Die NASA übt die Entschärfung eines Asteroiden

Üben für den Ernstfall: Um ihn von seiner Bahn abzulenken, kollidiert die NASA-Sonde DART mit einem elf Millionen Kilometer entfernten Asteroiden. Können Einschläge auf der Erde in Zukunft so verhindert werden?

Von Insa Germerott
Veröffentlicht am 26. Sept. 2022, 09:59 MESZ
DART kurz vor dem Einschlag im Doppelasteroid-System Didymos-Dimorphos (Illustration).

DART kurz vor dem Einschlag im Doppelasteroid-System Didymos-Dimorphos (Illustration).

Foto von NASA/Johns Hopkins APL

Sie sorgten vermutlich für die Beschleunigung der Entstehung von Leben auf der Erde, aber gleichzeitig auch für das größte Massensterben auf unserem Planeten: Asteroiden und ihre auf die Erde gelangenden Bruchstücke, die Meteoriden. Die Gesteinsbrocken aus dem All können beim Einschlag auf unseren Planeten verheerende Katastrophen auslösen – und wann es das nächste Mal soweit ist, kann man nur schlecht vorhersagen.

Statistisch gesehen kommt ein solch gravierender Asteroideinschlag wie jener, der vor 66 Millionen Jahren zum Massenaussterben führte, auf der Erde circa alle 50 Millionen Jahre vor. Rund 27.000 Asteroiden konnten von Forschenden bereits in Erdnähe identifiziert werden. Eine akute Bedrohung bestehe momentan zwar nicht, trotzdem übt die NASA schon einmal für den Fall der Fälle. „DART ist die erste Mission überhaupt, die der Untersuchung und Demonstration einer Methode zur Asteroidenabwehr durch die Veränderung von dessen Laufbahn im All gewidmet ist“, erklärt die NASA.

Wissen kompakt: Meteorschauer

DART auf Kurs Richtung Dimorphos

Im November 2021 wurde die NASA-Sonde DART – das steht für Double Asteroid Redirection Test – mit einer Falcon-9-Rakete ins All gebracht. Seitdem machte sie sich bereit für ihren großen Einsatz: der Kollision mit einem Asteroiden. Es ist die erste Mission dieser Art in der Geschichte der Weltraumforschung. In der Nacht vom 26. auf den 27. September war es dann soweit: Um 1:15 Uhr unserer Zeit kollidierte die DART-Sonde erfolgreich mit dem Asteroiden Dimorphos – ein großer Tag für die Weltraumforschung.

Mit etwa 22.000 Kilometern pro Stunde traf DART auf den elf Millionen Kilometer von der Erde entfernten Asteroiden Dimorphos des Doppelasteroid-Systems Didymos-Dimorphos. Er hat einen Durchmesser von 170 Metern und kreist um den größeren Asteroiden Didymos. „Durch den [beim Aufprall] übertragenen ,kinetischen Impuls‘ soll die Bahn dieses Asteroiden um Didymos verändert werden“, erklärt das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR). Durch die Kollision wird Dimorphos also von seinem eigentlichen Kurs abgebracht. 

Kosmischer Crash-Test für den Ernstfall

„Wir gehen davon aus, dass sich die Umlaufzeit von Dimorphos um Didymos durch den Impuls von DART um einige Minuten verändert“, sagt Stephan Ulamec vom DLR-Nutzerzentrum für Weltraumexperimente (MUSC) in Köln. Etwa einen halben Millimeter pro Sekunde wird sich die Geschwindigkeit des Asteroiden ändern. Aus diesem Grund wird seine Umlaufbahn nach dem Aufprall ein wenig von seiner jetzigen abweichen.

Beim Aufprall auf Dimorphos wurde die Raumsonde DART zerstört. Bis zu ihrem Crash sendete sie allerdings Bilder zur Erde, die live übertragen wurden. „Noch nie habe ich mich so darüber gefreut, ein Signal zu verlieren und dass ein Bild verschwindet“, sagt Ralph Semmel, Direktor des Applied Physics Laboratory der John Hopkins University.

Dimorphos von der DART-Sonde aus, 11 Sekunden vor dem Crash. 

Foto von NASA/Johns Hopkins APL

 „DART ist erst der Anfang. Es ist die erste Testmission zur Planetenverteidigung. Sie war spektakulär. Und nun werden wir herausfinden, wie effektiv sie war“, sagt Nancy Chabot, Koordinationsleiterin der DART-Mission. Zu diesem Zweck verfolgten auch zwei Kleinsatelliten den Aufprall. Sie sind vor, während und nach dem Einschlag im Einsatz, um Daten und Bilder zur Erde zu übermitteln, die im Rahmen des zweiten Teils der Mission ausgewertet werden. Im Oktober 2024 beginnt der zweite Teil mit dem Start der europäischen HERA-Sonde von der ESA. Sie soll den Einschlagkrater und die Folgen des Impakts genauer untersuchen.

Nützlich könnten die Ergebnisse dieses Testlaufs für einen möglichen Ernstfall werden: Sollte ein Asteroid der Erde zu nah kommen, könnten Raumsonden wie DART in Zukunft helfen, dessen Umlaufbahn frühzeitig zu ändern und so einen Einschlag auf der Erde mit katastrophalen Folgen wie gewaltigen Druckwellen oder Tsunamis zu verhindern. 

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