Geschichte und Kultur

Riesiges Schiffsgrab der Wikinger durch Radarscans entdeckt

Archäologen sprechen bereits von einem „Jahrhundertfund“.Dienstag, 16. Oktober 2018

Von Andrew Curry
Das 1904 entdeckte Oseberg-Schiff ist eines von nur drei gut erhaltenen Wikingerschiffen, die bisher gefunden wurden. Es wird im norwegischen Museum Vikingskipshuset in Oslo ausgestellt.

Nicht weit von der norwegischen Hauptstadt Oslo entfernt haben Archäologen die Umrisse eines vergrabenen Wikingerschiffs entdeckt. Das etwa 20 Meter lange Schiff wurde vor über 1.000 Jahren begraben und diente als letzte Ruhestätte eines berühmten Königs oder einer berühmten Königin. Es ist eines der größten wikingischen Schiffsgräber, die je gefunden wurden.

Ein Bild aus den Bodenradarscans offenbart die Umrisse eines Wikingerschiffs in einem Grabhügel.

Experten zufolge gibt es nur eine verschwindend geringe Zahl erhaltener Schiffsgräber der Wikinger von dieser Größe. „Ich denke, man kann da von einem Jahrhundertfund sprechen“, sagt der Archäologe Jan Bill, der Kurator für Wikingerschiffe am Museum für Kulturgeschichte in Oslo. „Von einem archäologischen Standpunkt her ist das ziemlich spektakulär.“ 

Die Fundstelle des Schiffsgrabes ist durchaus nicht unbekannt. Ein neun Meter hoher Grabhügel ragt dort über der Landschaft auf und ist von der Autobahn nördlich der Grenze zu Schweden gut sichtbar. Allerdings hatten die Archäologen geglaubt, dass jegliche archäologischen Überreste in den umliegenden Feldern schon durch Pflugarbeiten im 19. Jahrhundert zerstört wurden. 

Im Frühling dieses Jahres baten Behörden der umliegenden Provinz Østfold dann Experten des Norwegian Institute for Cultural Research, die Felder mit Hilfe von Bodenradar zu vermessen. Sie sondierten eine Fläche von etwa vier Hektar rund um den Grabhügel. 

Unter der Erde fanden sie Hinweise auf zehn große Gräber und die Umrisse eines Schiffs, das sich nur einen halben Meter unter der Oberfläche befindet. Knut Paasche, der Leiter des Archäologiebereichs am Norwegian Institute for Cultural Research, hat die jüngsten Arbeiten an dem Fundort geleitet und schätzt das Schiff auf eine Länge von mindestens 20 Metern. Zudem scheint es gut erhalten zu sein, da die Umrisse seines Kiels und der Planken in den Radarscans gut erkennbar sind. 

Wahrscheinlich wurde es am nahegelegenen Oslofjord an Land gezogen. Irgendwann im Laufe der Wikingerzeit diente es einer mächtigen Person dann als Grabstätte. „Solche Schiffe fungierten als Sarg“, so Paasche. „An Bord befand sich ein König, eine Königin oder ein lokales Oberhaupt.“ 

Mit Hilfe von Bodenradargeräten, die an ein Geländefahrzeug montiert wurden, konnten Archäologen einen Blick unter norwegische Felder werfen und entdeckten die Umrisse von Langhäusern und einem Wikingerschiff.

Wer auch immer in diesem Schiff bestattet wurde, war jedoch nicht allein. Auf den Feldern finden sich Spuren von mindestens acht weiteren Grabhügeln, deren Durchmesser teils bis zu 27 Meter beträgt. Drei große Langhäuser – darunter ein 45 Meter langes – und ein halbes Dutzend kleinerer Bauten waren im Boden ebenfalls zu sehen. 

Die Archäologen hoffen, dass künftige Ausgrabungen dabei helfen werden, die Grabhügel und die Langhäuser zu datieren, die aus unterschiedlichen Zeiten stammen könnten. „Wir können nicht sicher sein, dass die Langhäuser dasselbe Alter haben wie das Schiff“, sagt Paasche. 

Er selbst möchte im kommenden Frühling detailliertere Scans am Schiff durchführen, unter anderem mit einem Magnetometer. Darüber hinaus wird er vielleicht Testgräben ausheben, um nachzusehen, in welchem Zustand sich das Schiff befindet. Wenn das Holz des Schiffes unter der Oberfläche noch erhalten ist, könnte man damit womöglich das Alter des Fundes feststellen. 

Die Chancen, einen königlichen Schatz zu finden, sind aber eher gering. Da Wikingerbegräbnisse in der Landschaft so auffallen, wurden viele schon vor Jahrhunderten geplündert – lange bevor die Bauern im 19. Jahrhundert sie einebneten. Aber „es wäre sehr spannend herauszufinden, ob das Grab noch intakt ist“, sagt Bill.  „Wenn das so ist, könnten sich darin ein paar sehr interessante Funde verbergen.“ 

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

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