Reise und Abenteuer

Adventure Trip, Tag 4: Perfektes Casting

Die Abenteurer begeben sich auf den Rückweg gen Festland. Zeit, einmal die Gruppe genauer zu betrachten: Warum passt sie so großartig zusammen?Donnerstag, 9. November 2017

Von Florian Gless
Bilder Von Florian Gless
Die Abenteurergruppe paddelt zurück zum Festland.

Wir leben noch. Niemand hat auch nur irgendeine Nebenwirkung von Hardys Pilzrisotto gespürt. Willkommen also zum vierten Tag unseres diesjährigen NATIONAL GEOGRAPHIC Adventure Trip.

Elf Menschen haben sich am vergangenen Samstag zum ersten Mal in ihrem Leben gesehen. Ihre einzige Gemeinsamkeit war ein gepackter Rucksack auf dem Rücken, ansonsten verband sie bis dahin gar nichts. Und heute? Drei Tage später?

Es ist erstaunlich, was in so einer Gruppe passiert. Es gibt ja Fernsehformate, die nach diesem Muster funktionieren: Sperre ein paar Menschen eine Zeit lang auf engem Raum zusammen und beobachte, was passiert. Wenn auf dieser Reise eine Kamera mitgelaufen wäre: Wir hätten unser Publikum fantastisch unterhalten, ganz ohne Krokodileier essen. Unser Casting war perfekt, dabei war die Zusammensetzung der Gruppe ja völlig dem Zufall des Loses überlassen.

Jeden Abend gab es irgendwann den Moment, wo jemand sagte: Moment mal, wir haben ja gar keinen Alkohol! Wieso lachen wir so viel!? Die ganze Zeit sind alle miteinander im Gespräch, manchmal so intensiv, dass Günther, unser Guide, etwas energischer werden muss, um sich Gehör zu verschaffen. Aber auch er weiß: Das ist ein gutes Zeichen.

Abends beim Essenkochen. Es gibt köstlichen Kohleintopf! Im Bild: Tim, Dina, Franziska und Hardy (v.l., im Uhrzeigersinn).

Da sind Markus aus der Nähe von Stuttgart und Herbert aus dem Allgäu. Sie sprechen tiefstes Schwäbisch bzw. Bayerisch, so dass Dina, die in Wladiwostok geboren wurde, immer wieder nachfragen muss: „Was hast Du gesagt gerade?“ Markus und Herbert sind Urgesteine, herrlich bodenständig und warmherzig, immer hilfsbereit und die ersten, wenn es darum geht, dass Wasser geholt oder die Steuerung eines Kajaks eingestellt werden muss. Mit solchen aufrechten Männern im Team kann überhaupt nichts schief gehen.

Dina, gebürtige Russin, ist die zierlichste unserer Gruppe, aber nicht zu bremsen, wenn es darum geht, noch eine Extra-Runde um eine Insel zu drehen, aber trotzdem abends noch die Seele Putins zu analysieren (wir lachen ja nicht nur). Franziska, „Franzi“, bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Sie ist Radrennen gefahren und Mutter eines kleinen Kindes – beste Voraussetzungen, um in dieser etwas männerlastigen Truppe immer souverän Oberwasser zu behalten. Sonja war kurz vor dieser Reise schon hier in der Nähe und ist auf dem offenen Meer gepaddelt. Kajakfahren ist ihr Ding, was man sofort sieht, wenn man ihren Paddelstil zum Beispiel mit meinem vergleicht. Das sieht dann aus wie der Deutschland-Achter gegen ein Schlauchboot am Strand von Eckernförde.

Tim ist mit seiner beständig freundlich-höflichen Art ein wenig die gute Seele des Teams. Auch er ist ungemein hilfsbereit und springt sofort ein, wenn irgendwo eine Hand gebraucht wird. Und wer Norman dabei hat, muss sich auf dieser Erde keine Sorgen mehr ums Überleben machen. Er hat schon 68 Länder bereist, Schlangen, Meerschweinchen und anderes Getier gegessen, er weiß, dass es in der Nähe des Basecamps am Mount Everest Wlan gibt und welches die ultimativen Kocher für Windstärke elf sind. Den bringt mal gar nichts aus der Ruhe.

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Und schließlich Günther, unser Guide von der Globetrotter Akademie, der Verantwortung wie aus dem Lehrbuch vorlebt und uns die ganze Zeit ein total sicheres Gefühl gibt. Das hilft enorm, wenn zum Beispiel heute auf der Rückfahrt hinter einer Landzunge plötzlich der Wind so stark bläst, dass sich die Wellen kräuseln und unter unseren Booten brechen. Ein Kajak wird dann kippelig, und wenn Günther uns nicht darauf vorbereitet hätte („immer paddeln, das hält das Boot stabil“), wäre einigen sicher mulmig geworden.

Diese acht Menschen trafen nun aufeinander, dazu noch die drei Berichterstatter Jasper (Blog Justtravelous.com), der Fotograf Hardy (der ein eigenes Kapitel verdient hätte) und ich. So etwas kann schief gehen. Oder eben wunderbar klappen. Das ist dann fast magisch und einfach unvergesslich.

Die leichte Wehmut hier rührt sicherlich daher, dass wir morgen schon wieder auf die Colorline-Fähre nach Kiel fahren. Heute sind wir zurück zum Festland gepaddelt, was streckenweise extrem anstrengend war. Auf einem Kurs gen Süden hatten wir Wind und Strömung von vorn, und mein Eindruck war, wir würden paddeln und paddeln, und das Meer würde einfach nur unter uns durchrauschen, ohne dass wir auch nur einen Meter vorankämen. Sind wir dann aber doch, und am späten Nachmittag landeten wir herrlich abgekämpft wieder an unserem Ausgangspunkt auf dem Festland.

Hardy, unser Fotografengourmet, fand zwischendurch an einem Inselufer noch ein paar riesige Austern, die er gleich aufbrach und schlürfte. Das wäre für die Fernsehzuschauer bestimmt zu viel gewesen. Für ihn waren es die besten Austern seines Lebens. Und für uns war auch das einfach ein tolles Erlebnis.

Hier geht es zu den Berichten über Tag 1Tag 2, Tag 3 und Tag 5.

Der NATIONAL GEOGRAPHIC Adventure Trip ist eine Kooperation mit Fjällräven, Swarovski Optik und der Globetrotter Akademie.

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