Wissenschaft

Fragen und Antworten: Wasser im Inneren des Mondes entdeckt

Satellitendaten lassen darauf schließen, dass es in weiten Bereichen unter der Mondoberfläche Wasser gibt und dass Vulkangestein zukünftigen Forschern auf dem Mond als Ressource dienen könnte.Thursday, November 9

Von Hannah Lang

Es gibt anscheinend noch mehr Wasser auf dem Mond, als wir bisher angenommen hatten. Das zumindest legt eine neue Analyse winziger Glasperlen nahe, die bei sehr alten Vulkanausbrüchen auf dem Erdtrabanten entstanden sind.

Die natürlich vorkommenden Glaskügelchen wurden in den 1970ern während der Apollo-Missionen 15 und 17 eingesammelt, die in der Nähe vulkanischer Aktivitätszonen gelandet waren. Die Perlen formten sich, als Magma, das durch die Oberfläche brach, auf eine Weise kristallisierte, dass Wasser darin eingeschlossen wurde.

Die Wissenschaftler konnten sich jedoch nicht sicher sein, ob die Apollo-Proben einzigartig waren oder ob noch anderes vulkanisches Ergussgestein auf dem Mond voll mit Glas war, das Wasser enthielt.

In einer neuen Studie, die am Montag in „Nature Geoscience“ erschien, untersuchten Wissenschaftler die Apollo-Proben erneut und nutzten neue Satellitendaten, um an anderen Stellen auf dem Mond nach den Wasserperlen zu suchen. Sie fanden heraus, dass die entsprechenden vulkanischen Ablagerungen in der Tat weit verbreitet sind. Das lässt darauf schließen, dass unser Mond nasser als bisher angenommen ist.

„Die Tatsache, dass dieses Merkmal im Zusammenhang mit dem Glas steht, sagt uns, dass es durchaus so einiges an Wasser im Inneren des Mondes gab, als sich diese vulkanischen Eruptionen ereigneten“, sagt Anthony Colaprete. Er ist einer der NASA-Wissenschaftler, die die Studie überprüft haben.

Wissenschaftler dachten lange, dass es auf dem Mond kein Wasser gäbe. Neue Studien haben diese Annahme widerlegt.

An dieser Stelle beantworten wir einige generelle Fragen zum Wasser auf dem Mond:

HAT MAN ZUVOR SCHON WASSER AUF DEM MOND GEFUNDEN?

Ja, aber auch erst kürzlich. Wissenschaftler dachten lange, dass der Mond knochentrocken sei. 2008 untersuchten einige Forscher aber die Glasperlen von den Apollo-Proben und entdeckten die ersten bekannten Spuren von Wasser auf dem Mond.

Von diesem Moment an sprudelten immer mehr Entdeckungen zum Wasser des Mondes an die Oberfläche. 2009 ließ die NASA eine Rakete und einen Satelliten in einen Krater auf dem Südpol des Mondes stürzen. Man hoffte, dort noch weitere Beweise für Wasser zu finden. Die Aufschläge erzeugten Signaturen, die mit Eis (aus Wasser) und Hydroxyl assoziiert werden – einem reaktionsfreudigen Molekül aus einem Sauerstoff- und einem Wasserstoffatom.

2010 sahen sich Wissenschaftler anderes Mondgestein an und entdeckten Spuren von Wasser in einem Mineral namens Apatit. Da begannen Geologen dann zu vermuten, dass es versteckte Wasserreservoirs auf dem Mond gibt, eingeschlossen in dessen Gestein. Der Geologe Francis McCubbin gab zu jener Zeit eine Schätzung zur Menge des Wassers im Mondinneren ab: In seiner Gesamtheit würde das Mondwasser einen etwa 90 Zentimeter tiefen Ozean bilden, der die komplette Oberfläche des Mondes bedecken würde.

WAS IST AN DER NEUEN STUDIE ANDERS?

Wir haben zwar bereits einen guten Teil des Oberflächenwassers auf dem Mond verzeichnet, aber wir können nicht sicher sein, wie viel Wasser sich noch im Inneren befindet. Das liegt zum Teil auch daran, dass wir nur sehr wenige Gesteinsproben haben, die aus tieferen Schichten des Mondmantels stammen.

Für ihre Studie wollten Ralph Milliken von der Brown Universität und Shuai Li von der Universität von Hawaii mehr darüber herausfinden, wie viel Wasser es im Mond gibt. Es ist eine der ersten Studien, die diese Frage mit Hilfe von Satellitenkarten der pyroklastischen Ströme zu beantworten versucht.

WIE VIEL WASSER GIBT ES DENN NUN AUF DEM MOND?

Leider ist es schwer zu sagen, wie viel Wasser es genau auf dem Mond gibt, auch wenn die neue Studie vermuten lässt, dass es im Inneren reichlich vorhanden ist.

Studien aus dem Jahr 2011 zeigten, dass die vulkanischen Glaskügelchen ähnlich viel Wasser wie vulkanisches Basaltgestein von der Erde enthielten. Und tief in unserem Planeten gibt es vermutlich mehr Wasser als in all den Ozeanen, Seen und Flüssen auf der Oberfläche zusammen.

Diese Karte zeigt, wo sich die vulkanischen Glasablagerungen auf der Mondoberfläche befinden.

Diese neue Erkenntnis könnte bedeuten, dass sich zumindest in Teilen des Mondmantels ebenso viel Wasser befindet wie im Mantel der Erde.

WAS BEDEUTET DAS FÜR DIE ZUKUNFT?

Obwohl die Glasperlen nur etwa 0,05 Prozent Wasser enthalten, eröffnet ihre schiere Menge verlockende Möglichkeiten für zukünftige Forscher auf dem Mond. Das Eis in den schattigen Polarkratern würde viel schwieriger zu erreichen sein als das wasserhaltige Vulkangestein, das auf dem ganzen Mond verteilt ist. Das bedeutet, dass Mondbesucher dieses Wasser eines Tages extrahieren könnten, anstatt ihr eigenes mitzubringen.

„Das ist im Grunde ziemlich nützlich“, sagt Colaprete, denn diese Ablagerungen können in Zukunft als potenzielle Mondressource berücksichtigt werden.

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