Tiere

Große Augen, flauschiger Schwanz: Neue Lemurenart entdeckt

Der neu entdeckte Fettschwanzmaki ist nur so groß wie ein Eichhörnchen und lebt in den Baumkronen des Regenwaldes.Monday, January 15

Von Sarah Gibbens
Ein Fettschwanzmaki der Art Cheirogaleus grovesi hält sich auf Madagaskar an einem Baum fest.

Mit ihren großen, runden schwarzen Augen, den knubbeligen Ohren, dem buschigen Schwanz und den kleinen Pfötchen fällt es schwer, der neu entdeckten Lemurenart auf Madagaskar nicht zu verfallen.

Wissenschaftler haben die neue Art beschrieben und Cheirogaleus grovesi getauft. Die Suche nach den Tieren war in zwei der Nationalparks des Landes erfolgreich: Ranomafana, der von Regenwäldern und einer Bergregion geprägt ist, und Andringitra, in dem eine Mischung aus Grasland und Wäldern vorherrscht.

Im Regenwald leben diese Lemuren hoch oben in den Baumkronen, wo sie in den Bäumen Schutz suchen und sich von Blüten und Nektar ernähren. Die Wissenschaftler erforschen noch immer die sozialen Strukturen dieser Makis, die sie bisher sowohl in Gruppen als auch allein umherwandernd beobachten konnten. Im Schnitt sind sie 15 Zentimeter lang und haben einen Schwanz von 25 Zentimetern Länge – damit sind sie ungefähr so groß wie die hierzulande heimischen Europäischen Eichhörnchen. Die Männchen und Weibchen finden sich für die Paarung zusammen, aber ein Großteil der Aufzucht des Nachwuchses obliegt den Weibchen. (Lesenswert: Die Sprache der Kattas: Entschlüsselung der Lemurenlaute)

„Sie bevölkern eine sehr spezifische Nische“, sagt Edward Louis. Der Direktor des Labors für Naturschutzgenetik am Zoo vom Omaha ist der Autor der Studie, die in „Primate Conservation“ erschien und die neue Art beschreibt.

LEMURENFANG

Die Wissenschaftler mussten die Tiere von Hand oder mit Betäubungspfeilen fangen. Im Falle der Pfeile arbeitete das Team Louis zufolge mit Netzen, damit die Tiere nicht zu Boden fielen.

Am Boden nahmen die Wissenschaftler dann ihre Maße, zum Beispiel Schädelgröße und Gewicht, und nahmen Proben, die später im Labor analysiert wurden. Alle Lemuren, die für die Studie gefangen wurden, wurden schließlich wieder am Ort ihres Fangs freigelassen.

Es dauerte fast ein Jahr, die Lemuren offiziell als eigenständige Art zu benennen – ein Erfolg, der einer Partnerschaft mit dem Polytechnischen Institut des State University von New York und der gemeinnützigen Global Wildlife Conservation zu verdanken war.

Im Genlabor der Conservation im Omaha Zoo konnten Wissenschaftler schließlich die DNA von Cheirogaleus grovesi von der DNA verwandter Arten unterscheiden.

Der Fettschwanzmaki Cheirogaleus grovesi war eine von mehreren neuen Arten, deren Existenz der Zoo im Jahr 2013 vermutete. Wenn Wissenschaftler vermuten, dass sie eine neue Art entdeckt haben, wird sie vorerst als Species nova geführt, bis genug Beweise vorliegen, um sie eindeutig zu beschreiben.

EINS, ZWEI, DREI, LEMUR

24 der weltweit 113 bekannten Lemurenarten wurden vom Genlabor des Zoos von Omaha bestimmt. Louis zufolge hat das Labor ein so großes Set an Daten aufgebaut und ist so effizient geworden, dass es die Existenz einer neuen Art binnen eines Jahres beweisen kann.

Neben diesen umfangreichen Daten betreibt der Zoo auch ein Artenschutzprogramm namens Madagascar Biodiversity Partnership, das mit Einheimischen zusammenarbeitet, um Informationen über heimische wilde Tiere zu sammeln.

Wenn Louis über die neue Lemurenart spricht, betont er unablässig die wichtige Rolle der Einheimischen. Madagaskars Tiere haben stark unter der Entwaldung, dem Verlust von Lebensraum und Wilderei zu leiden, und Louis‘ Team bemüht sich, Forschung mit Naturschutz und Bildungsmaßnahmen zu koppeln, um die Einheimischen dazu zu bringen, den Lebensraum der Tiere zu schützen.

Lemuren gelten laut der Weltnaturschutzunion als am stärksten bedrohte Säugetiergruppe der Welt.

Derzeit werden 24 Lemurenarten als vom Aussterben bedroht eingestuft, 49 als stark gefährdet und 20 als gefährdet. Fast alle von ihnen sind auf Madagaskar zu finden.

Für Cheirogaleus grovesi wurde bisher noch kein Gefährdungsstatus ermittelt, aber da sich die Art auf zwei Nationalparks zu konzentrieren scheint, wird sie Louis zufolge wahrscheinlich als potenziell gefährdet eingestuft werden.

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