Reise und Abenteuer

6 Tipps für einen besseren Umgang mit Wildtieren

Tierbegegnungen können glücklich machen und lehrreich sein, aber sie bergen auch Gefahren – für einen selbst und für die wilden Tiere. Mit diesen Tipps könnt ihr eure Aktivitäten in der Wildnis nachhaltig und sicher gestalten. Donnerstag, 9 November

Von Rachael Bale

Habt ihr schon mal darüber nachgedacht, mit Haien zu tauchen? Oder eine Expedition zu buchen, um Eisbären zu beobachten? Vielleicht wollt ihr mal eine Elefantenwanderung durch den Dschungel machen? Solche Aktivitäten interessieren euch vermutlich aus zwei Gründen: Ihr wollt Abenteuer und ihr liebt Tiere.

 Aber diese Reisen sind nicht alle gleich. Eure Buchung hat das Potenzial, den Naturschutz zu unterstützen und gutes Wildtier-Management zu fördern. Sie kann aber auch heimlichen Tiermissbrauch und Wildtierraub begünstigen. Damit ihr den Unterschied besser erkennen könnt, haben wir mit Experten gesprochen und einige Richtlinien zusammengestellt, die man beachten sollte, wenn man sich für eine Aktivität entscheidet.

Bevor ihr also zu eurem großen Tierabenteuer aufbrecht, beachtet einfach diese sechs Tipps.

BESUCHT DIE TIERE NACH MÖGLICHKEIT IN DER WILDNIS

Safaris, Walbeobachtungen und Schnorcheln gehören zu den besten Möglichkeiten, um Tiere zu sehen. „Wenn man das aus der Perspektive der Tiere betrachtet, dann ist es besser, sie in der Wildnis zu beobachten, wo sie sich natürlich verhalten und agieren“, sagt Daniel Turner von Born Free, der dabei geholfen hat, Richtlinien zum Tierwohl für britische Reiseagenturen zu entwerfen.

Und was ist mit Tauchgängen mit Haien? Das ist durchaus eine kontroverse Aktivität, besonders, wenn man die Haie ködert. Aber der WWF und der Manta Trust haben einen Leitfaden für verantwortungsvollen Hai- und Rochentourismus, der dabei helfen kann, die besten Anbieter zu finden. Der Meeresökologe Rick MacPherson untersucht und bewertet die Industrie der Tauchgänge mit Haien für Sustainable Shark Diving. Er empfiehlt, Veranstalter zu suchen, die einen Fokus auf Bildung setzen, klaren Sicherheitsprotokollen folgen und die Haie nie anfassen.

Wenn man als preiswertere Alternative Zoos und Reservate besuchen möchte, sollte man sichergehen, dass diese professionell betrieben werden und amtlich zugelassen sind.

TIERE SOLLTEN TIERE SEIN DÜRFEN

Schlangenbeschwörer und Affenzirkusse mögen ja charmant sein, aber was oft hinter den Kulissen passiert, könnte euch schockieren. In manchen Fällen hausen die Tiere in kleinen, kargen Käfigen, werden mit schmerzhaften Methoden trainiert und extrem stressigen Situationen ausgesetzt. Das beeinträchtigt ihr Immunsystem und ihre psychische Gesundheit.

Auch Elefanten, auf denen Touristen durch den Dschungel reiten können, werden oft grausam behandelt. In Thailand zum Beispiel müssen sich viele junge Elefanten dem sogenannten „Crush“ unterziehen. Dabei werden sie so lange geschlagen, bis sie sich unterwerfen. In Südostasien werden auch immer wieder Elefanten krank oder sterben, nachdem sie in der extremen Hitze überarbeitet wurden. Um diese Praktiken nicht zu unterstützen, besucht man am besten ein angesehenes Elefantenreservat oder bucht Jeeptouren, bei denen man Elefanten in der Wildnis beobachten kann.

