Umwelt

Wissenschaftlicher Klimabericht widerlegt Positionen der Trump-Regierung

Ein vom Weißen Haus bewilligter Regierungsbericht bestätigt, dass die globale Erwärmung von Menschen verursacht wird. Montag, 6 November

Von Stephen Leahy

Glasklar sind die Beweise, dass der Klimawandel echt ist, von Menschen verursacht wird, schneller als vorhergesagt voranschreitet und eine enorme Bedrohung für die USA und den Rest der Welt darstellt. So kann man es im Climate Science Special Report lesen, der am vergangenen Freitag veröffentlicht wurde.

Der 470 Seiten starke Bericht der US-Regierung bewertete die jüngsten wissenschaftlichen Beweise und schloss aus ihnen, dass Stürme, einschließlich Hurrikans, stärker geworden sind, dass heftige Regenfälle in einigen Teilen der USA häufiger zu verzeichnen sind und dass Hitze, Waldbrände und Dürren an Intensität und Häufigkeit zugenommen haben.

Diese Schlussfolgerungen wurden mit einem bisher nie da gewesenen Maß an wissenschaftlicher Gewissheit erreicht. Sie widerlegen restlos die Äußerungen hochrangiger Vertreter der Trump-Regierung über die Ursachen und Auswirkungen des sich verändernden Klimas. 

Das Weiße Haus spielte die Bedeutung des Berichts am Freitag herunter. „Das Klima hat sich verändert und verändert sich immerfort“, sagte Raj Shah, ein Sprecher des Weißen Hauses, in einer Mitteilung.

Im Gegensatz dazu macht der Bericht den Klimawandel direkt an menschlicher Aktivität fest. Er besagt, dass es „keine überzeugende alternative Erklärung“ gibt, die wissenschaftlich gestützt wäre und die Erwärmung erklären würde, die wir im letzten Jahrhundert beobachtet haben.  (Lesenswert: Warum scheint die diesjährige Hurrikansaison besonders verheerend?)

„Diese Periode ist jetzt die wärmste in der Geschichte der modernen Zivilisation“, sagt Katharine Hayhoe von der Texas Tech University, eine Hauptautorin des Berichts.

„Wir wissen schon seit Jahrzehnten, dass die menschliche Aktivität den Planeten erwärmt und dass das potenziell sehr gefährlich sein kann“, sagt Hayhoe. Die Verbrennung fossiler Brennstoffe und die Entwaldung sind zwei der Hauptaktivitäten, welche die globale Erwärmung verursachen. Allein diese Faktoren reichern die Atmosphäre jedes Jahr mit Milliarden Tonnen CO2 an. 

„Fast jedes Jahr erfahren wir, dass die Auswirkungen des Klimawandels schneller und schlimmer als erwartet eintreten“, sagt sie.

Der Climate Science Report, kurz CSSR, ist vom US-Kongress mandatiert und so angelegt, dass der Bericht eine maßgebliche Einschätzung der Wissenschaft des Klimawandels mit einem Fokus auf den USA ist.

„Der CSSR ist außerordentlich gründlich und gut geschrieben“, sagt Kevin Trenberth, ein Atmosphärenwissenschaftler des Nationalen Zentrums für Atmosphärenforschung in Boulder, Colorado. Er nutze die aktuellsten wissenschaftlichen Beweise, um die menschliche Handschrift an jenen Faktoren zu offenbaren, die extreme Wettereignisse fördern. Dazu gehören beispielsweise die heftigeren Regenfälle und die zunehmenden Hitzewellen und Waldbrände, so Trenberth. Er war einer der Wissenschaftler, die den Entwurf des CSSR offiziell überprüft haben.

