Recycling in der Eisenzeit: Schon die Kelten sparten Ressourcen

Ausgrabungen am Oppidum von Manching haben offenbart, wie die Keltensiedlung vor etwa 2.000 Jahren aufgebaut war. Besonders bemerkenswert: der vorbildliche Umgang mit Ressourcen.

Von Lisa Lamm
Veröffentlicht am 19. Dez. 2022, 10:02 MEZ
Fund der Ausgrabung: durchlochte Keramikscherbe.

Bei den Ausgrabungen am Oppidum von Manching fanden die Archäologinnen und Archäologen Keramik- und Holzüberreste, die zeigen, dass die Kelten Kaputtes geschickt umfunktionierten. 

Foto von Pro Arch GmbH

Nachhaltigkeit und ressourcenschonendes Wirtschaften sind Themen, die heutzutage in aller Munde sind – kein ganz neuer Trend, war er wohl auch schon vor etwa 2.000 Jahren bei den Kelten beliebt. Das fanden Forschende des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege (BLfD) nun bei Ausgrabungen am Oppidum von Manching heraus, einer keltischen Stadt, die zu ihrer Hochzeit über 10.000 Einwohner zählte. 

Die Ausgrabungen in Manching laufen bereits seit Anfang des Jahres. Die aktuellen Funde lassen nun wichtige Erkenntnisse über den Aufbau keltischer Siedlungen zu – und über den achtsamen Umgang der Kelten mit ihren Ressourcen.

Recycling und Handwerk

Erst Mitte des Jahres hat die Rekonstruktion der keltischen Siedlung Menosgada, einem Oppidum auf dem Staffelberg in Oberfranken, gezeigt, dass der Alltag der Kelten wohl weitaus weniger barbarisch aussah als lange angenommen. Denn sowohl bei ihrer Stadtplanung als auch bei der Verkehrsführung gingen sie außerordentlich strukturiert vor. Die Ausgrabungen am Oppidum von Manching im heutigen Oberbayern fügen diesem Bild nun noch weiteres Puzzleteil hinzu: Die Kelten verwendeten Werkstoffe wie Keramik oder Holz wieder, um nachhaltig Ressourcen zu sparen.

So zeigten die Ausgrabungen, dass die Kelten für die Verstärkung ihrer Brunnen alte Holzfasswände nutzten und alte Keramikscherben durchlochten, um sie als Spinnwirtel – eine Art Handspindel – wiederzuverwenden. „Nach mehr als 2.000 Jahren lässt sich an den Funden noch ablesen, dass auch für die Kelten nachhaltiges Wirtschaften ein Thema war“, sagt Mathias Pfeil, Leiter des BLfD. 

Kaputtes wurde also nicht einfach weggeworfen, sondern durchdacht neu eingesetzt. Dieses ressourcensparende Wirtschaften hatte vermutlich andere Gründe als heute – allen voran Ressourcenknappheit –, zeigt aber dennoch, dass die Kelten alles andere als nur plündernde Räuber waren.

Oppidum von Manching

Das Oppidum von Manching gilt als einer der politischen und wirtschaftlichen Mittelpunkte in der Eisenzeit, der im 2. Jahrhundert v. Chr. seine größte Ausdehnung erreichte – auch aufgrund seiner geografischen Lage. Die aktuellen Ausgrabungen zeichnen ein deutliches Bild vom Leben in der stark besiedelten Stadt. Denn vor allem im südlichen Bereich fanden die Archäologinnen und Archäologen Speisereste und Überbleibsel von Gebäuden. Im Norden hingegen war wohl ein gesamtes Gebiet dem Handwerk vorbehalten. „Dies zeigen Funde wie Wetzsteine, die dem Schärfen von Geräten dienten, Reste von Öfen zur Eisen- und Keramikproduktion, Tierknochen, verschiedene Eisenmesser und Scheren“, berichtet das BLfD.

Auch dieser Aufbau zeigt: Die Kelten waren organisiert. Nun erhoffen sich die Forschenden, im Verlauf der Ausgrabungen noch weitere Erkenntnisse über das Leben und Arbeiten der Kelten zu bekommen.

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