SORRY, KEIN KUSCHELN

Das wirkt vielleicht wie eine große Enttäuschung, aber es ist ein wichtiges Thema, das man verstehen muss. Es gibt durchaus Probleme mit Einrichtungen, die hautnahe Erfahrungen mit Tieren anbieten, zum Beispiel Selfies mit Tigern, Löwenkuscheln oder Spaziergänge mit Geparden. „Im schlimmsten Fall haben diese Tiere ihr ganzes Leben lang gelitten“, sagt Neil D‘Cruze, ein Wissenschaftler für World Animal Protection. Das beinhaltet auch die frühe Trennung von der Mutter, um schnellere Fortpflanzung und brutales Training zu ermöglichen. „Selbst bei seriösen Einrichtungen, die einen guten und verantwortungsvollen Umgang mit ihren Tieren pflegen, besteht immer noch das Risiko, dass solche Aktivitäten ein gefährliches und fehlgeleitetes Bild vermitteln – dass diese wilden Großkatzen tolle exotische Haustiere wären.“

Die World Animal Protection und die Universität von Oxford haben zehn der grausamsten Wildtier-Attraktionen zusammengestellt, basierend auf wissenschaftlichen Bewertungen zum Tierwohl.

GELD REGIERT DIE WELT, ALSO GEBT ES FÜR NACHHALTIGKEIT AUS

Der Vizepräsident für Reise, Tourismus und Naturschutz des WWF, James Sano, empfiehlt Wanderungen und Touren, bei denen einheimische Menschen arbeiten. Jeder Einheimische, der im Tourismus arbeitet, ist einer weniger, der sich der Wilderei zuwenden muss, um seine Familie zu ernähren. Außerdem liefert Wildtier-Tourismus, der in der lokalen Gemeinschaft verankert ist, auch einen Anreiz, die Tiere für zukünftige Besucher zu schützen. Ein gutes Beispiel dafür sind Ökotouren in der Arktis, bei denen man Eisbären beobachten kann. „[Diese] helfen den örtlichen Gemeinden dabei, lebenswichtiges Einkommen zu verdienen, und unterstützen Einheimische und Besucher gleichermaßen dabei zu verstehen, welche langfristigen Vorteile es bringt, Eisbären und ihren Lebensraum zu schützen“, sagt die Naturschutzgruppe Polar Bear International.

Wenn ihr euch wirklich um das Wohlergehen und die Zukunftsfähigkeit der Tiere in freier Wildbahn sorgt, dann bucht am besten eine Gruppentour, anstatt jede Aktivität selbst zu organisieren. Er sagt, dass es sehr schwer sein kann, anhand einer Webseite zu erkennen, ob die dort bereitgestellten Informationen wahr sind. Mit einer seriösen Tourgruppe kann das einfacher sein, „die machen die Hausaufgaben für einen.“

RESPEKTIERT DIE TIERE

National Geographic empfiehlt, dass man nie nahe genug an ein Tier herangehen sollte, um sein Verhalten zu ändern. Das ist gefährlich für einen selbst und könnte auch Ärger für das Tier bedeuten. Es gab da zum Beispiel einen Vorfall mit einem Bisonkalb, das gestorben ist, weil Touristen dachten, sie würden ihm helfen. Wenn ihr auf Safari seid, schaltet eure Handys stumm, deaktiviert die Geräusche an eurer Kamera und sprecht leise – und bitte, bleibt im Auto. Natürlich solltet ihr die Tiere auch niemals füttern.

VORSICHT BEI SOUVENIRS

Überlegt euch sorgfältig, was ihr von eurem Abenteuer mit den wilden Tieren mit nach Hause nehmen wollt. Eine Flasche Wein aus Vietnam mit einer eingerollten Schlange darin sieht vielleicht cool aus. Aber eventuell wurde die Schlange dort lebendig ertränkt. Oder ist noch gar nicht tot. Sie könnte auch einen Parasiten in oder an sich tragen, der euch krank machen könnte. Es ist besser, solche Dinge einfach zu meiden. Weitere Produkte, von denen ihr lieber die Finger lasst, sind zum Beispiel Andenken aus Teilen von Meeresschildkröten, Vogelfedern, Korallen, Muscheln und Walross-Elfenbein.

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