Die Chemie muss stimmen: Enge Freundespaare riechen ähnlich

Seelenverwandtschaft oder einfach nur wortwörtlich die passende Chemie? Warum es bei manchen Freundschaften von Anfang an „klick“ macht, hat ein Forschungsteam aus Israel nun herausgefunden.

Wer sich gut riechen kann, versteht sich auf Anhieb. Forschende vom Weizmann Institute of Science in Israel haben nun herausgefunden, dass wortwörtlich die Chemie stimmen muss, damit es mit einer Person "klickt". 

Foto von Liliana Drew / Pexels
Von Marina Weishaupt
Veröffentlicht am 30. Juni 2022, 09:27 MESZ

In der Freundschaft wie in der Liebe – sich gegenseitig gut riechen zu können, ist bei so enger Vertrautheit unabdingbar. Sei es bewusst oder unbewusst, der Geruch des Gegenübers spielt eine große Rolle bei der Bildung von Beziehungen. Dabei kommt es allerdings weniger auf die bevorzugten Duschgele, Seifen oder Parfüms an, sondern auf den unverfälschten Eigengeruch des Körpers. 

Menschen suchen sich ein Gegenüber, dass ihnen selbst ähnelt – und damit auch ähnlich riecht. Neben der Liebe auf den ersten Blick, können Menschen auf Basis ihres Geruchs eine ähnlich innige Verbundenheit auch auf freundschaftlicher Ebene verspüren. Soweit zumindest die Hypothese. Bestätigt wurde die Vermutung nun in einer Studie von Inbal Ravreby, Kobi Snitz und Noam Sobel des Weizmann Institute of Science in Israel, die im Magazin Science Advances erschienen ist.

Wenn die Chemie stimmt

Für ihr Experiment rekrutierten sie in einer halbjährigen Suche über Soziale Medien zwanzig gleichgeschlechtliche Freundespaare, die die Kriterien der Versuchsreihe erfüllten. Die wichtigste Bedingung: Beide Parteien mussten ihre erste Begegnung und den Beginn ihrer Freundschaft gleichermaßen als sogenannten „Klick“ erlebt und die Chemie zwischen den beiden sofort gestimmt haben. 

Von diesen 40 Probandinnen und Probanden wurden Geruchsproben gesammelt. Um ihren Eigengeruch einzufangen, trugen sie über zwei aufeinanderfolgende Nächte hinweg und mindestens sechs Stunden lang dasselbe T-Shirt. Damit dieser Eigengeruch möglichst unverfälscht festgehalten werden konnte, bestanden die Shirts aus reiner Baumwolle und es wurden unparfümierte Seifen für die Tragezeit zur Verfügung gestellt. Auf etwaige Deodorants, Parfüms und Lotionen und Kontakt zu anderen Personen oder Haustieren sollte gänzlich verzichtet werden. Auch Lebensmittel wie Curry, Spargel oder Knoblauch waren für den kurzen Testzeitraum tabu.

Um mögliche chemische Ähnlichkeiten in den Geruchsproben der jeweiligen Freundschaftspaare auszumachen, wurden die T-Shirts anschließend mit Hilfe einer künstlichen Nase analysiert. Die Ergebnisse der empfindlichen Sensoren des Geräts namens PEN3 eNose waren eindeutig: Die Körperdüfte der befreundeten Personen waren sich in ihrer chemischen Zusammensetzung um einiges ähnlicher als zufällig zugeordnete Geruchsproben in Kontrolltests. Bestätigt wurden die Erkenntnisse des künstlichen Riechorgans auch von den menschlichen Nasen, welche die Proben ebenfalls zur Unterscheidung vorgelegt bekamen. 

Können Duftmoleküle Freundschaften vorhersagen?

In darauffolgenden Experimenten gingen die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen noch einen Schritt weiter: Mithilfe von zuvor analysierten Geruchsproben wollten sie testen, ob anschließende positive soziale Interaktionen – also „Klicks“ – vorhergesagt werden können. Die Versuchspersonen durften im Abstand von einem halben Meter während einfachen Kennenlernspielen allerdings nur Körpersprache und keine Informationen durch Sprechen austauschen. Dabei lag die korrekte Identifizierung von direkter Sympathie bei 17 von 22, während das Wissenschaftsteam 30 von 44 Berichte vorhersagte, bei denen die Personen keine direkte Chemie verspürten.

Zudem sei es trotz fehlender wissenschaftlicher Definition für diese Klick-Freundschaften bei einer zusätzlichen Befragung innerhalb der Studie von mehreren hundert Menschen zu bedeutenden Übereinstimmungen der Antworten gekommen. Von „passender Chemie“ oder „Freundschaft, die schnell oder beim ersten Treffen entsteht“ sei hauptsächlich die Rede gewesen. 

Laut Ravreby, Snitz und Sobel empfinden Menschen direkte Sympathie also nicht nur bei ähnlichen Charaktereigenschaften, Hobbys oder Interessen, sondern schon viel früher – über die jeweiligen ausgestoßenen Duftstoffe. Bevor biografische Informationen ausgetauscht werden, kann also bereits feststehen: Diese Person ist mir auf Anhieb sympathisch. Freundschaft auf den ersten Blick – oder Klick – sei laut den Erkenntnissen der Forschenden also ein echtes soziales Ereignis – welches nicht selten stattfindet.

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