Geschichte und Kultur

Tod am Himalaya

Vor einem halben Jahr tötete eine Lawine am Mount Everest 16 Menschen, darunter 13 Sherpas. Ein riesiger Eisblock, auch Sérac genannt, hatte sich von einem Abhang am berüchtigten Popcorn-Feld gelöst und eine große Lawine verursacht.

Von Dan Vergano, Kelley McMillan
Tod am Himalaya

Vor einem halben Jahr tötete eine Lawine am Mount Everest 16 Menschen, darunter 13 Sherpas. Ein riesiger Eisblock, auch Sérac genannt, hatte sich von einem Abhang am berüchtigten Popcorn-Feld gelöst und eine große Lawine verursacht. Neue Analysen zeigen, wie groß der Eisblock gewesen war und an welcher Stelle er sich gelöst hatte.

Um die Ursache des Unglücks besser zu verstehen, legte der NG-Kartograph Martin Gamache zwei Satellitenfotos des Everests übereinander; das erste Bild zeigt die Unglücksstelle vor dem Lawinenabgang, das zweite nach der Tragödie. „Noch am 7. April gab es dort einen großen Eisvorsprung, in der Grafik ist er orange umrandet. Am 26. April fehlt dieses Stück“, sagt Gamache. So konnte der Experte den Abbruchort identifizieren.

Außerdem versuchte Gamache zu berechnen, wie viel Eis sich gelöst hatte. Er schätzte die Oberfläche des Eisblocks und analysierte die Bilder der Unglücksstelle. So konnte er Volumen und Gewicht des Séracs genauer eingrenzen: Seine Oberfläche maß etwa soviel wie ein Basketballfeld, er war 34,5 Meter hoch und wog wohl sowie viel wie 657 voll beladene Reisebusse, ungefähr 14,3 Millionen Kilogramm. Der genaue Auslöser bleibt jedoch unbekannt. „Letztendlich war wohl die Schwerkraft schuld“, so Gamache.

Die Lawine im Popcorn-Feld ist das zweite schwere Unglück im Himalaya in diesem Jahr. Erst vergangene Woche hatten ein heftiger Schneesturm und mehrere Lawinen zahlreiche Wanderer, Bergführer und Hirten in der Region um den Annapurna überrascht. Laut Angaben der Behörde kamen mindestens 39 Menschen ums Leben.

Am vergangenen Donnerstag waren Helikopter mit Rettungshelfern ins Unglückgebiet geflogen und konnten 219 ausländische und nepalesische Trekker retten. Am vergangenen Freitag wurden weitere 37 Wanderer am Thorung La-Pass sicher geborgen (Stand 17.10.2014). An dem Hochgebirgspass starben nach Angaben einheimischer Bergführer wohl die meisten Menschen. Der Thorung La-Pass liegt auf liegt auf 5416 Metern Höhe und ist damit der höchste Punkt der Annapurnakette. Der überraschend heftige Schneesturm löste zudem mehrere Lawinen aus. Der tödlichste Schneerutsch begrub im Basislager des Berges Dhaulagiri fünf slowakische Bergsteiger und ihre drei nepalesischen Führer unter sich.

In der Region um den Annapurna waren Hunderte Wanderer unterwegs, mehr als 250 Menschen hatten sich bei den örtlichen Behörden als Bergsteiger registriert. Die Trekkingroute um den Achttausender ist im Herbst sehr beliebt, da auch ungeübte Wanderer sie bewältigen können und das Wetter im Oktober meist noch recht mild ist. Umso mehr überraschte der Schneesturm die Menschen. Ausläufer des Zyklons «Hudhud» hatten den vorzeitigen Wintereinbruch in Nepal wohl verursacht.

„Die meisten Wanderer auf dieser Route hatten kaum Erfahrung als Bergsteiger“, sagt Adrian Ballinger, Besitzer und Bergführer des kalifornischen Reiseunternehmens Alpenglow Expeditions. Im Herbst sei das Wetter in der Annapurna-Region gewöhnlich recht mild, es schneie selten, so Ballinger. „Doch sobald in dieser Höhe ein Sturm aufzieht, wird eine Trekking-Tour zu richtigem Alpinismus.“

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