Wie „Amerikas bedeutendste Entdeckerin“ eine Männerdomäne eroberte

Harriet Chalmers Adams scherte sich nicht um Konventionen und inspirierte zahlreiche Frauen zu neuen Abenteuern.Dienstag, 23. Juli 2019

„Harry Chalmers Adams erzählt, wie sie Vampiren begegnete, auf Affen schoss und gefährlichen Wanderwegen folgte …“, beginnt eine Schlagzeile in einem Artikel der „New York Times“ vom 18. August 1912. Der Bericht stellte eine Frau vor, deren Reisen in die entlegenen Regionen Lateinamerikas von einem Leben voller dramatischer Abenteuer zeugten.

Chalmers Adams verliebte sich bei einer Reise nach Mexiko in Lateinamerika, die sie zusammen mit ihrem Ehemann Franklin im Jahr 1899 unternahm. Ein paar Jahre später kehrten sie für eine zweijährige Reise durch den Norden Südamerikas und die Anden wieder. Mit dabei hatten sie alle Werkzeuge, die sie brauchen würden, um die Geschichte ihrer Unternehmung zu dokumentieren: Papier, Stift und Filmrollen für drei Jahre.

Als sie schließlich wieder zurück in den USA war, legte sie dem damaligen Leiter der National Geographic Society, Gilbert Grosvenor, um die 3.000 Fotografien vor, die sie während ihrer Reisen aufgenommen hatte. Das Ergebnis war ihre erste Publikation in der Juni-Ausgabe des National Geographic Magazins von 1907. Im Laufe ihres Lebens sollten dort noch 20 weitere Beiträge folgen. Als Autorin und Fotografin gehörte Chalmers Adams zu den wenigen Frauen, die damals im Magazin veröffentlichten. Auf ihren langen Reisen hielt sie das Leben der Menschen an weit entfernten Orten fest.

Chalmers Adams verkörperte sowohl das Ideal einer modebewussten Frau des frühen 20. Jahrhunderts (die Vorträge im Hauptquartier von National Geographic in einem roten Ballkleid hielt) und einer unerschrockenen Abenteurerin, die durch die Wildnis wanderte und auf Berge kletterte. Sie wurde zur ersten Frau, die über Land vom Amazonas bis nach Französisch-Guayana reiste, und war die erste Frau, die in Peru den Vulkan El Misti erklomm. Ihre Leidenschaft für Lateinamerika umfasste auch Spanien und Portugal, und sie war eine der wenigen weiblichen Korrespondenten, die über den Ersten Weltkrieg berichteten. Dafür verbrachte sie drei Monate in Schützengräben in Frankreich.

In einer Zeit, als geografische Gesellschaften noch eine Männerdomäne waren, half Chalmers Adams bei der Gründung der Society of Women Geographers und fungierte bis 1933 als deren Präsidentin. Mit ihrer Hingabe inspirierte sie zahlreiche fähige Geografen und Wissenschaftler.

„Ich habe mich immer gefragt, warum Männer ein so absolutes Monopol im Bereich der Exploration haben“, erzählte sie der New York Times 1912 in einem Interview. „Warum sind Frauen nie in die Arktis gereist, haben sich an einem der beiden Pole versucht oder sind bis nach Afrika, Tibet oder in die unbekannte Wildnis vorgedrungen? Mein Geschlecht war für mich nie ein Hindernis. Ich habe mich nie einer Herausforderung gegenübergesehen, die eine Frau nicht genauso gut wie ein Mann meistern konnte. Ich hatte nie Angst vor Gefahr und es fehlte mir nie der Mut, mich zu verteidigen. Ich war in ein paar brenzligen Situationen und habe erschütternde Dinge gesehen.“

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

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