Umwelt

Globale Erwärmung und Kälteeinbrüche sind kein Widerspruch

Klima und Wetter sind zwei verschiedene Dinge – deshalb kann man in einer wärmeren Welt auch mit kälteren Wintern rechnen. Freitag, 25 Januar

Von Sarah Gibbens

Im Januar hatten die USA mit einem heftigen Kälteeinbruch zu kämpfen, aber auch im Alpenraum versanken zahlreiche Landstriche im Schnee. Hunderte Menschen wurden von den Schneemassen eingeschlossen, in Österreich kam es gar zu Todesfällen durch Lawinenabgänge. Die Wetterlage in den USA verdanken die Menschen einem Polarwirbelsplit, der kalte Luft aus der Arktis über den Kontinent sandte.

In Zeiten, da der Klimawandel oft im Zusammenhang mit Dürreperioden, Waldbränden und Hitzewellen diskutiert wird, scheinen Blizzards und Kälteeinbrüche fehl am Platz. Für Klimawandelleugner ist das oft die große Chance, um gegen den wissenschaftlichen Konsens anzureden.

Wie kann es denn sein, dass der Winter so kalt ist, wenn es auf der Erde doch angeblich heißer wird?

Dazu muss man zunächst einmal den Unterschied zwischen Klima und Wetter begreifen. Unter dem Begriff Klima versteht man die Durchschnittswerte der Wetterlagen bestimmter Regionen, gemessen über einen langen Zeitraum. Es ist der Unterschied zwischen Europas gemäßigten, mediterranen Regionen und den kalten, arktischen Gebieten Skandinaviens. In jeder dieser Klimazonen gibt es tagtägliche Fluktuationen von Temperatur, Feuchtigkeit, Luftdruck und so weiter. Diese täglichen Unterschiede bezeichnet man als Wetter.

Warum führt Erwärmung mitunter zu Abkühlung?

Der Begriff der globalen Erwärmung beschreibt den Prozess, bei dem sich Treibhausgase in der Erdatmosphäre anreichern und so dafür sorgen, dass weniger Wärme ins All entweichen kann. Dadurch steigt die globale Durchschnittstemperatur. Obwohl diese schleichende Veränderung vielerorts neue Höchsttemperaturen zur Folge hatte, wissen Klimaforscher mittlerweile, dass der atmosphärische Wandel mehr als nur eine Erwärmung nach sich zieht.

Die Wetterextreme werden zunehmen, sowohl in Zahl als auch an Intensität.

Als sich Präsident Trump am 20. Januar auf Twitter angesichts der Kälte in den USA ein bisschen von der „guten alten globalen Erwärmung“ wünschte, erklärte der Physiker Stefan Rahmstorf von der Universität Potsdam, dass Nordamerika zwar gerade kalte, arktische Luft zu spüren bekomme, es im Rest der Welt aber ungewöhnlich warm sei. Außerdem könnte der Polarwirbel, der für den Kälteeinbruch verantwortlich war, zunehmend instabil werden, wie er hinzufügte.

Da mittlerweile mehr arktische Luft nach Süden wandert, könne sich Nordamerika auf härtere Winter einstellen. So zumindest lautet das Fazit einer Studie, die 2017 in „Nature Geoscience“ erschien. Die Autoren entdeckten einen Zusammenhang zwischen den wärmeren Temperaturen in der Arktis und den kälteren Wintern in Nordamerika. Eine andere Studie, die im März letzten Jahres in „Nature Communications“ veröffentlicht wurde, entdeckte denselben Zusammenhang, sagte aber vorher, dass der Nordosten der USA besonders stark betroffen sein würde.

„Die warmen Temperaturen in der Arktis sorgen dafür, dass der Jetstream ein paar wilde Sprünge macht. Wenn er stärker nach Süden ausschlägt, wird auch die kalte Luft weiter nach Süden getragen. Diese Sprünge dauern oft eine Weile an. Deshalb hält sich das Wetter, das wir im Osten der USA haben – egal ob warm oder kalt – oft auch länger“, erklärte die Studienautorin Jennifer Francis in einer Pressemitteilung.

Eine Zukunft zwischen Extremen

Rekordkälte und Blizzards sind aber nicht die einzigen Wetterextreme, mit denen zu rechnen ist.

Die Ost-West-Höhenwinde, die man als Jetstreams bezeichnet, entstehen durch die Temperaturunterschiede zwischen der kalten Arktisluft und der warmen Tropenluft – diese Diskrepanz treibt die Jetstreams an. Wenn sich die arktische Luft erwärmt, werden die Jetstreams langsamer und verhindern, dass normale Wettermuster zirkulieren. Infolgedessen halten Dürren und Überschwemmungen länger an. Eine Studie, die im Oktober in „Science Advances“ erschien, sagte sogar vorher, dass tödlicher Extremwetterereignisse bis zum Jahr 2100 um bis zu 50 Prozent häufiger auftreten könnten.

Wir müssen allerdings nicht bis 2100 warten, um die tödlichen Folgen des Klimawandels zu sehen.

Wissenschaftler haben bereits herausgefunden, dass der Klimawandel zu den tödlichen Waldbränden in Kalifornien und den zerstörerischen Hurrikans beigetragen hat.

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.Zusätzliche Berichterstattung in Deutschland von Stephanie Glasa.

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