Reise und Abenteuer

Kletterverbot für Australiens bekanntestes Naturwunder verkündet

Die Kletterrouten auf den Ayers Rock bzw. Uluru werden bald geschlossen, da sie „kein Spielplatz oder Vergnügungspark“ sind. Donnerstag, 2 November

Von Austa Somvichian-Clausen

Australiens National Park Board hat einstimmig beschlossen, dass der Uluru bzw. Ayers Rocks für Kletterer gesperrt wird. Der majestätische rote Felsen befindet sich im Uluru-Kata-Tjuta-Nationalpark – einer UNESCO-Welterbestätte – im Northern Territory von Australien. Dem indigenen Volk der Anangu gilt er als heilig.

Das Verbot wird offiziell am 26. Oktober 2019 in Kraft treten. Das Datum selbst hat noch eine andere Bewandtnis: Es wird der 34. Jahrestag jenes Tages sein, an dem die Regierung den Uluru wieder in den Besitz der Anangu übergab.

Die Entscheidung für das Kletterverbot kommt nicht überraschend, nachdem die Einheimischen Besucher schon jahrzehntelang darum baten, von dieser Aktivität abzusehen. Ein Schild am Fuße des Felsens bittet freundlich: „Bitte nicht klettern.“ Die Verwalter des Landes – das Volk der Anangu – sind schon seit Langem besorgt darum, dass das regelmäßige Klettern den Berg beschädigen könnte.

„Es ist ein extrem wichtiger Ort, kein Spielplatz oder Vergnügungspark wie Disneyland“, sagt der Vorsitzende des National Park Boards Sammy Wilson.

Laut den Konditionen des Park-Management-Plans von 2010 bis 2020 sollte der Uluru als Kletterort permanent geschlossen werden, wenn weniger als 20 Prozent der Besucher an dem Felsen kletterten oder wenn das Board entschied, dass es genug alternative Attraktionen gab, um weiterhin Besucher anzuziehen. (Lesenswert: 7 Atemberaubende Naturwunder in Australien)

Der Anteil der Besucher, die den 863 Meter hohen Berg erklommen, nahm in den letzten Jahren stetig ab. 2011 waren es nicht mal mehr 17 Prozent. Trotzdem besuchen mehr als 250.000 Menschen jedes Jahr den Park, was bedeutet, dass etwa 40.000 Kletterer pro Jahr den Uluru besteigen. Das ist ein bedeutender Rückgang von den etwa 38 Prozent im Jahr 2010 und den ganzen 74 Prozent in den 90ern.

Laut Parks Australia zeigen archäologische Beweise, dass die Aborigines seit mindestens 30.000 Jahren in Zentralaustralien leben. Erst in den 1870ern benannte der weiße Siedler William Gosse den Felsen nach Henry Ayers, dem damaligen Chefsekretär von Südaustralien. Der Fels ist aber nach wie vor auch unter dem Namen Uluru bekannt, dem die Aborigines ihm gaben.

Auch unabhängig von seiner kulturellen Bedeutung hat sich das Klettern auf dem Uluru für manche als fatal erwiesen. „Zu viele Menschen sind bei dem Versuch, den Uluru zu erklimmen, gestorben“, kann man in einer Nachricht seiner traditionellen Eigentümer auf der Webseite von Parks Australia lesen. „Viele andere wurden beim Klettern verletzt. Es betrübt uns sehr, wenn ein Mensch auf unserem Land stirbt oder verletzt wird.“ Seit den 1950ern sind mindestens 35 Menschen beim Aufstieg gestorben.

Zu den Gegnern des Kletterverbots gehört der Ministerpräsident des Northern Territory, Adam Giles, der die Idee eines Verbots einst als „lächerlich“ abtat. Giles unterstützt die Idee, eine Kletterroute mit strengen Sicherheitsvorkehrungen und Regeln zu schaffen, die einen spirituellen Respekt durchsetzen. Er besteht darauf, dass die einheimischen Aborigines „erhebliche ökonomische Vorteile“ davon hätten, den Besuchern das Klettern zu gestatten.

Der Verband Tourism Central Australia, der die Entscheidung des Boards unterstützt, wies auch darauf hin, dass der Öffentlichkeit nach wie vor weite Teile des Nationalparks für eine respektvolle Erkundung zugänglich sind. Zu den Aktivitäten, die weiterhin durchgeführt werden können, zählen das Wandern und Biken um den Felsen herum, das Überfliegen mit einem Hubschrauber und ein Kamelritt durch den Park. Die Besucher können außerdem etwas über die lokale Kultur der Aborigines lernen und im Kulturzentrum des Parks Kunst bestaunen.

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