132 Jahre alte deutsche Flaschenpost in Australien gefunden

Die derzeit älteste Flaschenpost der Welt war Teil eines deutschen Experiments.Donnerstag, 8. März 2018

Am 21. Januar fuhr die Familie Illman mit ein paar Freunden über einen Strand nördlich von Wedge Island an der westaustralischen Küste. Als das Auto im Sand stecken blieb, beschlossen Tonya Illman und ihre Freundin Grace Ricciardo, einen Spaziergang zu machen.

Auf dem Rückweg zum Auto sammelten sie Müll auf. Illman hob eine bräunliche Flasche mit einem Schriftzug auf, weil sie fand, dass sie gut in ihr Bücherregal passen würde. 

Zurück im Auto gab Illmann die seltsame Flasche der Freundin ihres Sohnes, Bree Del Borrello, damit sie ihrem Mann helfen konnte, das Auto aus dem weichen Sand zu schieben. Als Del Borrello einen Blick in die entkorkte Flasche warf, entdeckte sie im Inneren etwas, das wie eine Zigarette aussah.  

Sie holten den Gegenstand aus der Flasche und sahen dann, dass es sich um eingerolltes Stück Papier handelte, das mit einer Schnur zusammengebunden war. Zu Hause in Lanceline legten sie das feuchte Papier zum Trocknen in den Ofen. Später erfuhren sie, dass das 15 x 20 Zentimeter große Blatt die bisher älteste Flaschenpost der Welt ist.

„Das war ein absoluter Zufall“, erzählte Illmans Mann Kym dem Guardian. „Besser wird‘s nicht.“

S.O.S. ... ODER AUCH NICHT

Zuerst waren die Illmans skeptisch. Zwei Tage nach ihrem Fund kontaktierten sie dann aber das Western Australian Museum, wo sie sich mit Ross Anderson trafen, dem Assistenzkurator für Meeresarchäologie.

Anderson verglich den Text auf dem alten Papierstück mit Handschriftproben aus Schiffslogbüchern und stellte fest, dass die Botschaft auf den 12. Juni 1886 datiert war. Das bedeutet, dass die Flaschenpost am Tag ihres Funds 131 Jahre und 223 Tage alt war. Die Flasche wurden vom deutschen Segelschiff Paula über Bord geworfen, als es den Indischen Ozean auf einer Reise von Cardiff in Wales nach Indonesien überquerte. Der Befund wurde von Experten des Deutschen Schifffahrtsmuseums in Bremerhaven und des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie in Hamburg bestätigt.

Während jener Zeit führten deutsche Schiffsmannschaften ein 69 Jahre dauerndes Experiment durch, bei dem sie Tausende Flaschen über Bord warfen, um die weltweiten Meeresströmungen zu untersuchen. Jede Botschaft enthielt die Koordinaten des Abwurfortes sowie das Datum und den Namen des Schiffs. "Diese Flasche wurde über Bord geworfen am 12ten Juni 1886 In 32° 49' Breite Süd Und 105° 25' Länge Süd Greenwich Ost. Vom: Bark Schiffe: Paula Heimath: Elsfleth", war auf dem Papier zu lesen. "Der Finder wird ersucht den darin befindlichen Zettel, nachdem die auf umstehender Seite gewünschten Angaben vervollständigt sind, an die Deutsche Seewarte in Hamburg zu senden oder auch an das nächste Konsulat zur Beförderung an jene Behörde abzugeben."

Laut den Koordinaten auf dem Papier wurde die Flasche irgendwo westlich von Südamerika ins Meer geworfen und hat damit fast 1.000 Kilometer zurückgelegt. Vermutlich brauchte die Flasche höchstens ein Jahr, um die australische Westküste zu erreichen, wo sie am Strand unter dem Sand begraben wurde. Anderson zufolge trocknete der Flaschenkorken aus und fiel durch Stürme oder heftige Regenfälle schließlich aus der Flasche. Der Heimathafen der Paula befand sich Recherchen zufolge im französischen Marseille. 

Bis heute wurden 662 Nachrichten aus dem deutschen Experiment gefunden und gemeldet. Vor der Flasche in Australien war der jüngste Fund eine 108 Jahre alte Postkarte, die im April 2015 in Deutschland gefunden wurde. 

Familie Illmann hat ihren Fund dem Western Australian Museum bis 2020 geliehen. Dort wird die Flasche derzeit öffentlich ausgestellt.

„Das ist wirklich das Außergewöhnlichste, das mir in meinem ganzen Leben je passiert ist“, schrieb Illman auf einer Webseite zu dem Fund. „Dass diese Flasche seit fast 132 Jahren nicht angefasst wurde und trotz der Elemente in einwandfreiem Zustand ist, ist wirklich unfassbar. Ich zittere immer noch.“

Elaina Zachos auf Twitter folgen.

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