Geschichte und Kultur

Spekulationen um Identität des Toten im schwarzen Sarkophag

Der ägyptische Granitsarkophag sorgte für viele Spekulationen darüber, wer sich in seinem Inneren verbergen könnte – und wer eher nicht. Wednesday, July 18, 2018

Von Kristin Romey
Die Entdeckung dieses 30 Tonnen schweren und etwa 2.000 Jahre alten Granitsarkophags löste Spekulationen über seinen Insassen aus.

 

Der Artikel wurde am 20. Juli 2018 nach der Öffnung des Sarkophags aktualisiert.

 

Das große Geheimnis wurde endlich gelüftet.

Fast drei Wochen ist es nun her, dass bei Bauarbeiten in Ägypten ein versiegelter schwarzer Granitsarkophag entdeckt wurde. Der Fund hat nicht nur weltweit für Aufsehen gesorgt, sondern auch bereits zahlreiche amüsierte Spekulationen über einen möglichen Fluch ausgelöst, den die Öffnung des Objekts nach sich ziehen könnte.

Die Angestellten der ägyptischen Behörde für Altertümerverwaltung haben Berichten zufolge alle Hände voll damit zu tun, zahllose Presseanfragen aus aller Welt darüber abzufangen, wann und wie der steinerne Sarkophag geöffnet wird. Bisher hat man sich von offizieller Seite her geweigert, über den verstorbenen Insassen des Sarges zu spekulieren.

Um die Auswahl einzugrenzen, haben einige lokale Archäologen – die nicht namentlich genannt werden, da sie nicht autorisiert sind, im Namen der Behörde mit National Geographic zu sprechen – sich aber dazu geäußert, wem der Sarkophag ihrer Meinung nach wohl nicht gehört.

Der Bericht, der am 1. Juli in der ägyptischen Zeitung Al Ahram erschien, hielt sich an die Fakten: Bei einer Bauvermessung wurde ein großer, noch verschlossener Steinsarkophag in der ägyptischen Stadt Alexandria an der Mittelmeerküste entdeckt. Ein ramponierter Alabasterkopf – womöglich der Insasse des Sarkophags – wurde ganz in der Nähe gefunden. Die Grabstätte selbst soll wohl aus der Zeit des Ptolemäerreichs stammen (ca. 323 - 30 v. Chr.).

Der etwa 2,65 Meter lange und 1,85 Meter hohe Sarg ist laut einer offiziellen Mitteilung der größte, den man in der Stadt bisher gefunden hat. Daraus ergaben sich auch Spekulationen darüber, dass es sich womöglich um die Ruhestätte einer sehr mächtigen oder wohlhabenden Person handeln könnte. Womöglich ist es sogar der Sarkophag Alexander des Großen, der die Stadt im Jahr 331 v. Chr. gegründet hat.

Einigen historischen Berichten zufolge wurde der große mazedonische Eroberer nach seinem Tod im Jahr 323 v. Chr. in jener Stadt begraben. Sein Grab wurde allerdings nie gefunden.

Zwei Archäologen, die in Alexandria arbeiten und über die Entdeckung Bescheid wissen, sprachen unabhängig voneinander mit National Geographic. Beide vermuten, dass der Sarkophag aus einer früheren Pharaonendynastie der langen Geschichte Ägyptens stammen könnte – nicht zuletzt aufgrund seiner ungewöhnlichen Proportionen.

Einer der zwei Archäologen glaubt, dass der massive Sarg aus einer älteren Dynastiestadt nilabwärts (zum Beispiel Memphis) leer in die Stadt gebracht worden sein könnte und später wiederverwendet wurde.


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Der andere vermutet, dass die Grabstätte selbst sogar aus der Römerzeit stammen könnte, die auf die Dynastie der Ptolemäer folgte. Er verweist dabei auf die niedrige Fundhöhe des Sarkophags nur viereinhalb Meter unter der Straße. Außerdem merkt er an, dass der Fundort außerhalb der Stadtgrenzen des alten Alexandria liegt. Das mache es sehr unwahrscheinlich, dass es sich um das Grab eines Mitglieds des Königshauses handelt.

Eines ist aber sicher: Um den Sarkophag zu öffnen, wird einiges an Ingenieurskönnen gefragt sein. Schätzungen zufolge wiegt er etwa 30 Tonnen.

In einem Interview mit Egypt Today schlug Waad Abul-Ela, der Projektleiter für die Altertumsbehörde, zwei Möglichkeiten vor, um den Fund zu heben: Man könnte den Raum um den Sarkophag mit einer schützenden Schicht aus Erdboden füllen und die gesamte Masse dann mit einer Planierraupe heben. Alternativ könnte man den Sarkophag auch an Ort und Stelle öffnen und beide Teile dann gesondert heben.

Schlussendlich hatte man sich für die zweite Variante entschieden.

Wie die BBC berichtete, wurde der Deckel des Sarkophags entfernt. Zum Vorschein kam allem Anschein nach ein Familiengrab mit drei Skeletten. Durch das eingedrungene Abwasser befanden sich die Mumien in einem schlechten Zustand.

Obwohl die Öffnung des Sarkophags durch den Gestank aus seinem Inneren kurzzeitig unterbrochen werden musste, gibt es von einem vermeintlichen Fluch nach wie vor keine Spur.

„Ich war der Erste, der seinen Kopf in den Sarkophag gesteckt hat“, erzählte der Generalsekretär der Behörde für Altertümerverwaltung, Mostafa Waziri, dem ägyptischen Nachrichtenportal El-Watan. „Und ich stehe hier vor Ihnen. Es geht mir gut.“

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