Tiere

Diese Tarantel krabbelt aus ihrem Exoskelett

Ein Zeitraffer-Video zeigt, was passiert, wenn eine junge Mexikanische Rotknie-Vogelspinne bereit ist, ihr altes Exoskelett abzulegen. Donnerstag, 9 November

Von Sarah Gibbens

Die Bewegungen einer Tarantel können dem ein oder anderen Beobachter einen Schauer über den Rücken jagen – ganz besonders, wenn die Spinne aus ihrer eigenen Haut herauskrabbelt.

Genauer gesagt haben Taranteln ein sogenanntes Exoskelett – eine steife, äußere Struktur, welche die inneren Organe der Spinne auf ähnliche Weise schützt, wie es menschliche Haut bei menschlichen Organen tut. Um zu wachsen, müssen Taranteln ein neues Exoskelett ausbilden und ihre alte, kleinere Hülle in einem Prozess der Häutung abstreifen.

Dieses Zeitraffer-Video zeigt ein junges Mexikanisches Rotknie-Vogelspinnenweibchen bei so einer Häutung. Der Vorgang dauert über drei Stunden, ist im Video allerdings auf eine Minute komprimiert. Um sich aus ihrem alten Exoskelett herauszuwinden, legt sich die Spinne auf die Seite und zieht langsam ihre Beine heraus – wie jemand, der ein zu enges Paar Jeans auszuziehen versucht.

Sowohl Männchen als auch Weibchen häuten sich mehrmals, bevor sie ihre volle Größe erreichen. Ausgewachsene Mexikanische Rotknie-Vogelspinnen werden üblicherweise zehn bis zwölf Zentimeter groß und erreichen eine Beinspannweite von 15 bis 18 Zentimetern.

Je nach externen Bedingungen wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit können Männchen nach drei bis sieben Jahren ausgewachsen sein, leben nach ihrer letzten Häutung aber nur noch für ungefähr ein Jahr. Im Gegensatz dazu sind Weibchen mit vier bis zehn Jahren ausgewachsen, können aber bis zu 25 Jahre alt werden.

Laut ihrem Besitzer Jason Bauer, der das Video aufgenommen hat, ist diese Tarantel noch ein Jungtier. Sie wird sich also noch mehrmals in ihrem Leben häuten.

Während des Prozesses ziehen die Spinnen ihren Hinterleib zusammen, wodurch Flüssigkeit in den oberen Körperteil, den Cephalothorax gedrückt wird. Die Flüssigkeit erhöht den Druck auf das ohnehin schon strapazierte Exoskelett. So kann die Tarantel durch dessen Schwachstellen brechen.

Andrine Shufran vom Institut für Entomologie an der Oklahoma State University formuliert es einfacher:

„Im Grunde schlägt sie das oberen Ende von ihrem Kopf ab und zieht ihren Körper raus.“

Shufran wies auch darauf hin, dass die neue Haut der Spinne nach der Häutung weich ist, was sie zu leichterer Beute macht. Je nach Art härtet das neue Exoskelett nach einer Stunde oder einer Woche aus.

Bevor sich Bauers Tarantel gehäutet hat, sind ihm körperliche Veränderungen an ihr aufgefallen. Die kahle Stelle an ihrem Unterleib hat sich vergrößert und die dort sichtbare rosa Haut wurde fast schwarz. Diese dunkle Färbung entsteht durch das frische Exoskelett, das sich darunter bildet.

Auch die Fressgewohnheiten der Taranteln ändern sich vor der Häutung dramatisch.

„Sie hat ihre Mundöffnung vier Stunden lang unter Wasser gehalten und ich musste ihre Schale wieder auffüllen“, sagt Bauer.

Die Tarantel hörte schließlich auch auf zu fressen und lag zwei Wochen lang völlig still, bevor Bauer sie entdeckt hat, wie sie auf ihrer Seite lag und sich häutete.

Laut Shufran gehört das alles zum normalen Verhaltensrepertoire vor der Häutung. Da Taranteln unter ihrem alten Exoskelett ein neues ausbilden, formen sie auch eine Schmierschicht zwischen den beiden Skeletten. Während der Häutung löst sich jeder Körperteil der Spinne von dem alten Exoskelett ab – von den Augen bis hin zu ihren Fängen. Oft hören sie in den Wochen vor der Häutung auch mit Fressen auf, damit sie nicht in ihrer alten Hülle stecken bleiben.

„Taranteln, die bei der Häutung stecken bleiben, sterben fast immer“, sagt Shufran.

Viele Tiere, die sich häuten, fressen ihre alte Haut im Anschluss, um Energie zurückzugewinnen, die während des Prozesses verloren ging. Taranteln sind jedoch mit vielen kratzigen Haaren bedeckt, die leicht abbrechen und zur Verteidigung genutzt werden.

Laut Bauer blieb seine Spinne mehrere Tage lang neben ihrer alten Haut, rührte diese aber nie an.

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