Wissenschaft

Aus der Hand des Meisters: Bachs anatomischer Glücksgriff

Ein deutscher Anatom analysierte ein Foto des Komponisten Johann Sebastian Bach – mit überraschendem Ergebnis.Dienstag, 20. August 2019

Von Ines Bellinger
Zu den Fans des barocken Komponisten Johann Sebastian Bach gehörte auch der Wissenschaftler Albert Einstein. In einem Interview mit einer Zeitschrift soll er einst gesagt haben: „Was ich zu Bachs Lebenswerk zu sagen habe: Hören, spielen, lieben, verehren und – das Maul halten!“

Es scheint, als hätte das musikalische Genie von Johann Sebastian Bach (1685-1750) viele Dimensionen gehabt. In seinem Fall könnte eine anatomische Besonderheit zu seiner Virtuosität beigetragen haben. Zu dieser Erkenntnis gelangte jedenfalls der deutsche Anatom und Musiker Prof. Andreas Otte von der Hochschule Offenburg. In einem Artikel, der im „Archiv der Kriminologie“ (Band 242, Heft 3/4, September/Oktober 2018) erschienen ist, erläuterte er, dass der begnadete Orgel- und Cembalospieler eine außergewöhnlich große Reichweite auf der Klaviatur hatte.

Mit Hilfe eines Fotos, das Historikern zufolge wohl das Skelett von Bach zeigt, hat Otte die Größe von dessen linker Hand errechnet: Sie maß 21,5 Zentimeter vom Handgelenk bis zu den Fingerspitzen. Damit hatte er vermutlich eine Reichweite von 26 Zentimetern und konnte laut Ottes Messungen pro Hand einen Abstand von 12 weißen Tasten auf der Klaviatur überbrücken. Eine solche Reichweite ist selbst heutzutage ungewöhnlich, wo Menschen im Schnitt größer sind als zu den Zeiten Bachs.

Bachs mutmaßliches Skelett wurde 1895 von dem Anatom Wilhelm His fotografiert. Andreas Otte untersuchte die linke Hand, da von der rechten zu viele Knochen fehlen.

„Wir können natürlich nicht genau sagen, wie relevant die Reichweite der Hand für die Kunst eines Musikers ist“, so Otte. Und er besteht darauf, dass seine Forschungsergebnisse zu Bachs Händen nicht als Voraussetzung für seine musikalischen Fähigkeiten missverstanden werden. „Das wäre Sakrileg.“

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

Wei­ter­le­sen