Tiere

5 neue Riesensalamander-Arten bestimmt – und alle sind gefährdet

Bislang hatte man angenommen, es gäbe nur eine Art des Chinesischen Riesensalamanders. Das ist falsch – was sich aber bald ändern könnte. Freitag, 1 Juni

Von Elaina Zachos

Der Chinesische Riesensalamander gilt im Gegensatz zu seinen zahlreichen kleinen Verwandten nicht als besonders „niedlich“. Mit einer Länge von bis zu 1,80 Meter und einem Gewicht von bis zu 60 Kilogramm sind diese Lurche die größten Amphibien der Welt. Ihre lidlosen Knopfaugen liegen in breiten, flachen Köpfen mit stumpfen Schnauzen. Ihren schlammfarbenen Körper steuern sie mit kurzen Beinen und einem langen Schwanz durch das Wasser. Auch die schleimige Haut der Tiere lädt nicht gerade zum Streicheln ein.

Mit diesen Merkmalen sind die Amphibien zwar nicht so charismatisch wie Pandas und andere pelzige Tiere, allerdings sind sie deshalb nicht weniger wichtig für die Gesundheit ihres Ökosystems. In zwei kürzlich veröffentlichen Studien legten Wissenschaftler nun dar, dass es sich nicht – wie bisher abgenommen – um eine einzige Tierart handelt. Stattdessen gibt es etwa ein halbes Dutzend unterschiedlicher Chinesischer Riesensalamander.

„Es hat uns nicht überrascht, zwei oder drei [Arten] zu finden“, sagt Bob Murphy, der Chefkurator für Herpetologie am Centre for Biodiversity and Conservation Biology des Royal Ontario Museum. Er hat eine der beiden aktuellen Studien zu dem Thema verfasst. „[Aber] es hat uns überrascht, wie groß die Artenvielfalt war. Mindestens fünf und bis zu acht Arten – das war ein ziemlicher Schock.“

Allerdings könnte der Mensch einige dieser Arten bereits an den Rand der Ausrottung getrieben haben. In ihrem natürlichen Lebensraum in den steinigen Bergflüssen und Seen Chinas werden die gefährdeten Salamander durch Wilderei und menschliches Eingreifen bedroht.

„Ich denke, das größere Problem ist es, die Vorstellung davon zu ändern, welche Schutzmaßnahmen für diese symbolträchtigen Tiere nötig sind“, sagt Murphy.

JAHRZEHNTE DER FORSCHUNG

Chinesische Riesensalamander sind in der freien Natur selten, werden allerdings auf Farmen gezüchtet und als Luxus-Delikatesse verkauft. Ein knapp zwei Kilogramm schwerer Salamander kann auf manchen Märkten bis zu 1.500 Dollar einbringen. Das Fleisch der Tiere landet dann in Suppen, Eintöpfen und anderen Gerichten.

Bislang hat das Chinesische Landwirtschaftsministerium im Zuge von Artenschutzbemühungen die Farmer aufgefordert, einen Teil ihrer Salamander in die Wildnis zu entlassen. In den letzten zehn Jahren wurden auf diese Weise 72.000 Tiere freigelassen.

Diese Methode sei Experten zufolge jedoch mangelhaft. Wenn die Farmer die in Gefangenschaft gezüchteten Exemplare auswildern, wurden die Tiere vorher nicht auf mögliche Krankheiten oder ihr Erbgut untersucht. Sie können sich in der Wildnis mit Salamandern anderer Arten paaren und der so entstehende Nachwuchs könnte eine zu große genetische Variation aufweisen. Eine derartige Vielfalt könnte den Arten schaden.

„Das System beginnt zusammenzubrechen und am Ende hat man langsamere Entwicklungsraten und einen Haufen ineffektiver Salamander, was zu einem Populationsschwund führen kann“, so Murphy. „Wenn das alles zusammenkommt, dann sind die Salamander verloren.“

Die Studien, die zu dieser Erkenntnis führten, begannen vor mehr als zwanzig Jahren mit finanzieller Unterstützung der National Geographic Society. Zwischendurch verliefen sie im Sande, wurden aber 2007 wiederaufgenommen, als Forscher mit neuer Technologie zurückkehrten, wie Murphy sagt. Mithilfe fortschrittlicher Werkzeuge zur Genanalyse entdeckten sie, dass es mindestens fünf Arten von Chinesischen Riesensalamandern gibt – und eventuell sogar bis zu acht.

„1992 war die Situation in China noch ganz anders. Es war schwer, ohne Genehmigungen Feldforschung zu betreiben“, so Murphy. „Wir hatten nicht besonders viele Proben und die Gentechnik war im Vergleich zu heute recht primitiv.“

SCHUTZ DURCH BILDUNG

Sollte die Artenschutzmaßnahme der Regierung weiterhin durchgeführt werden, sodass nicht untersuchte Salamander in die freie Natur gelangen, könnten die verschiedenen Arten des Chinesischen Riesensalamanders in 10 bis 20 Jahren zu einer einzigen Art verschmolzen sein, warnt Murphy.

„Das sind gigantische Salamander“, sagt er. „Ein so großes Tier spielt innerhalb eines Ökosystems eine wichtige Rolle, und wir wissen nicht, welche Auswirkungen sein letztendliches Verschwinden haben könnte.“

Murphy zufolge könnte der Artenschutz damit beginnen, Schulkinder darüber aufzuklären, wie wichtig die Rettung von Tierarten wie dem Chinesischen Riesensalamander ist. Es sei schwer, die Meinung von Erwachsenen zu ändern, fügte er an. Kindern den Wert von Artenschutz beizubringen, könnte hingegen eine langfristige Wirkung erzielen.

„Er ist nicht so süß [wie der Panda]“, so Murphy, „aber sein Schutz muss höchste Priorität haben, damit die Wilderei gestoppt werden kann.“

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