Nashorn-Tinder, Pandaromantik und andere Artenschutzmaßnahmen

Für den Erhalt vom Aussterben bedrohter Arten greifen Wissenschaftler mitunter auf ausgefallene Methoden zurück.Dienstag, 13. März 2018

Von Sarah Gibbens
Bilder Von JOEL SARTORE

Für Arten am Rande des Aussterbens sind die Aussichten auf einen geeigneten Partner eher schlecht.

Wissenschaftler scheuen allerdings keine Mühen, um die Bestände solcher Arten wieder zu vergrößern. Mitunter greifen sie dabei auch auf recht unkonventionelle Methoden zurück.

„Wenn die Populationsgröße einer Art im einstelligen Bereich liegt, sind die Aussichten für ihr Fortbestehen eher düster, aber immerhin vorhanden“, sagt Trond Larsen von Conservation International.

Im Folgenden stellen wir euch einige ausgefallene Maßnahmen vor, die sich Artenschützer ausgedacht haben, um den Letzten ihrer Art zu helfen.

EIN DATING-PROFIL FÜR ROMEO

Video zum Dating-Profil von Romeo
Video zum Dating-Profil von Romeo
bild Global Wildlife Conservation

Schaut euch das Dating-Profil von Romeo hier an!

Romeo ist ein bolivianischer Frosch der Art Telmatobius yuracare. Wissenschaftler des Natural History Museum "Alcide d'Orbigny“ in Cochabamba haben für das Tier ein Profil auf der Onlinedating-Plattform match.com angelegt.

Romeo sucht aber nicht nach einer Frau fürs Leben, sondern nach irgendeinem Artgenossen. Er ist das letzte bekannte Exemplar seiner Art, weshalb die Forscher befürchten, dass sie mit ihm zusammen aussterben könnte.

„Ich bin im wahrsten Sinne der Letzte meiner Art“, kann man auf dem Profil lesen.

In Zusammenarbeit mit der Global Wildlife Conservation will das Museum genügend Spenden sammeln, um Biologen auf die Suche nach einem Partner für Romeo zu schicken. Der einsame Frosch wurde vor zehn Jahren gefangen und wartet seither auf Gesellschaft.

SAMENSPENDER FÜR SCHILDKRÖTEN

Eine männliche Jangtse-Riesenweichschildkröte (Rafetus swinhoei) im chinesischen Zoo von Suzhou.
Eine männliche Jangtse-Riesenweichschildkröte (Rafetus swinhoei) im chinesischen Zoo von Suzhou.
bild Joel Sartore, National Geographic Photo Ark

Früher gab es viele Jangtse-Riesenweichschildkröten. Ihr Lebensraum fiel allerdings der rasanten Industrialisierung zum Opfer, sodass heute nur noch drei Exemplare bekannt sind.

Aus diesem Grund sucht ein Team aus Wissenschaftlern der Wildlife Conservation Society in Zusammenarbeit mit der National Geographic Society in der chinesischen Provinz Yunnan nach wilden Exemplaren der Art. Aufgrund von Aussagen der Einheimischen vermuten die Forscher, dass es dort ein bis zwei freilebende Schildkröten der bedrohten Art geben könnte.

Falls sie tatsächlich eine weitere Schildkröte finden, hoffen sie, dass sie das Tier mit den anderen bekannten Exemplaren verpaaren können. Bisherige Paarungsversuche blieben leider erfolglos.

PANDAROMANTIK

Ein Großer Panda (Ailuropoda melanoleuca) im Zoo von Atlanta.
Ein Großer Panda (Ailuropoda melanoleuca) im Zoo von Atlanta.
bild Joel Sartore, National Geographic Photo Ark

Insgesamt ist der Große Panda ein Beispiel für eine Erfolgsgeschichte des Artenschutzes. Einst schien das Aussterben der Bären schon sicher, aber mittlerweile erholt sich der Bestand langsam wieder.

Im Gegensatz zu anderen Tieren, die man quasi nur zusammen in einen Raum sperren muss, brauchen Pandas etwas mehr Überredungskunst, um sich zu paaren.

2006 machte ein Zoo in Taiwan Schlagzeilen, weil er den Tieren „Pandapornos“ zeigte. Die beiden Pandas des Zoos wollten sich nicht so recht paaren, daher hofften die Zooangestellten, dass Videos sich paarender Pandas als eine Art Anleitung dienen könnten.

Tatsächlich ist es für Wissenschaftler schon seit Langem eine echte Herausforderung, Pandas zur Paarung zu überreden – insbesondere, wenn beide Tiere unerfahren sind. Manchmal greift man auf künstliche Befruchtung zurück, wenn sich das Pandapaar partout nicht paaren will.

LETZTE HOFFNUNG FÜR DAS NÖRDLICHE BREITMAULNASHORN

Ein Nördliches Breitmaulnashorn (Ceratotherium simum cottoni) im Dvůr Králové Zoo in Tschechien.
Ein Nördliches Breitmaulnashorn (Ceratotherium simum cottoni) im Dvůr Králové Zoo in Tschechien.
bild Joel Sartore, National Geographic Photo Ark

Die Nashornunterart Ceratotherium simum cottoni braucht schon ein Wunder, um sich noch vor dem Aussterben zu retten.

Die drei letzten bekannten Exemplare, ein Trio aus zwei Weibchen und einem Männchen, werden rund um die Uhr von bewaffneten Wachen beschützt, die sicherstellen, dass die Tiere nicht Opfer von Wilderern werden.

Im November 2017 machte ein Bild auf Twitter die Runde, auf dem das Männchen Sudan auf dem Boden lag. Der Tweet kam von dem Biologen Daniel Schneider, der betonte, dass Sudan das letzte Männchen seiner Art ist. Derzeit leidet der Bulle an einer Infektion, die ihn das Leben kosten könnte.

Es war nicht das erste Mal, dass Sudan die öffentliche Aufmerksamkeit erregte. Im Mai 2017 startete das kenianische Ol Pejeta Conservancy, in dem die Tiere leben, in Kooperation mit Tinder eine Kampagne, um auf das Nashorn aufmerksam zu machen – „den begehrtesten Junggesellen der Welt“.

Das Ziel der Kampagne war es, Geld für neue assistierte Reproduktionstechniken zu sammeln.

Die voraussichtlichen Kosten für so eine Behandlung? Ganze neun Millionen Dollar. Noch wollen sich die Wissenschaftler aber nicht geschlagen geben.

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