Geheimnisvolle Weltwunder: Die Pyramiden von Gizeh

Die Frage, wie die Pyramiden von Gizeh erbaut wurden, beschäftigt die Forschung bis heute. Doch trotz der noch ungelösten Rätsel, die die ägyptischen Bauwerke umgeben, liefern sie jetzt schon faszinierende Einblicke in die Vergangenheit.

Von Brian Handwerk
Original skyscrapers

Alle drei berühmten Pyramiden von Gizeh und ihre aufwendigen Grabanlagen wurden in einer frenetischen Bauphase von etwa 2550 bis 2490 v. Chr. errichtet. Die Pyramiden wurden von den Pharaonen Cheops (die höchste), Chephren (im Hintergrund) und Mykerinos (vorne) erbaut.

Foto von Cordon Press

Die Gizeh-Pyramiden wurden gebaut, um die Ewigkeit zu überdauern – und genau das haben sie getan. Die monumentalen Grabmäler sind Relikte aus der Zeit des Alten Reiches in Ägypten und wurden vor etwa 4.500 Jahren errichtet.

Die Pharaonen Ägyptens erwarteten damals, im Jenseits zu Göttern zu werden. Um sich darauf vorzubereiten, errichteten sie Tempel für die Götter und gewaltige Pyramidengräber für sich selbst – gefüllt mit all den Dingen, die ein Herrscher brauchen würde, um sich im Jenseits zurechtzufinden.

Die Pyramiden von Gizeh

Die Erbauer der Pyramiden

Pharao Cheops begann um 2550 v. Chr. mit dem ersten Pyramidenprojekt in Gizeh. Seine Große Pyramide ist die größte in Gizeh und ragt etwa 147 Meter gen Himmel. Die geschätzten 2,3 Millionen Steinblöcke wiegen durchschnittlich 2,5 bis 15 Tonnen.

Cheops Sohn, Pharao Chephren, errichtete um 2520 v. Chr. die zweite Pyramide in Gizeh. Zu seiner Nekropole gehörte auch die Sphinx, ein geheimnisvolles Kalksteinmonument mit dem Körper eines Löwen und dem Kopf eines Pharaos. Die Sphinx steht möglicherweise als Wächterin über den gesamten Grabkomplex des Pharaos.

Die dritte der Gizeh-Pyramiden ist wesentlich kleiner als die ersten beiden. Sie wurde von Pharao Mykerino um 2490 v. Chr. erbaut und enthielt einen viel komplexeren Totentempel.

Allerdings ist jede der massiven Pyramiden nur ein Teil eines größeren Komplexes, zu dem auch ein Palast, Tempel, Solarbootgruben und andere Einrichtungen gehören.

Die antiken Ingenieursleistungen in Gizeh waren so beeindruckend, dass Wissenschaftler auch heute noch nicht genau wissen, wie die Pyramiden gebaut wurden. Nur über die Menschen, die sie gebaut haben, und über die politische Macht, die dazu nötig war, weiß man mittlerweile mehr.

Die Verwandten des Pharaos, wie z. B. Neferetiabet, die Tochter des Cheops - dargestellt auf diesem Relief, das in ihrem Grab in Gizeh gefunden wurde – hatten ihr Grab neben der Pyramide des Herrschers.

Foto von Werner Forman, GTRES

Die Erbauer der Pyramiden waren geschickte, wohlgenährte ägyptische Arbeiter, die in einer nahe gelegenen provisorischen Stadt lebten. Archäologische Ausgrabungen an der Stätte haben eine gut organisierte und ressourcenreiche Gemeinschaft ans Licht gebracht, die von einer starken zentralen Autorität unterstützt worden sein muss.

Es ist wahrscheinlich, dass Gemeinden in ganz Ägypten Arbeiter, Lebensmittel und andere lebenswichtige Dinge für das Projekt beisteuerten. So wurden die Pyramiden zu einem nationalen Projekt, um den Reichtum und die Kontrolle der alten Pharaonen zu zeigen.

Laut Zahi Hawass, dem Generalsekretär des Supreme Council of Antiquities (ägyptische Altertümerverwaltung) und National Geographic-Forscher, zeigen diese Erkenntnisse, dass es in gewisser Weise die Pyramiden waren, die Ägypten aufgebaut haben – und nicht umgekehrt.

Die Vergangenheit bewahren

Die Pyramiden haben jedoch nicht nur zum Aufbau des alten Ägypten beigetragen, sondern es auch erhalten.

„Viele Leute denken bei dieser Stätte nur an einen Friedhof im modernen Sinne, aber es ist viel mehr als das“, sagt der Ägyptologe Peter Der Manuelian vom Museum of Fine Arts in Boston und der Tufts University. „In diesen dekorierten Gräbern finden sich wunderbare Szenen aus allen Bereichen des Lebens im Alten Ägypten – es geht nicht nur darum, wie die Ägypter starben, sondern wie sie lebten.“

Die Grabkunst umfasst Darstellungen von antiken Bauern bei der Feldarbeit und Viehzucht, Fischfang und Vogeljagd, Tischlerei, Trachten, religiösen Ritualen und Bestattungspraktiken.

Inschriften und Texte ermöglichen auch die Erforschung der ägyptischen Grammatik und Sprache. „Fast jedes Thema, das man über die pharaonische Hochkultur erkunden möchte, ist auf den Grabwänden in Gizeh zu finden“, sagt Manuelian.

Die Zukunft der Pyramiden

Um diese wertvollen Ressourcen für alle zugänglich zu machen, leitet Manuelian das Projekt „Gizeh-Archive“, eine enorme Sammlung von Fotos, Plänen, Zeichnungen, Manuskripten, Objektaufzeichnungen und Expeditionstagebüchern des Gizeh-Plateaus, die virtuelle Besuche auf dem Plateau ermöglicht.

Denn seit dem Arabischen Frühling im Jahr 2011, als Ägypten einen jahrelangen politischen Umbruch erlebte, ist der Tourismus zu den Bauwerken rapide zurückgegangen. Dennoch betont Manuelian, dass ein persönlicher Besuch der Pyramiden durch nichts zu ersetzen ist – auch wenn es bislang so scheint, als sei die Zukunft des Tourismus Gizeh ungewiss.

Dieser Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

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