Wissenschaft

Der mysteriöse blutige Wasserfall der Antarktis

Eine neue Studie hat herausgefunden, was ihm seine einzigartige Farbe verleiht. Donnerstag, 9 November

Von Delaney Chambers

Ursprünglich hatte man angenommen, dass die Färbung der Blood Falls (dt. Blutfälle) auf Rotalgen zurückgeht. Aber eine neue Studie im „Journal of Glaciology“ hat durch Radarscans der Eisschichten, aus denen sich der Wasserfall ergießt, den tatsächlichen Grund für die Farbe herausgefunden.

Die Entdeckung gelang einem Team von Wissenschaftlern, zu dem auch National Geographic Emerging Explorer Erin C. Pitt gehört.

Der Wasserfall, der sich in den Antarktischen Trockentälern befindet, ergießt sich aus dem Taylor-Gletscher. Die Flüssigkeit selbst steigt aus Gletscherspalten auf. Bisher war der Fluss ein Mysterium, da die Durchschnittstemperatur bei -17 °C liegt und an der Oberfläche des Gletschers kaum Tauprozesse beobachtet werden konnten.

Bildgebende Verfahren, die den Bereich unterhalb des Gletschers darstellten, konnten zur Lösung dieses Geheimnisses beitragen: Sie offenbarten ein komplexes Netzwerk aus subglazialen Flüssen und einen subglazialen See. Sie alle bestanden aus besonders salzhaltigem Wasser mit viel Eisen, wodurch der Wasserfall auch seine rötliche Färbung hat.

Laut der Studie erklärt die Zusammensetzung der Sole auch, dass sie fließt, anstatt zu gefrieren.

„Die Sole bleibt in der subglazialen und englazialen Umgebung durch die Bindungswärme flüssig, die durch die Kombination aus Gefrierung und erhöhtem Salzgehalt entsteht“, lautet die Erklärung in der Studie.

EISENHALTIGES SALZWASSER

Der See unter dem Gletscher ist ungewöhnlich salzhaltig. Weil Salzwasser einen geringeren Gefrierpunkt als reines Wasser hat und beim Gefrieren Hitze abgibt, schmilzt es das Eis und die Flüsse können weiter fließen.

Das bedeutet, dass der Gletscher den Fluss des Wassers unterstützt. Er ist außerdem der kälteste bekannte Gletscher der Erde, in und auf dem konstant Wasser fließt – selbst wenn dieses Wasser so voller Eisen ist, dass es wie etwas völlig anderes aussieht.

Die Studie hat auch die Konzentration der eisenhaltigen Sole im Flusswasser gemessen und herausgefunden, dass sie zunahm, je näher die Messungen sich am Wasserfall befanden.

Es wurde auch ein Zusammenhang zwischen der Wassertemperatur und dem Solegehalt festgestellt. Unterschiedlich große Spalten im Gletscher lassen Sole hineinfließen. Dort beginnt die Sole (hier rot dargestellt, um den Eisgehalt zu repräsentieren) zu schmelzen. Die Bindungswärme erwärmt das umliegende Eis und erhöht die Solekonzentration im Zentrum der Spalten.

Delaney Chambers auf Twitter folgen.

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