Smarte Vögel: Wie intelligent sind eigentlich Pinguine?

Im schicken Frack und mit Watschelgang erobern Pinguine Herzen, aber ihre kognitiven Leistungen beeindrucken noch mehr.Freitag, 26. April 2019

Dass Pinguine eine Menge Charisma haben, daran zweifelt wohl niemand.

Mit ihrem auffälligen Äußeren und ihrem sympathischen Watschelgang sind sie bei Wildtierfotografen und Internetnutzern gleichermaßen beliebt. Spätestens seit Filmen wie „Die Reise der Pinguine“ und „Madagaskar“ haben sie eine weltweit wachsende Fangemeinde.

Obwohl sie so populär sind, wissen die meisten Menschen trotzdem recht wenig über sie. Vor allem ihre Intelligenz steht selten im Vordergrund – sind die schwarzweißen Vögel beispielsweise genauso clever wie Rabenvögel? 

Pinguinschläue

Intelligenz hängt nicht nur davon ab, wie clever ein Lebewesen ist, erklärt David Powell, der Forschungsleiter am St. Louis Zoo in den USA. Wenn man die Intelligenz bewerten will, sei es deshalb wichtig, solche Fähigkeiten zu testen, die „für das Tier tatsächlich von Bedeutung sind“, beispielsweise bei der Jagd oder der Orientierung.

Die geistigen Kapazitäten von Pinguinen sind mitnichten so gut erforscht wie die von Papageien oder Corviden (zu denen auch Krähen, Raben und Elstern gehören), die seit Jahren wissenschaftlich untersucht werden, sagt Anne Tieber, die Vogelkuratorin des St. Louis Zoo. Ihre Intelligenz sei in vielerlei Hinsicht aber mit der von Corviden vergleichbar.

Pinguine agieren bei der Jagd zum Beispiel kooperativ, ebenso wie Wüstenraben. Brillenpinguine, die an der Südspitze Afrikas heimisch sind, arbeiten beim Fischfang zusammen: Wie Hütehunde umkreisen sie im Wasser einen Schwarm und treiben ihn gen Oberfläche, wo sie sich einzelne Fische leichter schnappen können. Diese Methode ist fast dreimal so effektiv wie eine Gruppenjagd auf einen einzigen Fisch, wie eine Studie offenbarte, die in „Royal Society Open Science“ veröffentlicht wurde.

Erstauntes Pinguin-Pärchen entdeckt „Das Selfie“
Erstauntes Pinguin-Pärchen entdeckt „Das Selfie“
Ein neugieriges Pinguinpärchen fotobombt eine Kamera, die auf dem Eis bei ihrer Kolonie in der Nähe der Mawson-Station in der Antarktis zurückgelassen worden war. Der Kaiserpinguin ist mit durchschnittlich 1,20m die größte Pinguinart der Welt.

Koordinierte Jagdtaktiken setzen aber eine „schnelle Informationsverarbeitung“ voraus, sagt Powell. Dabei müssen rasante Bewegungsänderungen und Signale von anderen Artgenossen berücksichtigt werden. Zudem müssen die Pinguine „abschätzen, wohin sich die Fische bewegen werden und wie man sie dann am besten erwischt“.

Meister-Navigatoren

Genau wie Krähen, die sich noch nach Jahren an bestimmte menschliche Gesichter erinnern können, haben auch viele Pinguinarten ein bemerkenswert gutes Gedächtnis.

Viele Pinguine, darunter auch die Adelie- und Zügelpinguine, kehren jedes Jahr zum selben Nistplatz zurück, den sie inmitten einer Kolonie mit teils mehreren Tausend Pinguinen wiederfinden. Für so eine Leistung braucht es sowohl ein gutes Gedächtnis als auch eine gute Orientierung, erklärt Powell.

Schon im Alter von zehn Monaten können junge Königspinguine ihren ein Quadratmeter großen Platz in einer riesigen Kolonie aus 500 Metern Entfernung wiederfinden. Die Vögel nutzen visuelle Orientierungspunkte wie Seen und Hügel sowie die Geräusche der Kolonie, um nach Hause zu finden.

Königspinguine, die während der Paarungszeit monogam sind, erkennen den Ruf ihres Partners selbst inmitten der hunderten Pinguinstimmen ihrer Kolonie.

Diese Fähigkeit, aus störenden Geräuschen das herauszufiltern, was gerade wichtig ist, teilen sich mindestens drei Pinguinarten mit dem Menschen. Dieses Phänomen des selektiven Hörens wird auch als Cocktailparty-Effekt bezeichnet – die meisten von uns haben wohl schon mal erlebt, dass sie die Stimmen ihrer Freunde selbst auf einer lauten Party aus der Geräuschkulisse herausfiltern können.

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

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