Das einzigartige Blütenreich Südafrikas

Etwa 30 Prozent der Pflanzengattungen der Kapflora gibt es nirgendwo sonst auf dem Planeten.

Tuesday, March 27, 2018,
Von Marie McGrory

Viele Reisende sind in Südafrika auf der Suche nach den Big Five – Elefanten, Nashörner, Büffel, Löwen, Leoparden –, wollen den Ausblick vom Tafelberg genießen oder sich am Strand entspannen. Tatsächlich hat das Land so viel zu bieten, dass eine Besonderheit dabei oft vergessen wird. Die Landgebiete der Erde werden in sechs sogenannte Florenreiche unterteilt, die sich durch eine einzigartige Pflanzenwelt auszeichnen. Südafrika beheimatet das mit Abstand kleinste und bemerkenswerteste dieser Florenreiche. Dreißig Prozent der Pflanzengattungen der Kapflora, wie dieses spezielle Reich genannt wird, gibt es nirgendwo sonst auf der Welt.

Wir haben fünf Erlebnisse in dieser einzigartigen Pflanzenwelt zusammengestellt, die zum UNESCO-Welterbe gehört.

Ein friedlicher Nachmittag: Botanischer Garten Kirstenbosch

Die Größe und Pracht des Botanischen Gartens Kirstenbosch sind an sich schon eindrucksvoll, aber die seltenen Pflanzen der Hügellandschaft machen ihn zu einem der außergewöhnlichsten botanischen Gärten der Welt. Silberbäume, Silbersamen (das nächste Bild) und einer der weltweit letzten Brotpalmfarne der Art Encephalartos woodii sind nur ein paar gute Gründe für einen Besuch.
Bild Marie McGrory
Silbersamen
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Am Rande von Kapstadt verbirgt sich ein buntes Kaleidoskop der Ruhe und Eintracht. Der knapp über fünf Quadratkilometer große botanische Garten ist ebenso weitläufig wie wunderschön. Hier kann man sich für eine Eintrittsgebühr von fünf Dollar zwischen farbenfrohen Hügeln verlaufen, auf eigene Faust der Karte folgen oder sich einer geführten Tour anschließen. In dem Garten finden im Sommer außerdem regelmäßig Konzerte und Filmvorführungen statt. An einem klaren Tag sollte man sich zudem auf keinen Fall den Baumkronenpfad Boomslang entgehen lassen. Die Brücke aus Stahl und Holz windet sich (wie eine Baumschlange oder boomslang) durch die Wipfel und ermöglicht einem eine Vogelperspektive auf den Garten und einen Blick auf den Tafelberg.

Athletische Expedition: Tafelberg-Nationalpark

Ob man nun eine Tageswanderung den Tafelberg hinauf macht oder sich für die Seilbahn entscheidet – der Weg auf den Gipfel dieses Naturwunders ist immer einen Ausflug wert.
Bild Neil Austen, Getty Images

Von Kapstadt aus kann man den Tafelberg eigentlich kaum übersehen. Wer auf eine Wanderung verzichten möchte, gelangt per Seilbahn auf den Berg und wieder hinunter. Nur das Wetter und die Wartezeiten sollte man dabei immer im Auge behalten. Im Tafelberg-Nationalpark gibt es mehr Pflanzenarten als in ganz Neuseeland. Besonders Wanderungen mit naturkundlich gebildeten Führern eigenen sich also, um die unvergleichliche Artenvielfalt der Region zu erleben. Am besten spricht man mit einem Tourenveranstalter wie Hike Table Mountain, um aus den Hunderten möglichen Routen eine auszuwählen, die die eigenen Bedürfnisse erfüllt.

Solo-Blumensafari: Grootbos Private Nature Reserve

Eine Blumensafari ist vielleicht die beste Möglichkeit, um die Artenvielfalt der Region wirklich schätzen zu lernen. Ein erfahrender Führer kann sowohl spannende Geschichten als auch wissenschaftliche Fakten zu ein paar der seltensten Pflanzen im Grootbos Private Nature Reserve erzählen.
Bild Marie McGrory

Für ein Blumenerlebnis der Extraklasse kann man zwei Autostunden östlich von Kapstadt eines der schönsten Naturreservate der afrikanischen Ostküste besuchen: Grootbos. Dort befindet sich auch eine der National Geographic Unique Lodges of the World. Neben atemberaubenden Exkursionen im Bereich der Walker Bay begleitet ein Führer Gäste auch auf eine Blumensafari in Grootbos. So kann man die seltenen und faszinierenden Pflanzen aus nächster Nähe betrachten. Bei den Führungen kann man auch mehr über die kontrollierten Brände erfahren, welche das Biom Fynbos gesund und fruchtbar halten, nach seltenen Orchideen suchen und sich an der blühenden Hügellandschaft voller Erica irregularis sattsehen, die nur in der Region der Walker Bay zu finden sind und von März bis Juli blühen. Grootbos lädt mit seiner einzigartigen Umwelt zweifelsfrei zum Verlieben ein. Als kleiner Bonus lockt das Naturgebiet mit vorzüglichem Essen und Wein – beides aus frischen Zutaten aus dem eigenen Garten.

Picknick am Strand: Cape Point und das Kap der Guten Hoffnung

Die Wanderwege am Cape Point können Besucher problemlos einen Tag lang beschäftigen. Man sollte sich unterwegs nur vor Pavianen in Acht nehmen, die gern Essen klauen.
Bild Hougaard Malan, Getty Images

Wer neben den ganzen Blumenwanderungen trotzdem nicht auf Strand verzichten möchte, für den ist ein Ausflug zum Cape Point genau das Richtige. Dort trifft der Atlantik auf den Indischen Ozean. Eine beliebte Wanderroute führt zum alten Leuchtturm am Cape Point, aber ein echtes Muss ist ein Spaziergang über die Felsen und die Strandpromenade, die Cape Point und das Kap der Guten Hoffnung miteinander verbindet. Der Weg an der Küste wird von zahlreichen Zuckerbüschen gesäumt, auch als Silberbäume oder Kaprosen bekannt. Aufmerksame Besucher können aber auch andere Pflanzen- und Tierarten entdecken, darunter Paviane und Bergzebras. Wer dann noch genügend Energie für etwa 150 Treppenstufen hat, kann einen Abstecher zum abgelegenen Diaz Beach machen und ihn mit etwas Glück sogar ganz für sich haben.

Camping-Abenteuer: West-Coast-Nationalpark, Postberg Nature Reserve

Ein Meer aus Blumen bedeckt eine Wiese im Postberg Nature Reserve des West-Coast-Nationalparks.
Bild Paul Bruins, Getty Images

Jedes Jahr erblüht das Postberg Nature Reserve am Westkap von August bis September in leuchtenden Farben. Das Gebiet liegt nur 90 Autominuten von Kapstadt entfernt und eignet sich damit ideal für einen Tagesausflug ins Blumenmeer. Alternativ kann man im Voraus eine Zwei-Tage-Reise durch das Postberg Nature Reserve buchen, die auf zwölf Personen begrenzt ist. Die Hauptblütezeit – und damit auch die Hochsaison für Führungen und Touren – ist von August bis September. Obwohl die Blumensaison im Park immer beliebter wird, finden sich das ganze Jahr über Vogelbeobachter, Kajakfahrer und Fahrradfahrer im Gebiet um das Westkap.

 

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