Vulkane: Das Ziegenfrühwarnsystem
Können Ziegen vor Vulkanausbrüchen warnen? Der Wissenschaftler Martin Wikelski arbeitet an einem biologischen Frühwarnsystem.

Einige Stunden ehe der Vulkan Ätna ausbricht, werden die Ziegen in der Umgebung unruhig und suchen Deckung. Auf diese Beobachtung gründete Martin Wikelski, Direktor am Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell und wissenschaftlicher Berater von NATIONAL GEOGRAPHIC DEUTSCHLAND, ein biologisches Frühwarnsystem. Beim Europäischen Patentamt reichte er es unter dem Namen DAMN ein.

Ziegen, wie hier am Hang des Vulcano, könnten in Zukunft bei der Prognose von Vulkanausbrüchen eine wichtige Rolle spielen.
Das ist kein herzhafter englischer Fluch, sondern die Abkürzung für „Disaster Alert Mediation using Nature“ – die Beobachtung der Natur soll auf nahende Katastrophen aufmerksam machen. Um seine Vermutung zu stützen und die Technik zu testen, versah Wikelski Ziegen am Ätna mit GPS-Halsbändern und zeichnete die Aktivität der Tiere mehrere Jahre lang über Satelliten auf. Die Bewegungsmuster sind eindeutig: Die Ziegen waren vor späteren Ausbrüchen schon nervös, lange bevor die Instrumente der Vulkanforscher anschlugen.
Jetzt will der Experte für Tierwanderungen prüfen, ob die Methode „Ziegenfrühwarnsystem“ auch anderswo funktioniert. Demnächst wird an der Internationalen Raumstation ISS eine Antenne montiert, die weltweit die Bewegung von Tieren mit GPS-Sendern registriert.
(NG, Heft 8 / 2014, Seite(n) 30)
