Huqoq-Ausgrabungen: Neue Mosaike biblischer Szenen entdeckt

Die Ausgrabungen in der antiken galiläischen Synagoge von Huqoq fördern immer neue beeindruckende Kunstwerke zutage. Jetzt haben Archäologen neue Mosaike aufgedeckt – darunter der Heerführer Barak und die Richterin Debora.

Von Lisa Lamm
Veröffentlicht am 15. Juli 2022, 15:17 MESZ
Zwei Ausschnitte der in der Synagoge von Huqoq aufgedeckten Mosaike: Links ein Fuchs, der Trauben isst ...

Zwei Ausschnitte der in der Synagoge von Huqoq aufgedeckten Mosaike: Links ein Fuchs, der Trauben isst und rechts der Heerführer Barak aus dem Buch der Richter.

Foto von Jim Haberman

Vor etwa 1.600 Jahren entstand in dem antiken jüdischen Dorf Huqoq im Osten Galiläas, Israel, eine imposante Synagoge. Das um etwa 500 n. Chr. erbaute spätrömische Gotteshaus ist heute nicht nur wegen seines Erhaltungszustandes ein archäologisches Highlight – sondern auch wegen der zahlreichen biblischen Mosaike, die die Synagoge einst schmückten.

Die Synagoge ist bereits seit 2011 der Mittelpunkt des Huqoq Excavation Projects, das sich unter der Leitung der Archäologin Jodi Magness zum Ziel gesetzt hat, die Synagoge und ihre Umgebung auszugraben, zu untersuchen und so die Geschichte des historischen Ortes zu rekonstruieren. Einen großen Teil dieser Forschung bildeten schnell die nach und nach zu Tage geförderten Mosaike. „Durch sie wurde klar, dass Huqoq ein größeres und wohlhabenderes Dorf war, als wir bisher angenommen haben“, sagt Magness. 

Allein die Anzahl und Komplexität der Kunstwerke bestätigt diese Einschätzung. In diesem Jahr fanden die Archäologinnen und Archäologen nun erneut beeindruckende Darstellungen biblischer Figuren – darunter erste Darstellungen weiblicher Heldinnen wie der Richterin Debora sowie Szenen mit dem Heeresführer Barak.

Eine der spektakulärsten Entdeckungen in Huqoq: Eine Darstellung des des Samson, dessen Heldentaten im Buch der Richter beschrieben werden. 

Foto von Jim Haberman

Mosaikfunde in Huqoq

Die ersten Mosaike wurden bereits im Jahr 2012, kurze Zeit nach dem Beginn der Ausgrabungen, bei der Ostwand der Synagoge gefunden. Der erste und einer der spektakulärsten Funde war in jenem ersten Jahr eine Darstellung des Samson. Dieser spielt als Auserwählter Gottes eine wichtige Rolle im Buch der Richter, einem Teil des Tanach – der hebräischen Bibel. In den kommenden Jahren kamen unter anderem beeindruckende Darstellungen der Arche Noahs und der Überquerung des Roten Meeres hinzu. Laut Magness wurde mit jedem Fund klarer, welch hohen künstlerischen Wert die Darstellungen hatten – und immer noch haben.

In diesem Jahr folgte nun die Entdeckung weiterer außergewöhnlicher Bilder, die einst Teil des Fußbodens der Synagoge waren. Das neu aufgedeckte große Mosaik besteht aus einer Tafel, die in drei horizontale Streifen unterteilt ist. Mithilfe dieser einzelnen Unterteilungen wird eine Geschichte aus dem Buch der Richter, Kapitel vier abgebildet – die sogenannte Deboraschlacht, in der sowohl der Heeresführer Barak als auch die Richterin Debora vorkommen.

In jener Erzählung kämpfen die israelitischen Streitkräfte unter der Führung der Richterin Debora und des Heerführers Barak gegen die Armee des kanaanäischen Feldherren Sisera. Laut Erzählung floh Sisera nach seiner Niederlage schließlich in das Zelt einer kenitischen Frau namens Jaël – von der er letztendlich getötet wurde. „Die Mosaiktafel ist die erste Darstellung dieser Erzählung und das erste Mal, dass wir eine Darstellung der biblischen Heldinnen Debora und Jaël in der antiken jüdischen Kunst gesehen haben“, so Magness.

Das Mosaik ist die erste antike jüdische Darstellung der Elim-Erzählung aus dem Buch Exodus.

Foto von Jim Haberman

Huqoqs Geschichte

Eines der Ziele des Projektes ist, das Bild der jüdischen Gemeinschaft, die Huqoq und seine Umgebung während der Spätantike bewohnte, zu erweitern. Gerade auf das Leben der Menschen, die in Huqoq wohnten und die Künstler, die die Mosaike erstellten, soll das Projekt ein Licht werfen. Die detaillierte Arbeit und die bunten Farben der Mosaike zeige, dass jüdisches Leben zu dieser Zeit in der Region florierte. „Die Ausgrabungen in Huqoq und die Mosaike im Speziellen zeigen die anhaltende Dynamik und Vielfalt der Juden und des Judentums in der Spätantike“, sagt Magness. 

Mittlerweile wurden die Mosaike zur weiteren Untersuchung aus der Synagoge entfernt. Die nächsten Ausgrabungen sollen im Sommer 2023 stattfinden – mit der Hoffnung, noch weitere der außergwöhnlichen antiken Kunstwerke zu finden und so mehr über die Menschen, die sie erschufen, zu lernen.

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