Tiere

Von dieser Schildkrötenart existieren weltweit nur noch drei bekannte Exemplare

Naturschützer suchen verzweifelt nach einer vierten. Donnerstag, 9 November

Von Sarah Gibbens

Ein Team von Naturschützern hofft, in den Gewässern der chinesischen Yunnan-Provinz eine Schildkröte mit äußerst wertvollem Sperma zu finden.

Die Jangtse-Riesenweichschildkröte ist eine der am stärksten bedrohten Tierarten der Welt. Ein Männchen und ein Weibchen befinden sich in Gefangenschaft im Suzhou-Zoo in China. Ein wildes Exemplar lebt in einem vietnamesischen See namens Dong Mo. (Man vermutet, dass es sich bei der vietnamesischen Schildkröte um ein Männchen handelt. Eine genaue Geschlechtsbestimmung war bisher aber schwer, da die Tiere ausgesprochen scheu sind.)

Im Februar 2016 starb eine vierte Schildkröte – die vermutlich fast 100 Jahre alt war – in Gefangenschaft in Vietnam. Damit reduzierte sich die weltweite bekannte Population der Art auf einen Schlag um ein Viertel.

Jangtse-Riesenweichschildkröten sind die größten Süßwasserschildkröten der Welt. Sie können fast 100 Jahre alt und 90 Kilogramm schwer werden.

Die Zahl der Art ging in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts rapide zurück, als der Ausbau von Infrastruktur am Roten Fluss in China den natürlichen Lebensraum der Tiere zerstörte. Im Zuge von Chinas Vorstoß in den Bereich erneuerbarer Energien werden im Südwesten des Landes zügig Dämme errichtet, was sich extrem zerstörerisch auf die Natur und Tiere in dem Gebiet auswirken kann.

Um zu gedeihen, brauchen Schildkröten sauberes Wasser und Strände zum Jagen.

Fast alle Meeresschildkröten gelten als stark gefährdet, ebenso wie viele ihrer Süßwassercousins wie die Jangtse-Riesenweichschildkröte. Ihre Eier, ihr Fleisch und ihre Haut machen sie zum Ziel von Wilderern, und ihr Lebensraum ist auf einzigartige Weise anfällig für die schädlichen Auswirkungen des Klimawandels.

Auch wenn es schwierig ist, eine ganze Art mit nur drei Individuen wiederaufzubauen, ist es nicht unmöglich. Forscher der Wildlife Conservation Society suchen nach einer wilden Jangtse-Schildkröte. Sie glauben, dass sich ein Exemplar tief in der Yunnan-Provinz versteckt.

Aimin Wang ist der Direktor des chinesischen Bereichs der Wildlife Conservation Society und hat finanzielle Förderung von National Geographic erhalten. Er hat mit National Geographic darüber gesprochen, welche Bemühungen derzeit unternommen werden, um diese Art am Rande des Aussterbens zu retten.

Welche Arbeit wird momentan geleistet, um in der Yunnan-Provinz eine Jangtse-Riesenweichschildkröte zu finden?

Wir stellen aktuell vor Ort Untersuchungen an, um in der Wildnis nach einer Jangtse zu suchen. In diesem Jahr wird unser Team von April bis Mai eine Felduntersuchung am Roten Fluss durchführen. Bisher haben wir noch keine gefunden, aber wir planen, jedes Jahr zu dieser Zeit nach China zu kommen, um es wieder zu versuchen.

Warum glauben Sie, dass man noch ein Exemplar finden kann?

Wir haben mit Einheimischen gesprochen, die – ausgehend von ihren Beschreibungen – vermutlich eine [Jangtse-]Schildkröte gesehen haben. Wir können noch nicht abschätzen, wie viele es sind. Aber von unseren Gesprächen mit den Einheimischen her sollten es ein oder zwei sein.

Was würde es für die Art bedeuten, wenn man ein Exemplar finden würde?

Das erhöht unsere Chancen [für eine erfolgreiche Zucht] merklich. Das Männchen in China ist ziemlich alt, aber das Weibchen ist jung. Die Schildkröten werden durch künstliche Befruchtung gezüchtet. Unsere letzten vier Versuche mit dem Brutpaar in China waren nicht erfolgreich. Wir haben es gerade ein fünftes Mal versucht und qualitativ hochwertiges Sperma erhalten. Es wird noch einen Monat dauern, bis wir wissen, ob unsere Versuche erfolgreich waren.

Warum ist es so wichtig, diese Schildkröten zu retten?

Diese Art ist ein Aushängeschild für Artenvielfalt, sie ist ziemlich wichtig. Sie dient als wichtiger [Indikator für die Umwelthygiene]. Wenn wir ihnen beim Überleben helfen können, heißt das, dass es unserem Ökosystem ziemlich gut geht. Wenn sie verschwinden, bedeutet das, dass es unserem Ökosystem ziemlich schlecht geht.

Gibt es noch Hoffnung für die Art?

Es könnte schon zu spät sein, aber wir haben jetzt ein paar Möglichkeiten, um sie zu retten. Vor zehn Jahren wäre die entscheidende Zeit gewesen, um mit Maßnahmen für den Erhalt dieser Art zu beginnen, aber das haben die Menschen nicht verstanden. Wenn wir in der Wildnis eine finden könnten, würde das unsere Chancen vielleicht verbessern.

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