Erderwärmung: Deutschland wird schneller heiß als das globale Mittel

1,6 Grad Celsius wärmer in nur 140 Jahren: Die Temperaturen hierzulande steigen stärker als im globalen Durchschnitt. Der Deutsche Wetterdienst warnt vor einer deutlichen Zunahme von Extremwetterereignissen.

Von Lisa Lamm
Veröffentlicht am 30. Sept. 2022, 15:44 MESZ
Niedrigwasser am Rhein: Eine Boje liegt auf dem Trockenen, im Hintergrund sieht man den Rhein, der ...

Den Folgen der Erderwärmung entkommt auch Deutschland nicht. Durch Dürre verursachte Pegelniedrigstände wie hier am Rhein sind schon lange keine Seltenheit mehr.

Foto von Thomas Bethge / Adobe Stock

Deutschland erwärmt sich stärker als der globale Durchschnitt. Das hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) nun in einem neuen Faktenpapier verdeutlicht, das auf dem Extremwetterkongress 2022 in Hamburg vorgestellt wurde. Die Folgen sind schon jetzt enorm: ausgetrocknete Flüsse, Waldbrände, folgenschwere Überschwemmungen und eine zunehmende Hitzebelastung in den Städten. Extremwetterereignisse nehmen bereits seit Jahren zu – der DWD warnt nun vor einem weiteren Anstieg solcher Ereignisse. 

Dabei verweisen die Forschenden unter anderem auf den Hitzesommer 2022, der in ganz Europa Temperaturrekorde mit sich brachte. Auch Deutschland blieb nicht verschont. „2022 verzeichnete Deutschland den sonnenscheinreichsten, drittwärmsten und fünfttrockensten Sommer in den Aufzeichnungen“, heißt es in einer Pressemitteilung des DWD. Das habe neben den Folgen für Klima und Umwelt zusätzlich Auswirkungen auf gesellschaftliche und ökonomische Bereiche, darunter menschliche Gesundheit, Energie und Verkehr.

Bei der Bekämpfung von Dürre, Hitze und Überschwemmung zähle nun jede noch so kleine Abschwächung des Temperaturanstiegs.

Wissen kompakt: Klimawandel mit Bill Nye

Deutschland wird unaufhaltsam heißer

Dabei scheint die Erwärmung Deutschlands mittlerweile unaufhaltbar. Seit 1962 war jedes Jahrzehnt wärmer als das vorherige, wie man in den Aufzeichnungen des DWD lesen kann. Seit 1992 bricht zusätzlich jede Dekade den Hitzerekord. Zusätzlich ist die Dekade 2012-2021 laut Faktenpapier des DWD „fast zwei Grad wärmer als der Referenzzeitraum 1881-1910.“

Zusätzlich liegt Deutschland mit einer Erwärmung von 1,6 Grad Celcius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit weit über dem globalen Mittel von 1,1 Grad Celcius im selben Zeitraum. Eine Erklärung dafür ist, dass sich Landregionen wie Deutschland generell schneller erwärmen als Meeresregionen. Auch in Deutschland zeigt die Entwicklung der mittleren jährlichen Anzahl von heißen Tagen mit Höchstwerten ab 30 Grad, dass die Küstenregionen um Kiel und Rostock bisher noch die wenigstens Hitzeereignisse zu verzeichnen haben.

Doch auch in Norddeutschland nehmen die heißen Tage zu – vermutlich auch in Zukunft. „Bei ungebremstem Treibhausgasausstoß wird für den Zeitraum 2031-2060 eine weitere Zunahme von fünf bis zehn Tagen im Jahr in Norddeutschland und zehn bis zwanzig heiße Tage in Süddeutschland erwartet“, schreibt der DWD in seinem Faktenpapier.

Düstere Zukunft?

Die Folgen dieser Entwicklungen können wir bereits jetzt beobachten. Die Temperatur in den Städten steigt teilweise auf gesundheitsgefährdende Höhen. Zusätzlich verlängern sich die Trockenperioden und machen Natur, Tierwelt und der Landwirtschaft zu schaffen.

„Wir sind die erste Generation, die die Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels so umfassend wissenschaftlich analysieren kann. Dieses Wissen lässt sich nicht mehr unter den Tisch kehren“, sagt Gerhard Adrian, Präsident des DWD, in seinem Eröffnungswort beim Extremwetterkongress 2022. 

So auch der gesamte Tenor des Kongresses. Denn den Luxus, die Folgen des menschengemachten Klimawandels zu ignorieren, hat die Menschheit nicht, auch in Deutschland. Der Klimawandel müsse endlich ernst genommen werden – mitsamt seinen extremen Folgen. 

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