Tiere

Fotostrecke: Seltene afrikanische Fledermäuse

Hier geht es zur Galerie des National Geographic Society/Waitt-Stipendianten Michael Curran mit Bildern seltener afrikanischer Fledermäuse.

Von National Geographic
Die Blasius-Hufeisennase (Rhinolophus blasii) ist eine Fledermausart, die auf dem im nördlichen Teil von Mosambik gelegenen Mount Mabu vorkommt. Wir haben 13 Nächte damit verbracht, in einem bemerkenswert intakten Gebirgsregenwald Proben zu sammeln. Auch wenn wir mit dem Einfangen nur wenig erfolgreich waren, konnten wir in diesem Wald eine sehr artenreiche, aber dennoch ausgeglichene Fledermausgemeinschaft registrieren. In einigen Gebieten Westafrikas haben wir in intakten naturbelassenen Lebensräumen ähnliche Beobachtungen gemacht: Die Gemeinschaften sind zwar nicht sehr groß, dafür aber äußerst artenreich.
Diese Fledermaus war eine der letzten, die uns in einer arbeitsreichen Nacht bei der Probennahme unweit eines Staudamms inmitten einer bewaldeten Schlucht auf dem Mulanje-Massiv in Malawi ins Netz gegangen ist. Die Fledermausart der Blasius-Hufeisennase (Rhinolophus blasii) kommt häufig vor und machte ungefähr 70 Prozent der von uns gefangenen Fledermäuse in diesem Gebiet aus.
Diese Fledermaus gehört der Gattung der Langflügelfledermäuse (Miniopterus) an. Einer molekularbiologischen Studie zufolge, bei der auch Proben aus unserer Arbeit untersucht wurden, scheinen auf nahezu allen bedeutenden Gebirgsketten Afrikas endemische Arten dieser speziellen Fledermausfamilie vertreten zu sein. Dabei lassen sie sich äußerlich kaum unterscheiden. Dieser hohe Grad an „kryptischer“ Artenvielfalt hat einen berühmten Wissenschaftler dazu veranlasst, die Fledermausfamilie als Afrikas „Buntbarsch der Lüfte“ zu bezeichnen.
Eine weitere Art der Hufeisennase namens Rhinolophus simulator. Auch wenn sie in puncto Größe und allgemeinem Erscheinungsbild der R. blasii stark ähneln, weicht die Anatomie der Nase, also des Hufeisens, ab. Außerdem haben ihre Rufe bei der Echoortung eine andere Frequenz. Interessanterweise fanden wir auf dem Mulanje-Massiv die eine Art häufig und die andere selten, während es in Tieflandwäldern umgekehrt war. Grund könnten der Wettbewerb um Futternischen und Schlafplätze oder Unterschiede in ihrer Lebensgeschichte sein. Dieses Exemplar ist rostorange. Es gibt aber auch Fledermäuse der gleichen Art, die matt braun gefärbt sind.
Die Myotis tricolor ist eine in den Savannen Afrikas weit verbreitete Fledermausart. Der Name bezieht sich auf die drei Farben, die in jedem einzelnen Haar vertreten sind – der dunkle Wurzelbereich geht in eine cremefarbene Mitte über und endet in einem wunderschönen rostigen Orange. Durch den geöffneten Mund sind hinter den Zahnreihen die zwei Drüsen in den Backen gut zu erkennen. Bei anderen Fledermausarten wurde beobachtet, dass die Männchen ihr Territorium an der Höhlenwand markieren, indem sie diese Drüsen an die Felswand reiben.
Hier ist eine ausgewachsene Wollfledermaus (Kerivoula lanosa) zu sehen. Sie wiegt nur vier bis fünf Gramm und fühlt sich in dicht bewaldeten Umgebungen am wohlsten. In Australien wurden Exemplare dieser Gattung beobachtet, die sich fast ausschließlich von Spinnen ernährten. Diese lesen sie aus Netzen auf, die über schmalen Waldpfaden oder zwischen dem Laubwerk gespannt sind. Die Bezeichnung „Wollfledermaus“ gründet sich auf den eleganten Pelz, der bei dieser Fledermausart mit langen weißen Härchen durchsetzt ist.
Auch diese Fledermausart gehört der Gattung der Langflügelfledermäuse (Miniopterus) an. Diese Spezies ist unabhängig von der zuvor gezeigten dunkleren Langflügelfledermaus. Sie ist in der Regel etwas größer und hat ein helleres Fell.
Dies ist eine dritte Art, die zu den Langflügelfledermäusen gehört. In ihrer Größe gleicht sie der ersten, dafür ist der Schädel etwas länger, und das Haarkleid ist nicht dunkelgrau, sondern satt dunkelbraun gefärbt. Wir haben dieses Exemplar gefangen, als wir die Mulanje-Zypressen nach Proben absuchten. Diese einheimische Baumart ist sowohl das Wahrzeichen als auch der Namensgeber des Mulanje-Massivs. Leider ist sie vom Aussterben bedroht, da die Bäume trotz Verbot weiter illegal gefällt werden und der geplante Abbau von Bauxit große Flächen des verbleibenden Waldes zerstören wird.
Diese seltene Fledermausart wird als Myotis welwitschii bezeichnet. Dieser Fang war ein wahrer Glücksgriff, weil es zu dieser Art nur wenige Aufzeichnungen über den Kontinent verteilt gibt. Es wird davon ausgegangen, dass sie auch, aber nicht ausschließlich in Bergregionen vorkommt. Möglicherweise migriert sie saisonal in unterschiedliche Höhenlagen. Ihre Flügel sind leuchtend rot und mit schwarzen Punkten und Flecke übersät.
Dies ist eine weitere Rhinolophus-simulator-Art, die in einem Tieflandwald gefangen wurde. Sie weist die gleiche Färbung wie die andere Art auf.
Bei der Rhinolophus clivosus handelt es sich um eine Fledermausart, die größer als R. blasii und R. simulator ist. Sie ist weit verbreitet und kommt häufig vor. Als Allrounder findet sie ihre Nahrung auf offeneren Flächen ebenso wie in bewaldeten Savannen. Zu ihr zählen viele Unterarten, von denen einige höchstwahrscheinlich eigenständige Arten repräsentieren.

DAS PROJEKT

NGS/Waitt-Stipendiant Michael Curran und sein Team dokumentieren, wie wichtig die Wälder von Mosambik und Malawi für die riesige einheimische Fledermaus-Population ist. Unter dem Einsatz von Netzen, speziellen Lebendfallen und akustischer Überwachung (Aufzeichnung der Ultraschallschreie mittels Fledermausdetektoren) hat Curran aufgedeckt, dass ein Großteil der in dieser Region vorkommenden Fledermausartenvielfalt in diesen Wäldern auf sehr kleinem Raum beheimatet ist. Sie besuchten acht Plätze auf insgesamt drei Bergen in Mosambik und Malawi, wo sie insgesamt 245 Fledermäuse fingen. Darunter befanden sich ca. 27 verschiedene Arten.

Wei­ter­le­sen