Nachhaltig Urlaub machen: 10 entspannte Tipps für Berge und Meer

Knapp die Hälfte aller Deutschen wünscht sich für den Urlaub eine intakte Natur. Das klingt paradox, denn gerade der Tourismus sorgt für erhebliche Umweltbelastungen. Mit diesen 10 Tipps kannst du verantwortungsbewusst Urlaub machen.

Tuesday, September 1, 2020,
Von Anna-Kathrin Hentsch
Nachhaltig Urlaub machen

Auf Reisen darf der Spaß nicht zu kurz kommen. Wichtig ist aber, dass nicht nur der Tourist Freude hat, sondern auch Einheimische, Tiere und Natur.

Bild Atlas Green / Unsplash.com

Wir wollen die Welt entdecken und das geht am besten im Urlaub. Doch wenn wir bei der persönlichen Horizonterweiterung die Umwelt zerstören, gibt es bald nichts mehr zu entdecken. Bei vielen UrlauberInnen hat sich deshalb ein Bewusstsein für nachhaltigen Urlaub gebildet. Das bestätigt auch Marco Giraldo, Geschäftsführer von TourCert, ein gemeinnütziges Unternehmen, das das TourCert Siegel für Nachhaltigkeit und Unternehmensverantwortung im Tourismus verleiht.

„Immer mehr Reisende achten auf ihren ökologischen, ökonomischen und sozialen Fußabdruck. Laut zahlreichen Studien zum Thema Nachhaltiger Tourismus möchte ein Großteil der weltweit befragten Reisenden nachhaltiger reisen. Fast 85% der Deutschen wollen im Urlaub auf die Umwelt achten. Die sichtbaren Spuren des Massentourismus auf die Umwelt lassen über die Hälfte der Befragten ihr eigenes Reiseverhalten allgemein überdenken. Das Potential ist sehr groß, allerdings fehlt es noch an notwendigen Informationen und Angeboten, damit aus dem Wollen ein Handeln wird.“

Ein guter Anfang: 10 Tipps für einen verantwortungsbewussten Urlaub

 

Entfernung und Reisedauer:

Um dem Klimawandel entgegenwirken „sollten Reisende auf jeden Fall darauf achten, dass die Entfernung zum Urlaubsort in einem angemessenen Verhältnis zur Reisedauer steht“, so Giraldo. „Die Faustregel lautet: Soweit möglich Kurzstreckenflüge unter 700 km vermeiden. Reisen mit Langstreckenflügen über 2000 km sollten mindestens 14 Tage dauern. Und ganz allgemein: Je weiter weg, desto länger vor Ort.“ Auch am Urlaubsort sollen möglichst umweltfreundliche Transportmittel für Ausflüge und Transfer genutzt werden, z.B. Bus, Bahn oder auch mal das Fahrrad.

Ressourcen schonen

Touristen können durch ihr Verhalten helfen, erklärt Marco Giraldo, „ indem sie z.B. nicht zu lange duschen und Handtücher mehrfach verwenden, um zusätzliche Waschladungen zu vermeiden. Genau wie zuhause sollten Reisende auch im Urlaub an den unnötiger Verbrauch von Energie denken: Bei längerer Abwesenheit die Klimaanlage und andere elektronische Geräte ausschalten und das Licht löschen.

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Lebensmittel retten

Lebensmittelverschwendung ist ein globales Problem. „Nach aktuellen Schätzungen werden jährlich rund ein Drittel der Lebensmittel weltweit vernichtet. Alleine in Deutschland entstehen rund 200.000 Tonnen Lebensmittelabfälle pro Jahr in Hotels. Davon wäre ein Großteil vermeidbar – von Seiten der Anbieter aber auch der Kunden. Es ist also sinnvoll, nur so viel zu nehmen wie man auch essen kann, oder noch besser, Buffets zu vermeiden“, erklärt der Experte. Zudem sollte man regionale, ökologisch produzierte Lebensmittel bevorzugen und den Anteil tierischer Produkte verringern, um die Umweltbilanz zu verbessern.

