Wissenschaft

Der Mars – bald eine Reise wert?

Mit einem künstlich erzeugten Treibhauseffekt könnte man den Mars begrünen. Heißt das, dass wir den Roten Planeten „terraformen“ können – ihn also zu einer zweiten Erde für uns machen? Und falls ja: Sollten wir es tun?

Von National Geographic

Ist ein Umzug auf den Mars bald möglich?

Könnten wir den Mars „terraformen“? Die Antwort lautet: Wahrscheinlich wäre es zu schaffen. Wir wissen heute, dass es auf dem Mars einst wärmer war als heute. Es muss Flüsse und große Seen gegeben haben. Aus eigener Erfahrung wissen wir nun auch, wie man einen kühlen Planeten aufheizt: Indem man genug Treibhausgase in seine Atmosphäre bläst. Ein großer Teil des Kohlendioxids (CO2), das den Roten Planeten früher wärmte, ist wohl noch vorhanden – gebunden in den Eiskappen der Pole und im Boden. Gefrorenes Wasser wurde ebenfalls nachgewiesen. Technisch ist es also machbar, dort wieder Pflanzen wachsen zu lassen. Braucht man nur noch viel Zeit und Geld.

„Den größten Teil der Arbeit“, sagt der Nasa-Planetenforscher Chris McKay, „wird das Leben selber erledigen. Wir müssen nur die Temperatur ein wenig erhöhen und ein paar Samen ausstreuen.“ Um den Prozess in Gang zu setzen, kann man aus der Marsoberfläche Perfluorkohlenstoffe (PFC) gewinnen. PFC sind wirksame Treibhausgase. Sobald sich die Atmosphäre aufheizt, wird gefrorenes CO2 aus den Böden frei. Ein sich verstärkender Treibhauseffekt entsteht. Der Luftdruck steigt, irgendwann fließt auch wieder Wasser. Menschliche Pioniere können die Felsen mit Bakterien und Flechten „impfen“, die auf der Erde in der Antarktis gedeihen. Später bringt man Moose aus, dann Bäume. Die Pflanzen reichern die Atmosphäre mit Sauerstoff an, doch bis wir sie atmen können, werden viele tausend Jahre vergehen.

Robert Zubrin, der Präsident einer Organisation zur Besiedlung des Mars, träumt schon von Städten, aber der Nasa-Mann Chris McKay sieht die Aussichten nüchterner: „Wir werden auf dem Mars leben wie die Forscher heute in der Antarktis“ – in kleinen Stationen also, ohne viel Komfort. Doch aus den Erfahrungen bei der Umgestaltung des Mars könnten wir viel lernen, um künftig die Erde besser zu bewahren, meint er. Das sind freilich noch Gedankenspiele. Zunächst will die Nasa wieder auf dem Mond landen, oder auf einem Asteroiden. Doch selbst dafür fehlt es an Geld. Was es kosten würde, den Roten Planeten zu begrünen, ist noch nicht einmal geschätzt.

Der Zeitplan für eine potentielle Besiedelung:

Ankunft:Das 1000-Jahres-Projekt könnte mit einer Reihe von 18-monatigen Expeditionen beginnen. Jedes Team installiert nach seinem sechs Monate dauernden Flug zum Mars eine kleine Wohneinheit.

100 Jahre: die Atmosphäre wird dichter, wenn man das an den Polkappen gebundene CO2 freisetzt. Um den Prozess zu starten, erzeugen Fabriken Treibhausgase; auch mit Spiegeln konzentriertes Sonnenlicht könnte Eis auftauen.

200 Jahre: Regen fällt und Wasser fließt, sobald ausreichend CO2 in der Atmosphäre die mittlere Temperatur über den Gefrierpunkt angehoben hat. Bakterien, Algen und Flechten beginnen, die steinige Wüste zu besiedeln.

600 Jahre: Blütenpflanzen werden ausgebracht, sobald Mikroben eine Bodendecke geschaffen und genug Sauerstoff produziert haben. Schließlich könnten irdische Bäume aus nördlichen Breiten Wurzeln schlagen.

900 Jahre:Energie für wachsende Städte wird anfangs von Atomkraftwerken und Windkraftanlagen produziert. Auf lange Sicht wären die besten Stromlieferanten wohl Fusionsreaktoren – falls sie je gebaut werden können.

1000 Jahre: Marsbewohner können nur mit Atemgeräten ins Freie, weil der Sauerstoffgehalt der Luft sehr langsam steigt. Auf lange Sicht wird der Mars seine Atmosphäre auch wieder verlieren und erneut abkühlen.