300 Kilometer über Kanadas schönste Insel

Mit Abenteurer Alastair Humphreys über Nova Scotias wilde Insel Cape BretonDonnerstag, 9. November 2017

Destination Canada - NovaScotia
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Mit Abenteurer Alastair Humphreys über Nova Scotias wilde Insel Cape Breton

Alastair Humphreys schreibt, fotografiert, filmt und gibt Vorträge, doch vor allem ist der Brite Abenteurer. Der „National Geographic Adventurer of the Year 2012“ ist ständig auf der Suche nach dem Un- und Außergewöhnlichen rund um den gesamten Globus und möchte mit seiner Arbeit vor allem auch aufzeigen, dass das Abenteurerdasein niemandem verschlossen bleiben muss. Dieses Jahr wurde er auf der Insel Cape Breton in Nova Scotia fündig. Begleitet Alastair in unserem Video auf seiner Entdeckungsreise über den Cabot Trail und lest, warum die landschaftlich reizvolle und kulturell vielseitige Insel unbedingt einen Besuch wert ist und wie ihr dort euer eigenes, unvergessliches Abenteuer erleben könnt.

DER CABOT TRAIL

Der italienische Seefahrer Giovanni Caboto, besser bekannt als John Cabot, gilt als der erste Europäer nach den Wikingern, der das nordamerikanische Festland an der Atlantikküste des heutigen Kanadas erreichte. Die exakte Stelle, an der er 1497 mit seinem Schiff ankerte, ist nicht dokumentiert, doch ist nach ihm in Nova Scotia eine der schönsten Autorouten benannt: Der Cabot Trail auf Cape Breton Island. Die Ringstraße schlängelt sich auf 300 Kilometern einmal um die halbe Insel, auf der die Berge des Cape Breton Highlands National Parks direkt auf den Atlantischen Ozean treffen – ein Umstand, der nicht nur die Landschaft abwechslungsreich macht, sondern auch unterschiedlichste Outdooraktivitäten ermöglicht. Dazu kommt eine vielfältige, von verschiedenen Kulturen beeinflusste Küche. Im Osten und Westen schmiegt sich der Cabot Trail an die wild-romantische Küstenlinie, im Norden führt er quer durch den Nationalpark. Im Süden folgt er dem fischreichen Margaree River, bevor er auf den Bras d’Or Lake trifft, einen fjordähnlichen See, der in den Atlantik mündet. Natur wird großgeschrieben auf Cape Breton Island. In den Wäldern gibt es Bären, Elche und Kojoten, auf See kann man vielerlei Walarten beobachten, und in den Lüften drehen Weißkopfseeadler ihre Runden.

ZUM ABENTEURER WERDEN IM NATIONALPARK

Zu den schönsten Panoramastrecken Nordamerikas zählt der nördliche Abschnitt des Cabot Trail durch den Cape Breton Highlands National Park zwischen Chéticamp und Ingonish. Unzählige Aussichtspunkte geben den Blick frei auf dicht bewaldete Täler, die bis an die Brandung des Atlantiks reichen, was besonders bei Sonnenuntergang für eine besondere Stimmung sorgt. Zu einem der bekanntesten Aussichtspunkte führt der Skyline Trail. Aufgrund seiner großen Beliebtheit sollte man jedoch lieber einen der übrigen 30 Wanderwege im Park oder das neu ins Leben gerufene Programm „Learn to Adventure“ der Parkverwaltung nutzen: Mit Karte und Kompass geht es in Begleitung eines Park Rangers fernab markierter Wege in die Berge. Am Ende des Aufstiegs findet man dann vielleicht einen wilden Wasserfall oder genießt den einsamen Blick von der Hochebene. Eine ungewöhnliche Erfahrung garantiert auch „Seeing in the Dark“ am Warren Lake. Nach Sonnenuntergang und ohne künstliches Licht im Gepäck lernt man von einem Ranger, die eigene Wahrnehmung neu zu entdecken. Im Mondlicht schärft sich die Nachtsicht, die Füße tasten über den Waldpfad und jedes Geräusch wird intensiver als je zuvor.

CAPE BRETON ISLAND VOM WASSER AUS

So gut wie überall kann man auf der Insel ins Kajak steigen und über Flüsse, Seen oder den Atlantik paddeln. Am besten geht dies in der St. Ann’s Bay bei Baddeck. Auf den Touren mit North River Kayak kommt man an Adlernesten vorbei, erkundet kleine Buchten oder sieht den Hummerfischern zu. Wer länger als einen Tag bleibt, kann in gemütlichen Hütten gleich neben der Kajakstation übernachten. Weniger anstrengend als das Paddeln, aber nicht minder erlebnisreich ist die Fahrt auf einem Walbeobachtungsboot. Vor allem an der Westküste in Pleasant Bay und Ingonish gibt es zahlreiche Anbieter, die zwischen Frühling und Winter garantieren, dass man auf Finn-, Buckel-, Pilot- oder Zwergwale sowie Delfine trifft. Auf den mehrstündigen Touren sieht man nicht nur die Insel aus einer völlig anderen Perspektive, sondern erlebt auch den rauen Ozean hautnah.