Der Bericht sah sich unter anderem die jüngsten wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Abschmelzen des Grönländischen und des Antarktischen Eisschilds an. Er schlussfolgerte, dass durch diese Vorgänge der Meeresspiegel bis zum Jahr 2100 um bis zu 2,5 Meter ansteigen könnte. Dieser Anstieg erfolgt allerdings nicht gleichmäßig, sodass die Nordostküste der USA und der Golf von Mexiko wahrscheinlich von höheren Werten als der globale Durchschnitt betroffen wären. Eine andere Studie fand heraus, dass ein Meeresspiegelanstieg von drei Metern das U-Bahn-System von New York und Teile der Stadt nachhaltig überfluten würden. (Lesenswert: Klimawandel: Wenn das Wasser steigt)

Der CSSR bewegt sich mit seinen Schlussfolgerungen wissenschaftlich generell eher auf der konservativen Seite, sagt Hayhoe.

Ein Beispiel für die vorsichtigen Einschätzungen betrifft den Golfstrom: Einige Wissenschaftler glauben, dass dieser Teil des „globalen Förderbandes“, der warmes Wasser von der Karibik nach Norden gen Europa trägt, sich durch den Zufluss von kaltem Süßwasser aus dem schmelzenden Eisschild in Grönland bereits verlangsamt.

Der Bericht schlussfolgert jedoch, dass es noch nicht genug Beweise für eine solche Verlangsamung gibt – hauptsächlich, weil dazu noch nicht genügend geforscht wurde. Sollte sich diese Strömung wirklich verlangsamen, hätte das „dramatische Klimarückkopplungen zur Folge, da das Meer weniger Wärme und CO2 aus der Atmosphäre aufnimmt“. Dem Bericht zufolge würde sich das auf das Klima in Nordamerika und Europa auswirken.

Der Bericht dokumentiert noch ein Dutzend weiterer potenzieller „dramatischer Klimarückkopplungen“. Dazu zählen auch der vollständige Verlust des arktischen Meereises im Sommer, das Auftauen der Permafrostzone der Erde und der Verlust des Grönländischen Eisschilds. Diese Umkipppunkte, oder eher „Umkippelemente“, sind die Hauptaspekte unseres Klimasystems, die selbiges „umkippen“ und in einen neuen Zustand versetzen könnten. Dieser hätte „weitreichende Konsequenzen“, so Hayhoe.

Klimamodelle, die einen Ausblick auf die Zukunft liefern, beziehen diese Umkippelemente größtenteils nicht mit ein. Außerdem ist es unwahrscheinlich, dass sie isoliert voneinander auftreten. Vielmehr würden sie sich wahrscheinlich wie Dominosteine verhalten, sodass ein Ereignis ein weiteres auslöst. Der CSSR weist sogar darauf hin, dass „aus mehreren Teilen bestehende extreme Ereignisse“ wie zum Beispiel heiße und trockene Wetterverhältnisse Hitzewellen, Dürren und Waldbrände auslösen können. Daraus können sich wirtschaftliche und soziale Auswirkungen ergeben, die größer als die Summe ihrer Teile sind.

„Meine größte Sorge sind die lawinenartigen Folgen dieser Ereignisse“, sagt Hayhoe.

Trenberth stimmt zu, dass solche Dinge für gewöhnlich aufeinander aufbauen und oft unerwartete Folgen nach sich ziehen. Darum haben „Wirtschaftswissenschaftler die Auswirkungen des Klimawandels massiv unterschätzt“, sagt er.

Schnellkurs zur globalen Erwärmung

Die Atmosphäre der Erde besteht aus Kohlendioxid (CO2) und anderen Treibhausgasen, Sauerstoff und Stickstoff. Ohne diese Atmosphäre wären die generellen Bedingungen auf der Erdoberfläche eher wie die auf dem Mond. Dort ist es tagsüber glühend heiß (100 °C) und nachts eiskalt (-150 °C). Vor mehr als 150 Jahren konnten Wissenschaftler nachweisen, dass CO2 die Wärme von der Sonne durch den Treibhauseffekt auf der Erde hält und dass durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Öl, Gas und Kohle CO2 freigesetzt wird.

Messungen zeigen, dass sich aktuell 44 Prozent mehr CO2 in der Atmosphäre befindet als vor 150 Jahren, bevor die Nutzung fossiler Brennstoffe intensiviert wurde. Das vermehrte CO2 hat denselben Effekt wie eine zusätzliche warme Decke, wie man sich nachts überlegt, obwohl man es bereits warm und gemütlich hat.

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