Tiere

Gartenschläfer: Dramatischer Bestandsrückgang gibt Rätsel auf

Die Winterschlafzeit ist vorbei. Doch der Gartenschläfer, einst in weiten Teilen Deutschlands verbreitet, bleibt vielerorts verschwunden. Ein Forschungsprogramm soll Antworten liefern. Thursday, April 4

Von Jens Voss

Der kleine Nager mit der unverkennbaren „Zorro-Maske“ gibt Wissenschaft und Naturschutz große Rätsel auf. In vielen Regionen Europas und Deutschlands gebe es dramatische Bestandseinbrüche, stellt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) mit Besorgnis fest. In den vergangenen 30 Jahren sei das Verbreitungsgebiet des Gartenschläfers um mehr als die Hälfte geschrumpft. Warum, sei noch völlig unklar. Um dem rätselhaften Verschwinden auf den Grund zu gehen, haben BUND, die Justus-Liebig-Universität Gießen und die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung das dreijährige Forschungsprojekt „Spurensuche Gartenschläfer“ ins Leben gerufen.

„Das Verschwinden der Gartenschläfer ist wirklich besorgniserregend“, erklärt Sven Büchner, Biologe an der Justus-Liebig-Universität Gießen und Gartenschläfer-Experte des BUND. „Das Tempo und die räumliche Dimension seiner Bestandsrückgänge ist beispiellos in der Tierwelt in Deutschland. Deshalb starten wir jetzt eine breite Untersuchung, um endlich Antworten darauf zu finden.“ In die Gartenschläfer-Forschung sollen alle denkbaren Einflussfaktoren einbezogen werden: Nahrungsgewohnheiten und -angebote, Lebensraumansprüche und Klima, genetische Strukturen, Krankheiten und Parasiten, Fressfeinde und Prädatoren und vieles mehr. Geforscht werde in einigen beispielhaften Regionen Deutschlands, in denen die Schlafmaus heimisch sei.

Massive Rückgänge sogar in Naturschutzgebieten

„Wir untersuchen sowohl die Gartenschläfer in der Innenstadt Wiesbadens und am Stadtrand von Bonn als auch die Bestände in den Hochlagen der Mittelgebirge, etwa auf dem Brocken im Harz“, erläutert Büchner. „Wir hoffen, damit herauszufinden, warum die Populationen im Südwesten Deutschlands noch relativ stabil erscheinen, während der Gartenschläfer in Mittel- und Ostdeutschland sogar in Naturschutzgebieten massiv zurückgeht.“

Der Gartenschläfer, ein kleiner Verwandter des Siebenschläfers, sei eine sogenannte Verantwortungsart. „Ein großer Teil seines Verbreitungsgebietes liegt hier, so dass Deutschland für die Erhaltung dieser Art in hohem Maße verantwortlich ist“, so Büchner. „Die Erforschung des Verschwindens des Gartenschläfers ist damit Teil der nationalen Anstrengungen für den Schutz der biologischen Vielfalt in Deutschland.“ Das Projekt wird vom Bundesamt für Naturschutz mit finanzieller Unterstützung des Bundesumweltministeriums gefördert.

Der BUND ruft dazu auf, Gartenschläfer-Sichtungen über www.gartenschlaefer.de zu melden.

Jens Voss

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