem Festival zu distanzieren. Binnen Stunden war die Memo an Tierrechtler durchgesickert, unter denen auch Li war.

„Angeblich ist die Regierung fuchsteufelswild gewesen, aber sie haben nicht rausbekommen, wer das weitergegeben hat“, sagt Li, laut dem die neue Anweisung mündlich verbreitet wurde. „Die lokalen Offiziellen, mit denen wir 2015 gesprochen haben, haben gesagt, dass sie keine schriftlichen Dokumente mehr herausgeben.“

National Geographic konnte die Berichte bisher nicht unabhängig bestätigen.

WENIGER APPETIT AUF GRAUSAMKEIT

Laut der Humane Society International werden in China jährlich mehr als 10 Millionen Hunde und 4 Millionen Katzen für den menschlichen Verzehr getötet. Die Praxis hat das Land jedoch zunehmend polarisiert.

In einer Umfrage aus dem Jahr 2016 gaben fast 52 Prozent der Chinesen, inklusive der Bewohner Yulins, an, dass sie ein komplettes Verbot des Hundefleischhandels wollen. 70 Prozent sagten aus, dass sie noch nie Hundefleisch gegessen hätten, berichtete die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua. Besonders unter jungen Menschen ist der Widerstand groß.

Das Hundefleischfestival wurde – auch wenn es von Privatpersonen und Unternehmen organisiert wird – nie offiziell von der chinesischen Regierung befürwortet, weder auf lokaler noch auf nationaler Ebene. Die lokale Unterstützung ist durchwachsen. Mancher heißt die Besucher von außerhalb enthusiastisch willkommen, andere beschweren sich, dass es ihre Region in Verruf bringt.

Die Ansichten der einheimischen Kritiker werden von Millionen außenstehender Antragsteller unterstützt. Im Juni 2016 präsentierten chinesische und internationale Tierrechtsgruppen der Regierung von Yulin ihr bisher größtes Stück: eine Petition mit 11 Millionen Unterschriften aus der ganzen Welt, die Stellung gegen das Event bezog.

„Für uns ist es beschämend, dass die Welt fälschlicherweise glaubt, das brutal grausame Yulin-Festival sei Teil der chinesischen Kultur“, sagte Qin Xiaona in einem Interview mit Xinhua. Er ist der Direktor der wohltätigen Organisation Capital Animal Welfare Association, welche die Umfrage finanziert hatte. „Das ist es nicht.“

Auch die Abgeordneten aus den USA sind darauf aufmerksam geworden. 2016 brachte der Kongressabgeordnete Alcee L. Hastings eine Resolution ein, die das Festival verurteilte und China aufforderte, dem Handel mit Hundefleisch ein Ende zu bereiten. Am 6. Januar 2017 brachte Hastings die Resolution erneut ein, die das Festival als „ein Spektakel extremer Tiermisshandlung“ verurteilte.

Michael Greshko schreibt online Wissenschaftsnachrichten über Themen von Tierverhalten bis Weltraum und Umwelt. Michael Greshko auf Twitter folgen.

Brian Howard verfasst Artikel über Umwelt, Wissenschaft, Technologie und andere Themen. Brian Howard auf Twitter folgen.

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