Ein Fenster zur Vergangenheit: Mode-Zeitreise mit Autochrom-Aufnahmen

Der Vorläufer der Fotografie, das Autochromverfahren, hauchte Bildern eine unglaubliche Lebendigkeit ein.

Veröffentlicht am 2. Nov. 2020, 14:17 MEZ
DIE KUNST VON LARGARTERA
Im Jahr 1914 nimmt Jules Gervais-Courtellemont diese junge Frau im spanischen Lagartera in ...

DIE KUNST VON LARGARTERA
Im Jahr 1914 nimmt Jules Gervais-Courtellemont diese junge Frau im spanischen Lagartera in einem Autochrome auf. Auf dem informell wirkenden Porträt trägt sie traditionelle Kleidung, die in der jahrhundertealten Tradition der Region reich bestickt ist.

Foto von Jules Gervais Courtellemont, Nat Geo Image Collection

Im Jahr 1907 entwickelten die Brüder Auguste und Louis Lumière die erste Form von Farbfotografie für die breite Masse. Bei ihrem sogenannten Autochromverfahren wurden Glasplatten mit Millionen mikroskopisch kleiner Farbfilter beschichtet, die aus – man mag es kaum glauben – gefärbter und pulverisierter Kartoffelstärke bestanden.

Die Stärkekörnchen färbten das Glas mit roten, grünen und blauen Punkten, die das Licht auf eine fotosensitive Emulsion filterten. Bei näherer Betrachtung sahen die daraus entstehenden Fotografien wie eine Ansammlung von Punkten in rot, blau und grün verschiedener Schattierungen aus. Von weitem verschwimmen die Farben jedoch für das Auge des Betrachters zu romantischen, verträumten Tönen, was Autochroms wie pointilistische Gemälde aussehen lässt.

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„Das unterscheidet Autochromes so gravierend von modernen Fotos – sie haben etwas Verträumtes an sich, als wären sie von Hand gemalt worden“, sagt Bill Bonner, der als Archivar die Fotosammlung von National Geographic kuratiert.

Die zeitgenössischen Fotografen waren hin und weg von den Autochromes. „Ich habe kein anderes Medium zur Verfügung, das Farben mit einer derart lebendigen Intensität wiedergibt“, schwärmte Fotograf Edward Steichen im Jahr 1908.

Nur wenige Publikationsunternehmen nutzten Autochromes so umfangreich wie National Geographic. Das erste natürliche Farbfoto in Form eines Autochromes erschien 1914 im National Geographic-Magazin und zeigt einen belgischen Blumengarten. Im Archiv von National Geographic befinden sich an die 15.000 Autochrome-Glasplatten und bilden damit eine der größten Sammlungen der Welt.

Gegen Ende der 1930er-Jahre wurde das Verfahren jedoch von Kodachrome abgelöst, da dieses einfacher zu nutzen war. Für Autochromes mussten die Fotografen schwere Holzkästen mit sich herumschleppen, in denen sich die empfindlichen Glasplatten befanden. Kodachrome-Filme waren dagegen in Verbindung mit 35mm-Kameras leichtes, robustes Gepäck.

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Heutzutage beherrscht die Digitalfotografie den Markt, die Autochrome-Platten in unseren Archiven sind jedoch ein einzigartiges Fenster zur Vergangenheit.

„Schwarz-weiß-Fotografien sind für uns so allgegenwärtig, dass wir oft den Eindruck haben, es hätte im frühen 20. Jahrhundert nichts anderes gegeben“, meint Adrian Coakley, Photographic Research Editor bei National Geographic.

„Durch Autochromes sehen wir Szenen, wie wir sie uns sonst nicht vorstellen würden. Es ist, als würde man in Farbe auf die Geschichte zurückblicken.“

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

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