Spuren im Stein: Migration vor 85.000 Jahren

Diese Fußabdrücke prähistorischer Menschen geben neue Hinweise darauf, wie wir Afrika verlassen haben. Sie wurden im ehemals fruchtbaren Grasland des heutigen Saudi-Arabien hinterlassen.Dienstag, 15. Mai 2018

Von Sarah Gibbens
Vor Zehntausenden von Jahren war Saudi-Arabien noch eine blühende Graslandschaft, die von Tieren wie Flusspferden bewohnt wurde.

Zuerst war es nur ein Finger. Jetzt finden in Saudi-Arabien arbeitende Archäologen die Überbleibsel anderer menschlicher Gliedmaßen. Diese deuten darauf hin, dass die Verbreitung des Menschen von Afrika aus schon früher stattgefunden hat als bisher angenommen.

Im Nordwesten des Königreichs Saudi-Arabien wurden nahe der Stadt Tabuk menschliche Fußabdrücke entdeckt. Laut einer Pressemitteilung des Ministry of Culture and Information (Ministerium für Kultur und Information) führen die Spuren in verschiede Richtungen entlang eines ehemaligen Seebetts.

Der Fund wurde vom Vorsitzenden der Saudi Commission for Tourism and National Heritage, Prinz Sultan bin Salman, während seines Besuchs im Nationalmuseum von Tokio bekanntgegeben. Das japanische Museum zeigt im Rahmen einer Sonderausstellung antike saudische Artefakte.

Der Prinz deutete an, dass die Fußabdrücke rund 85.000 Jahre alt sind. Der Archäologe Huw Groucutt hat bereits in dieser Region des Landes gearbeitet und gibt an, dass die Wissenschaftler die Spuren noch immer analysieren und die Veröffentlichung eines entsprechenden Papers im kommenden Monat anstreben.

Nicht zum ersten Mal haben menschliche Spuren den Archäologen Hinweise hinterlassen. Im Jahr 2006 wurden in Australien 700 versteinerte Fußabdrücke gefunden, die 20.000 Jahre alt. Im vergangenen März entdeckte man 13.000 Jahre alte Spuren an der kanadischen Westküste.

Sollten die Forscher nun feststellen, dass der neu gefundene Fußabdruck älter als 80.000 Jahre ist, wäre er etwa zur gleichen Zeit dort hinterlassen worden wie der menschliche Fingerknochen, der in der Nähe eines ehemaligen Sees namens Al Wusta in Saudi-Arabien

Im vergangenen Monat wurde eine Studie zu diesem Fingerknochen veröffentlicht, die belegt, dass er zu einem Menschen gehörte, der vor 88.000 Jahren gelebt hat. Auch er wurde nahe eines vorzeitlichen Süßwassersees gefunden.

Der Fußabdruck liefert einen weiteren Beweis dafür, dass die Arabische Halbinsel ein wichtiger Meilenstein für die Menschen gewesen sein musste, die den afrikanischen Kontinent zum ersten Mal verließen. Die ersten Menschen haben in Ostafrika schon vor rund 200.000 Jahren gelebt, doch bislang nahm man an, dass die Massenmigration erst vor etwa 60.000 Jahren stattfand. Neuere Funde – wie der 180.000 Jahre alte Kieferknochen, der in diesem Jahr in Israel entdeckt worden ist – deuten jedoch auf einen früheren Start hin.

ÄLTESTES MENSCHLICHES FOSSIL AUSSERHALB AFRIKAS IN ISRAEL ENTDECKT

Es ist noch unklar, wie viele Menschen auf die Arabische Halbinsel abgewandert sind. Vor über 80.000 Jahren bestand die riesige Sandlandschaft aus einer üppigen Grassavanne. In dieser Region wurden bereits Zehntausend ehemalige Seen und Knochen von Tieren wie Flusspferden und im Wasser lebenden Säugetieren gefunden.

200 Stellen, an denen es einmal Seen gegeben hat, haben Archäologen bereits untersucht. Bei 80 Prozent dieser Orte wurden archäologische Funde gemacht, gab Michael Petraglia vom Max-Planck-Institut in einem früheren Interview an. Einige Ausgrabungen brachten Fragmente von Steinwerkzeugen hervor.

Archäologen gehen davon aus, dass Saudia-Arabien für das Verständnis urzeitlicher Migration zunehmend an Wichtigkeit gewinnen wird. Das Land hat erst vor kurzem begonnen, Grabungsgenehmigungen an ausländische Wissenschaftler zu vergeben.

Petraglia erklärte außerdem, dass das Team von Archäologen, das im Moment dort tätig ist, bereits Pläne für die Untersuchung weiterer vorzeitlicher Seen hat und danach seine Arbeit in Höhlen ausweiten will.

Sarah Gibbens auf Twitter oder Instagram folgen.

 

Wei­ter­le­sen