Musikalisch begabte Kakadus trommeln ihren eigenen Beat

Laut einer Studie ist der Palmkakadu neben dem Menschen die einzige bekannte Art, die mit Gegenständen einen rhythmischen Beat trommeln kann.Freitag, 27. Oktober 2017

Kakadu-Drummer musizieren mit Werkzeugen
Kakadu-Drummer musizieren mit Werkzeugen

Männliche Palmkakadus könnten die Rockstars des Tierreichs sein – da überrascht es vielleicht auch niemanden, dass sie den Aufwand hauptsächlich für die Damenwelt betreiben.

Die australische Vogelart ist laut einer neuen Studie das einzige bekannte Tier neben dem Menschen, das ein eigenes Werkzeug nutzt, um einen rhythmischen Beat zu trommeln. Auch andere Tiere wie Schimpansen trommeln gern auf Stöcken und Stämmen, allerdings stellen sie dafür nicht ihre eigenen Instrumente her.

Robert Heinsohn, ein Naturschutzbiologe von der Australia National University, beobachtete das Verhalten erstmals 1997 bei männlichen Vögeln im Norden Australiens.

„Der Kakadu umklammerte etwas, das wie ein Stöckchen aussah, und schlug es gegen den Baumstamm. Ab und zu pausierte er, stellte seine beeindruckende Haube auf und ließ ein Pfeifen oder Krächzen ertönen“, sagt Heinsohn. Seine Forschung wurde von der National Geographic Society finanziert.

Fasziniert verbrachte Heinsohn die nächsten zwei Dekaden damit, Videoaufnahmen der scheuen Tiere zu machen und herauszufinden, ob ihr Getrommel wirklich Musik ist. Diese wird in dem Zusammenhang definiert als das Erzeugen eines regelmäßigen Rhythmus mit sich wiederholenden Elemente und natürlich einer persönlichen Note.

Indem sie die rhythmischen Sequenzen der Vögel analysierten, fanden Heinsohn und seine Kollegen heraus, dass die Klänge genau wie bei menschlicher Musik extrem vorhersehbar waren. Und jedes musizierende Männchen, das Heinsohn beobachtete, hatte einen einzigartigen musikalischen Stil. ("Pfeifende Raupen und fünf andere überraschend musikalische Tiere")

ROCKADU

Wichtig zu bemerken ist, dass die Männchen zu 70 Prozent der Zeit mit dem Trommeln anfingen, wenn Weibchen in der Nähe waren. Die Forschungsergebnisse wurden am Mittwoch in „Science Advances“ veröffentlicht.

Außerdem kombinierten die Männchen ihr Getrommel häufig mit einer stimmlichen und visuellen Darbietung.

„Ihr Wangen röten sich, wenn sie sexuell erregt sind“, sagt Heinsohn in Bezug auf die nicht gerade subtile Motivation der Vögel.

Er und sein Team untersuchten die Reaktion der Weibchen auf die Musik der Männchen allerdings nicht.

Die Studie wirft neue Fragen über die Wahrnehmung der unterschiedlichen Rhythmen bei Weibchen auf, bemerkt Aniruddh Patel. Der Professor für musikalische Kognition von der Tufts Universität war an der Studie nicht beteiligt.

„Nur, weil man in der Lage ist, einen regelmäßigen Rhythmus zu erzeugen, heißt das nicht automatisch, dass man auch die Fähigkeit hat, selbst scheinbar simple Rhythmen zu erkennen“, sagt Patel. Er sieht einen Bedarf zu erforschen, ob regelmäßige Rhythmen für die Weibchen attraktiver wirken.

IMMER IM TAKT

Die Fähigkeit, mit Schlägen einen Takt zu halten, ist tief in der menschlichen Biologie verwurzelt. Wie sich diese Fähigkeit entwickelt hat, ist eine Frage, die Wissenschaftler seit Langem fasziniert. Sogar Charles Darwin schrieb schon über die angeborene menschliche Vorliebe für Rhythmen.

Männliche Palmkakadus erzeugen zwar ihren eigenen Takt, aber sie tanzen nicht – eine Aktivität, die für Menschen Hand in Hand mit Musik geht.

Viele Vögel wie Schreikraniche und Paradiesvögel führen Balztänze auf, doch der Palmkakadu ist hauptsächlich am Rhythmus interessiert.

Diese Vögel sind auch in der Hinsicht einzigartig, dass sie Solo-Künstler sind. Daher glaubt Heinsohn, dass sich ihr Verhalten aus der Balz von bestimmten Individuen entwickelt hat und nicht in einer Gruppenumgebung.

„Sie scheinen recht anfällig für das Vergnügen zu sein, das Rhythmus bietet, genau wie Menschen“, sagt er.

„Sobald ein Männchen ein gefälliges Trommelmuster austüftelt, dessen Rhythmus auch bei den Weibchen Anklang findet, dann würden andere Männchen das ebenfalls schnell lernen. Auf diese Weise würde es sich mühelos in der ganzen Population verbreiten.“

Shaena Montanari auf Twitter folgen.

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