Kultur schätzen und schützen

Wer Urlaub macht kann fremde Kulturen erleben und gleichzeitig Arbeitsplätze sichern. Laut dem Geschäftsführer von TourCert „sollten TouristInnen sich unbedingt vor dem Urlaub mit dem Reiseziel vertraut machen, etwas über Kultur, Mentalität, Geschichte und politische Gegebenheiten lernen – und auch ein paar Floskeln in der Landessprache sind immer nützlich und zeigen Interesse und Respekt. Begegnen Sie den Menschen des Gastlandes auf Augenhöhe und seien Sie offen und neugierig. Die Sympathiemagazine vom Studienkreis für Tourismus & Entwicklung bieten zum Beispiel eine wunderbare Vorbereitung.“ Ein wichtiger Beitrag von Reisenden ist auch, ihr Geld achtsam auszugeben, in lokalen Geschäften einzukaufen, in regionalen Restaurants zu essen und somit die einheimische Wirtschaft und Bevölkerung zu unterstützen. Dazu gehört, wenn üblich vor Ort einheimischen Angestellten Trinkgeld zu geben – denn nur so profitieren sie direkt davon, ihr Lohn ist oft sehr gering.

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Zertifizierte Angebote nutzen

Das Umweltbundesamt empfiehlt bei der Reiseplanung auf Umweltzertifikate und Labels zu achten, um Angebote mit verbindlichen Umwelt- und Sozialstandards zu bevorzugen „Nachhaltige Tourismusunternehmen und Reiseziele bieten Orientierung. Insbesondere kleine Reiseveranstalter sind bereits nachhaltig aufgestellt bzw. profitieren von entsprechenden Erkennungszeichen. Im nachhaltigen Tourismus haben sich einige Gütesiegel etabliert, wie bspw. das TourCert Siegel. Es macht nachhaltige Unternehmen und Destinationen sichtbar und hilft, bei entsprechender Nutzung, auch dem Reisenden bei der Kaufentscheidung“, so Marco Giraldo. Um sich im Labeldschungel eine Übersicht über alle relevanten Zertifikate zu verschaffen, hilft der Labelguide.

CO2-Ausgleich

Besser als Nichts – für den Experten ist „die CO2 Kompensation ein adäquates Mittel, um nicht vermeidbare Emissionen auszugleichen. Allerdings macht die Kompensation nur Sinn, wenn zuvor a) Emissionen möglichst vermieden wurden oder b) Emissionen möglichst geringgehalten wurden. Die Kompensation ist gut – aber nur als Ultima Ratio“.

Reisegepäck reduzieren

Viele Dinge wie z.B. Babybetten oder Sportausrüstungen kann man problemlos vor Ort ausleihen. Dadurch werden Platzbedarf und Gewicht beim Transport reduziert, Emissionen verringert und lokale Angebote unterstützt.

Insbesondere an Orten, wo die Müllabfuhr nicht hinkommt, sollten Reisende ihren Abfall wieder mitnehmen. Ein absolutes No-Go: Essensreste und Verpackungen in die Natur werfen.

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Müll vermeiden

Auf Einwegartikel bei Trinkflaschen, Geschirr und Hygieneartikel verzichten ist in einigen Urlaubsländern gar nicht so leicht, trotzdem sollte man es versuchen umzusetzen. Noch wichtiger: Entsorge deinen (Verpackungs-)müll richtig. Viele Bergregionen klagen inzwischen über Müllprobleme an Wanderwegen und auf Gipfeln. Am Strand wird herumliegender Müll ins Meer geweht.

Tierschutz

Anstatt Delfinarien zu besuchen und Elefantenreiten zu gehen, sollten TouristInnen lokale Artenschutzprojekte und Naturschutzgebiete besuchen um das Geschäft mit Wildtieren in Gefangenschaft unlukrativ zu machen und stattdessen den Tierschutz unterstützen. Außerdem sollte man Wildtiere niemals füttern und immer ausreichend Abstand zu ihnen halten. Achtung außerdem bei Urlaubsmitbringsel: Erwerben Sie keine Souvenirs aus gefährdeten Tier- und Pflanzenarten und keine geschützten Kulturgüter.

Umweltfreundliche Pflege

Achten Sie beim Kauf von Sonnencreme auf die Inhaltsstoffe. In vielen Sonnencremes steckt Chemie, die nicht auf den Körper, in den Pool oder das Meer gelangen sollte. Mittlerweile gibt es umweltfreundliche Alternativen, die die Flora und Fauna vor Ort schützen.

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