FLIEGENFISCHEN IM MARGAREE RIVER

Auf Cape Breton Island trifft man auch auf den ein oder anderen deutschen Auswanderer. So zum Beispiel Werner Buchhofer. Der begeisterte Angler übernahm vor fast zwei Jahrzehnten ein Hotel in MargareeForks und brachte seine Gäste per Allradfahrzeug ins Hinterland, um zu fischen und andere Abenteuer zu erleben. Heute heißt er alle Touristen willkommen, die eine bodenständige Unterkunft suchen. Fliegenfischern vermittelt er nach wie vor die besten Guides der Region. Einer davon ist Eugene LeBlanc. Der 78-Jährige angelt bereits sein ganzes Leben im Margaree River und bringt auch Anfängern gerne bei, wie man den Köder graziös und effektiv in der Strömung platziert. Bei einem Ausflug zur Margaree River Fish Hatchery, der Aufzuchtstation für Lachse und Bachforellen, erfährt man mehr über die Geschichte des Flusstales und seine tierischen (und menschlichen) Bewohner. Weitere interessante Einblicke bietet das Margaree Salmon Museum. Um auf Cape Breton zu angeln, ist der Kauf einer Lizenz vorgeschrieben.

CAPE BRETON ISLANDS KÜCHE GENIESSEN

Die Lage direkt am Atlantik und die Einflüsse der französischstämmigen Akadier, Schotten und Mi'kmaq, den Ureinwohnern, sind ausschlaggebend für die kulinarische Vielfalt auf Cape Breton Island. Hummer und Seafood Chowder sind die unbestrittenen Stars der lokalen Küche, die man zum Beispiel bei den Baddeck Lobster Suppers oder bei Le Gabriel in Chéticamp in Ruhe genießen kann. Kleinere Restaurants wie das Chowder House in Neils Harbour versorgen den Reisenden auch unterwegs mit einem schnellen Imbiss inklusive Blick auf Hafen und Leuchtturm. Wer mehr Zeit hat, sollte im The Bite House in Baddeck einen Platz reservieren. Chefkoch Bryan Picard zaubert jeden Abend für maximal zwölf Gäste mit ausschließlich lokalen Zutaten ein Zehn-Gänge-Menü, das auf der Zunge zergeht. Frühstücken kann man in einem der vielen Cafés am Wegesrand oder im eindrucksvollen Speisesaal des Keltic Lodge mit Blick über die Bucht von Ingonish. Ein Erlebnis der besonderen Art ist das „Learn to Lobster Boil“ im Nationalpark: Am Strand von Chéticamp wird der Hummer über dem Lagerfeuer zubereitet und während des Sonnenuntergangs unter freiem Himmel serviert.

AUF DEN SPUREN VON ALEXANDER GRAHAM BELL

Telefon, Flugapparat, Phonograph – der Erfinder, Unternehmer und frühe Präsident der National Geographic Society Alexander Graham Bell kam als junger Mann mit seiner Familie aus Schottland nach Nova Scotia und arbeitete an vielen bahnbrechenden technischen Neuerungen. In Baddeck, dem Sommersitz der Bells, steht das von der Nationalparkverwaltung geführte Museum, das sein Lebenswerk ausstellt. Einzigartig ist die White Glove Tour, während der man, weiße Handschuhe tragend, sogar in den Originalaufzeichnungen des Genies blättern darf.

ANREISE UND UNTERKUNFT

Nova Scotias Hauptstadt Halifax erreicht man mit dem Flugzeug entweder über Toronto oder direkt aus Deutschland z.B. mit Condor. Die Fahrt nach Baddeck führt über die einzige Landverbindung zur Insel, den Canso Causeway, und dauert gute vier Stunden. Die Auswahl an Unterkünften ist ebenso vielseitig wie Cape Breton Island selbst. Für Wohnmobilreisende gibt es entlang des Cabot Trails zahlreiche Campingplätze. Sechs davon befinden sich direkt im Nationalpark, darunter zwei Plätze mit „oTENTiks“ Glamping-Zelten (Chéticamp und Broad Cove) sowie ein Platz mit Cocoon Tree Beds in den Baumwipfeln (Ingonish Beach). Nicht-Camper finden zahlreiche Unterkünfte von Hütten wie bei River Nest Wilderness Cabins über Bed & Breakfasts und Motels wie dem Margaree Riverview Inn bis hin zu Hotels wie dem Keltic Lodge oder dem Glenora Inn & Distillery, der ersten Single Malt-Destillerie Nordamerikas.

KANADA

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